Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

Mitscherlich

das Missionswesen betreffenden Nachrichten begann, zu derselben Zeit eine Vor-schule für das baseler Institut gründete, um Handwerker, die sich zum Missions-dienste meldeten, zu prüfen, und 1827 ein eignes Missionsseminar stiftete, 1832aber, nachdem sich mehre Vereine in Westfalen und den Rheinlanden mit ihr ver-bunden hatten, unter dem Namen der Rheinischen Missionsanstalt in eine selbstän-dige Wirksamkeit trat, die besonders auf Südafrika gerichtet ist, wo sie seit 1829bereits vier Stationen gegründet hat.

Mitscherlich (E.), Professor der Chemie in Berlin, wurde am 7. Jan.1794 zu Neurede bei Jever geboren, wo sein Vater Prediger war. An dem Gymna-sium in Jever war Schlosser (jetzt Professor in Heidelberg) als Lehrer angestellt, derihn mit vaterlicher Liebe bildete und ihn bei seiner Versetzung nach Frankfurt mit-nahm. 1811 ging M. nach Heidelberg, um Geschichte, Philologie und insbesondereorientalische Sprachen zu studiren; 1813 nach Paris, wo er den Unterricht in derLcole eles lunFueZ orientales benutzte; 1814 ging er nach Göttingen, um nachden Manuskripten der dortigen Bibliothek eine Geschichte der Ghuriden und Kare-Chiteger zu bearbeiten, von welcher ein Capitel als Probe („Mrclmuüi Historieüeriüiirum") erschienen ist. Neben dieser Arbeit beschäftigte er sich zuerst mit demStudium der Geologie und Mineralogie, mit Chemie und Physik und zuletzt mitder Medicin, anfanglich in Beziehung auf sein historisches Studium, nachher, alsChemie und Physik ihn vorzugsweise interessirten,nur mit diesen, sodaß er seit 1818,wo er nach Berlin ging, sich nur der Chemie widmete. Die Untersuchung der Ur-sache, warum die phosphorsauern und arseniksauern Salze in ihren chemischen undphysikalischen Eigenschaften eine auffallende Übereinstimmung zeigen, führte ihn zuder Entdeckung, daß jedem künstlichen, krystallisirten, phosphorsauern Salz ein ar-seniksaures von gleicher Form und analoger Zusammensetzung entspreche; und ausdieser Entdeckung leitete er den Zusammenhang zwischen der Krystallform und dcrchemischen Ausammensetzung für die übrigen chemischen Verbindungen ab. M ermit der Verfolgung dieser Entdeckung, für welche er späterhin von der königlichenGesellschaft in London die große Medaille erhielt, beschäftigt war, kam Berzeliusl1819) nach Berlin, welcher damals kurz vorher sein chemisches Mineralsystembekannt gemacht hatte. Da das Resultat von M.'s Untersuchungen alle Einwürfe,welche von KrystaUographen, insbesondere von Hauy dagegen gemacht worden wa-ren, widerlegte, so untersuchte Berzelius mit besonderer Sorgfalt die einzelnenThatsachen, welche M. ihm vorlegte, und da er diese bestätigt fand, so schenkte erM. so sehr sein Zutrauen, daß er, bei der Besetzung der chemischen Professur inBerlin zu Rathe gezogen, ihn dazu vorschlug. M. wurde daher 1821 zum Pro-fessor der Chemie und zugleich von der Akademie zum Mitglied für die Chemie anKlaproth's Stelle ernannt, nachdem er sich seit 1819 in Stockholm aufgehaltenhatte, wo er in Berzelius' Laboratorium arbeitete. Bei seinem Aufenthalt in Fah-lun suchte er sich Rechenschaft von dem chemischen Proceß zu geben, welcher beimdortigen Kupferausschmelzen stattfindet, und fand bei dieser Untersuchung, daß dieSchlacken dort theils in der Form des Olivins, theils in der des Augits beim Erkal-ten krystallisiren. Die chemische Untersuchung dieser Krystalle zeigte gleichfalls auchin der Zusammensetzung eine Übereinstimmung mit den natürlichen Krystallen;Durch diese Beobachtung aufgemuntert, kam er dahin, den größten Theil der in dcrNatur vorkommenden und bei einer hohen Temperatur gebildeten Mineralien inderselben Form und mit denselben physikalischen Eigenschaften durch Zusammen-schmelzung ihrer Bestandtheile darzustellen und bei verschiedenen metallurgischenProcessen aufzufinden. Bei seiner Zurückkunft nach Berlin fand er, daß man denSchwefel in zwei verschiedenen Formen, je nachdem die Temperatur, bei welcherman ihn krystallisiren läßt, verschieden ist, erhalten kann; eine Thatsache, fürwelche noch viele Beweise nachher entdeckt worden sind. In demselben Jahre