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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
141
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Missionen ?41

weil er bei mangelhafter Sprachkenntniß seine Begriffe nicht klar entwickeln kann,wenig Verbreitung gewonnen hat, wozu aber auch beigetragen haben mag, daßes vielen Glaubensboten in neuern Zeiten an Einsicht und Menschenkenntniß fehlte.Theils aus diesen Umstanden, theils aber auch aus der geringen Theilnahme dereuropäischen Regierungen lassen sich die langsamen Fortschritte erklaren, die dasChristenthum seit dem 17. Jahrhundert in Asien gemacht hat.

In keinem Theile der Welt haben die Missionsanstalten eine erfolgreichereWirksamkeit gezeigt als auf den Inseln der Südsee, wo englische und amerikanischeGlaubensboten in einer Thätigkeit wetteiferten, die an die apostolischen Zeiten er-innern konnte. Es würde uns hier zu weit führen, die merkwürdige Geschichte derVerbreitung des Christenthums in Polynesien, besonders auf den Gesellschafts-und Sandwichinseln, und der dadurch herbeigeführten Umwandlung des gesellschaft-lichen Zustandes ausführlich darzustellen, und wir können uns um so mehr auf eineAndeutung jener Ereignisse beschranken, wenn wir auf die umständlichen Berichtedes trefflichen englischen Missionars Ellis (s. d.) in seinen „?oi^nesian resear-clles", auf des Amerikaners Stewart Werk visit to tde 8outll 8eas" (2 Bde.,Boston 1832), und aus die unparteiliche Zusammenstellung der neuesten Nachrich-ten verweisen, die Friedrich Krohn in seiner Schrift „Das Misft'onswesen in derSüdsee" (Hamburg 1833) gegeben hat. Es waren bereits gegen Ende des 18.Jahrhunderts Versuche gemacht worden, das Christenthum auf den Gesellschafts-inseln einzuführen, und die englische Missionsanstalt in Australien, welcher Mars-den mit Eifer und Klugheit vorstand, richtete fortdauernd ihre Aufmerksamkeit aufjene Inseln. Die Bemühungen auf Otahiti scheiterten an dem Widerstande derAnhänger des alten Glaubens und der alten rohen Sitte, obgleich der König Po-mare seit 1803 die Missionen begünstigte. Er wurde 1809 nach der Insel Eimeovertrieben und alle von der Mission gegründeten Bildungsanstalten gingen unter.Auf Eimeo, wo der unerschrockene Nott an Pomare's Seite blieb, und wohin baldauch andere Missionare aus Port Jackson zurückkehrten, verbreitete sich indeßseit 1812 unter Pomare's Schutze das Christenthum, bis der vertriebene Königvon den ihm günstigen Häuptlingen wieder nach Otahiti gerufen wurde. Die er-sten Versuche mislangen ihm; 1815 aber hatte sich die Zahl seinerAnhänger so sehrvermehrt, daß er bei seiner Landung auf Otahiti am 12. Nov. 1815 die Parteides alten Glaubens in einem entscheidenden Kampfe überwand. Seine Mäßigungnach dem Siege verstärkte seinen Anhang und die auf derJnsel gebliebenen Freundedes Christenthums begünstigten die aus Eimeo zurückkehrenden Missionare, anderen Spitze Nott und seit 181? der unermüdete Ellis wirkten. Die zerstörtenSchulen wurden wiederhergestellt; Ellis brachte eine Druckerpresse mit und 1818erschien eine otahitische Übersetzung des Lukas. In demselben Jahre ward eineeigne Missi'onsgesellschaft auf Otahiti zur Fortpflanzung des Christenthums aufden übrigen Inselgruppen gestiftet, und 1824 die Südseeakademie zur Bildungeingeborener Lehrer gegründet, welche 1830 bereits 23 Zöglinge in der Religion,Sprachlehre, Geschichte, Mathematik, Sternkunde, Zeitrechnung, Naturge-schichte, Geographie und Zeichnungskunst unterrichtete. Die Fortschritte des Chri-stenlhums und die Unterdrückung der durch den alten Glauben geheiligten grausa-men Gewohnheiten bahnten der Gesittung den Weg. Die Versuche zur Einfüh-rung regerer Betriebsamkeit hatten Erfolg. Der Anbau des Bodens wurde ver-bessert und das Volk an manche zur Förderung des Wohlstandes nützliche Gewerbegewöhnt. Die sorgfältig unterhaltenen Schulen verbreiteten geistige Bildung, undbaben es dahin gebracht, daß die Mehrzahl der Einwohner im Stande i'st, alle inihrer Sprache vorhandenen Bücher zu lesen. Bis 1829 waren außer mehrenBuchsiabirbüchern, Leseübungen, Katechismen, Rechnenbüchern, Liedersammlun-gen, auch die Gesetzbücher der verschiedenen Eilande der Gesellschaftsinseln und die