Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
169
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Moralin

Morawski

IM

Moralin (Leandro Fernande; di), spanischer Dichter, 1758 zu Madridg eboren, erhielt unter der Leitung seines Vaters, NicolasFernandezdi M.,des ersten lyrischen Dichters der Spanier im 18. Jahrhundert, eine tressliche Er-ziehung, die seinen Geist mit reichen Kenntnissen ausstattete und seinen Kunstsinnausbildete. Kurz vor seines Vaters Tode warb der junge Dichter unter erborgremNamen um den von der spanischen Akademie ausgesetzten Preis und sein Gedichtauf die Eroberung Granadas erhielt eine ehrenvolle Erwähnung; er selber abererkannte bald die Mangel dieses Versuches, den er nie in die Sammlung seinerWerke aufnahm. Das zweite Gedicht, das er der Akademie 1782 vorlegte:Leccicm poeticu", erhielt den Nebenpreis; es ist eine geistreiche Satire auf diedamaligen Verirrungen der spanischen Poesie. Spater wandte sich M. der drama-tischen Dichtkunst zu. Seinem ersten Lustspiel:LI vie)o ^ la nina", das 1787erschien, folgten baldLI caie", durch witzigen Dialog ausgezeichnet,LI burou",in feiner Charakterzeichnung hervorstechend,La mchixata", durch moralischeTendenz sich empfehlend, undLi si 6e las oiuas", durch glückliche Situationen1 W und gelungene Zeichnung der gesellschaftlichen Sitten wirksam. Dieses letzte 1805' MinGz erschienene Stück, mit welchem M. seine dramatische Laufbahn schloß, wurde derTÄM, di- Inquisition von seinen Feinden als ein anstößiges Werk angegeben, fand aber soMGM allgemeinen Beifall, daß der Dichter gegen alle Verfolgungen geschützt blieb. Er-ridmÄA hoben sich M.'s dramatische Werke auch nicht zu der höchsten Kunstvollendung, sozeichnen sie sich doch durch Einfachheit des Plans, geistreiche Charakterdarstellung,lebendigen Dialog, so sehr aus, daß er der Wiederhersteller der tief verfallenen spa-nischen Bühne wurde, und mehren begabten jüngern Dichtern, wie Monim, Cor-tes, Villaverde, Solis, eine glückliche Richtung gab. Als lyrischer Dichter er-reicht er seinen Vater weder in Originalität, noch in Kraft und Feuer, aber er istdagegen glücklich in der Wahl patriotischer und bedeutender Gegenstände, und zeigthohe Vollendung der metrischen Form. Unter seinen Idyllen, Sonetten und Epi-steln findet man einige in dieser Hinsicht ausgezeichnete Dichtungen. Als Satiri-ker machte er besonders durch das GedichtLas ckiss" Aufsehen. M. war mit demallwaltenden Günstling Manuel Godoi in Verbindung gekommen, der ihm seinenSchutz gewährte und ihm zwei geistliche Pfründen gab, die ihm seinen Unterhaltsicherten, obgleich er nie die geistlichen Weihen erhalten hatte. Auch ssoll er zu ei-ner Reise durch Frankreich, England, Italien und Deutschland Unterstützung vondem König erhalten haben. Nach seiner Rückkehr ward er von Karl IV. zum Se-cretair bei dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ernannt, und Jo-seph Bonaparte machte ihn zu seinem Bibliothekar. Nach der Schlacht von Bay-len folgte er dem König an den Ebro. Als die französische Herrschaft gefallen war,lebte er zurückgezogen in Valencia, bis ihn Elio's Verfolgungen zur Flucht nachBarcelona zwangen, wo er bis 1821 blieb. Später ging er nach Bordeaux und1827 nach Paris, wo er seitdem seinen Ausenthalt nahm. Er beschäftigte sich inFrankreich mit der Sammlung seiner Schriften:0l>ru8 UrÄMÄticas ^ lii-icas"(3 Bde., Paris 1825), in welche er, strenge prüfend, mehre seiner frühern Ar-beiten nicht aufnahm. In der letzten Zeit seines Lebens bearbeitete er eine Ge-schichte des spanischen Theaters, die er aber bei seinem Tode am 21. Jun. 1828nur bis auf Lope de Bega hinabgeführt hatte. Nach seiner Verfügung sollten diezu derFortsetzung dieses Werkes bestimmten handschriftlichen Materialien verbranntwerden, was auch geschah, nachdem man eine Abschrift davon genommen hatte.Sein Freund Silvela wird diesen Nachlaß bearbeiten. M. gab die Werke seinesVaters unter dem TitelObras pc >5tuinas" (London 1825) heraus.

Morawski (Gottlieb), geboren am 3. Apr. 1793 zu Pivonice in derWoiwodschaft Kalisch, erhielt seine Bildung auf den Lyceen zu Breslau und War-schau, und nachdem er in der Hauptstadt das Studium der Rechte vollendet hatte,