Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164 Montbel

bei der Erörterung überschet" hatte sie ihm gar eine von Odilon-Barrot und derganzen Opposition unterzeichnete Protestation zu verdanken. Während Pe'rier'sKrankheit ward er am 28. Apr. 1832 wieder zum Minister des Innern ernannt,bei der Bildung des neuen Ministeriums unter Soult's Vorsitze am 11. Ott.1832, verlor er seine Stelle und wurde Intendant der Civististe. M. ist einschöner und feiner junger Mann und Ludwig Philipp ist ihm persönlich sehrgewogen. (15)

Montbel (Guillaume Isidore, Baron de), ehemaliger Minister Karl X.,stammt aus einer sehr angesehenen Familie zu Toulouse, wo er 1786 geborenwurde. Sein Vater starb wahrend der Revolution auf dem Schaffot. Bei Na-poleon's Rückkehr von Elba diente M. unter den königlichen Freiwilligen. Nachder zweiten Restauration wurde er als Nachfolger seines Freundes Villele Mairevon Toulouse. Von dieser Stadt 1827 zum Abgeordneten ernannt, war M. inder Kammer der Repräsentant des gefallenen Villele. Er verlangte bei Erörterungder Adresse, daß die Stelle, worin man Karl X. dafür dankte, Frankreich von Vil-lele's Ministerium befreit zu haben, weggelassen werde; stimmte gegen die Pe-tition des Advocaten Duplan für die Anklage desselben Ministeriums; erhob sichgegen die Preßfrechheit, welche ihm zufolge der Grund von der Ermordung desHerzogs von Berri war; verlangte, daß kein Journal ohne Autorisation erscheinendürfe, da nichts so gefährlich sei als die Concurrenz der Journale, denn Concur-renten müßten Alles wohlfeil geben; sprach gegen Labbey de Pompierre, der aufAnklage des Ministeriums Villele antrug; widersetzte sich dem Vorschlage, daßdie Preßvergehen durch die Jury gerichtet werden sollten, und sprach gegen die Aus-treibung der Jesuiten. Bei Eröffnung der Sitzung von 1829 wollten ihm seineAnhänger die Viceprästdentschaft der Kammer verschassen und er erhielt 62 Stim-men. Am 19. Febr. bekämpfte er das Ausschieben der Berathung über Pomp/er-re's Antrag und verlangte, daß sich die Kammer dafür oder dagegen entscheide; ersprach später gegen Jsambert's Petition über die Missionare, beklagte sich über dengriechischen Feldzug, machte bei Gelegenheit der Budgetsberechnung von 1827 vonNeuem den Lobredner Villele's, rühmte den spanischen Krieg, die Emigrirtendo-tation, die Dreiprocents; erhob sich, als man die Erwählung der Maires durchdie Communen verlangte, gegen den Misbrauch des Petitionsrechts, schloß seineRede mit einem heftigen Angrisse gegen die constituirende Versammlung und wurdeam 8. Aug. 1829, während er in Toulouse war, zum Ministerium des Unter-richts und Eultus berufen. Er nahm das Portefeuille, um welches er nicht gebe-ten hatte, ungern an; am 14. Aug. in Paris angelangt, leistete er am 16. denEid und übernahm am 19. sein Amt. Als Unterrichtsminister führte M. die vonVatismenil vorbereiteten Verbesserungen aus und suchte die Ungerechtigkeiten vonFrayssinous wieder gutzumachen. Dem Verlangen der devoten Partei, daß dieHörsäle von Cousin, Guizot und Villemain geschlossen würden, gab er nicht nach.Durch Guernon de Ranville ersetzt, wurde er an Labourdonnaye's Stelle Ministerdes Innern, aber nur aus Gehorsam für den Willen Karl X. Seine Bemü-hungen für das Loos der Gefangenen und die Verbesserungen im Ackerbau werdenallgemein anerkannt. Er suchte vergebens seine Entlassung und befolgte dann dasSystem der übrigen Minister. Das sehr angegriffene Umlaufsschreiben bei Gele-genheit der vorletzten von Karl X. veranstalteten Wahlen, das in dem Minister-processe durch Persil dem Grafen von Peyronnet zur Last gelegt ward, ist von M.Drei Tage nach der Auflösung der Kammer dachte Karl X. an die Erwählung einesneuen Ministeriums, an dessen Spitze Peyronnet stehen sollte; schon war M. ausde n Ministerium geschieden, und drei Tage hindurch widerstand er allen Einla-dungen, wieder einzutreten; erst bei dem förmlichen Versprechen Karl X., daß erihn baldigst entlassen werde, fügte er sich und gehorchte, wie er später in einem