150 Moller
Luise nach Bleis begleitete. Unter der Restauration wurde M. anfangs nichtangestellt, sondern erhielt blos eine Stelle im Municipalrath von Paris, undunterzeichnete mit diesem die dem Könige einig« Tage vor dem 20. Marz über-reichte Adresse. Am Tage der Wiederkehr Napoleon's begab er sich nicht mit denehemaligen kaiserlichen Minister» in die Tuilerien; Napoleon ließ ihn zu sich ru-fen und drang in ihn, das Portefeuille der Justiz anzunehmen, oder Minister desInnern oder der auswärtigen Angelegenheiten zu werden. Da M. sich standhaftweigerte, so befahl ihm Napoleon, das Amt eines Generaldirectors der Brückenund Landstraßen wieder zu übernehmen. Wenige Tage nachher weigerte sich M.die Erklärung des Staatsraths vom 25. März gegen die Bourbons zu unterschrei-ben, und verließ die Sitzung, um keinen Antheil an der Berathung zu nehmen.Der Kaiser setzte dennoch M.'s Namen auf die Liste der Pairskammer, M. aber,der ins Bad gereist war, schrieb von dort einen Brief, worin er sich entschuldigte.Ludwig XVIIl. ernannte ihn zum Staatsrath und Generaldireccoc der Brückenund Landstraßen, und am 17. Aug. 1815 zum Pair. M. gehörte 1815 zu meh-ren Commissionen der Kammer, namentlich zu derjenigen, welche die Satzungenfür das Pairstribunal abfaßte. In der folgenden Sitzung wurde er zum Seci» -tair ernannt. Im Aug. 1817 ward er statt des zum Kriegsminister ernanntenMarschalls Gouvion Saint-Cyr Minister deS Seewesens. Von 1822 an gehörteM. zur Opposition. Durch seine Reden über die wichtigsten Angelegenheiten indem letzten Decennium der Restauration erlangte er den Ruf eines der ausgezeich-netsten Redner Frankreichs. Im Febr. 1825 hielt er eine berühmte Rede gegenden Vorschlag des Sacrileggesetzes. Als Dessolles an der Spitze der Verwaltungstand, erhielt M. keine Anstellung, ebenso wenig unter Villele, gegen welchen be-sonders seine Opposition gerichtet war. Unter Martignac war er Mitglied einer lln-tersuchungscommission über Landstraßen und Kanäle, und wurde von Karl X. zu dmVerhandlungen über das Communal-und Departementalgesetz berufen. M. wandlesich gänzlich von der Regierung ab,als Polignac an das Ruder gekommen war. Am30. Jul. berief ihn derHerzog von Orleans nach dem Palais royal, und erwählte ihnim Aug zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Unter M.'s Ministeriumwurde Ludwig Philipp von den auswärtigen Mächten als König der Franzosen an-erkannt, und zuerst von England, wiewol damals Wellington noch Minister war.Als in Belgien die Revolution ausbrach, erklärte M, wenn die Preußen dort ein-rückten, so würden die Franzosen das Gleiche thun. Das erste Ministerium Lud-wig Philipp's war zu uneinig, als daß es lange hätte bestehen können; Lafsitte undPerier riethen in Allem zu einem durchaus entgegengesetzten System. Zuerst tra-ten Guizot und Broglie aus, dann M. und Perier. Seit dem Nov. 1830 hatM. wenig in der Pairskammer gesprochen; großes Aufsehen erregte aber seineRede zu Gunsten der Pairserblichkeit am 22. Dec. 1831, worin er übrigens zu-gab, daß diese Erblichkeit für immer verloren sei. Er blieb fortwährend ein treuer An-hänger Ludwig Philipp's. M.'s Schriften sind: „Ls-ais cke murale et cle politigue"(Paris 1806), in der zweiten Ausgabe mit der Lebensbeschreibung seines Groß-vaters MathieuM.; „Observation« sur le ckernier buelget, ackressees psr un pairaui ckeul cliambres a l'ouverture <le la session" (Paris 1822). (15)
Moller (Georg), großherzoglich hessischer Hofbaudirector und Oberbau-rath zu Darmstadt, wurde 1784 zu Diepholz im Hanöverischen geboren, studirtedie Baukunst zuerst unter Weinbrenner's Leitung zu Karlsruhe von 1802 — 7,später in Italien, wo er sich drei Jahre aufhielt, und trat 1810 als Hofbaumeister ingroßherzoglich hessische Dienste. Die bedeutendsten der unter seiner Leitung ausge-führten Gebäude sind: das Castnohaus, das Theater, die katholische Kirche unddie neue Kanzlei zu Darmstadt, !die katholische Kirche zu Bensheim an der Berg-straße, die Restauration der Ostseit- der Domkirche zu Mainz und das Theater