138 Missionen
der Darstellung des neuesten Zustandes derselben können wir einige Rückblicke nichtentbehren. Die protestantischen Missionen hatten bei dem Beginn ihrer Arbeitenmit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Während früher die katholischen Glau-bensboten, seit die Jesuiten im 16. Jahrhundert die Bahn eröffneten, durch Für-sten und reiche geistliche Stiftungen unterstützt wurden, sahen sich die protestanti-schen nur auf die freiwilligen Gaben frommer Glaubensgenossen angewiesen.Nicht weniger hinderte es den Erfolg dieser Unternehmungen, daß die ersten Glau-bensboten durch fromme Begeisterung nicht ersetzen konnten, was ihnen an Kennt-nissen abging, und Diejenigen, unter deren Leitung sie standen, ebenso unerfahrenund unwissend waren. Unter den protestantischen Völkern, die sich um die Aus-breitung des Christenthums verdient gemacht haben, sind die Engländer, die Da-nen und die Deutschen auszuzeichnen, mit welchen endlich auch die Bewohner derVereinigten Staaten rühmlich wetteiferten. In dem ersten Jahrhundert der Refor-mation hatten die Protestanten zu Hause genug zu thun, nicht nur das Evangeliumzu predigen, sondern auch mit dem Schwerte es zu beschützen. Die Holländer wa-ren das erste protestantische Volk, dem sich die Gelegenheit darbot, das Christen-thum in den von ihnen eroberten außereuropäischen Ländern zu befördern, und siegründeten in ihren Ansiedelungen in Asien überall Kirchen und Schulen; wiewoldie politische Rücklicht, den Portugiesen, die in Indien viele Namenchristen ge-wonnen hatten, das Gleichgewicht zu halten, zur Erweckung ihres Bckehrungs-eifers beigetragen haben mag, da sie in Afrika, wo sie keine Nebenbuhler hatten,wenig an die Versittlichung der Wilden dachten. Die Dänen begannen das Werkmit reinem Eifer für die Sache. Die von Friedrich IV. zu Kopenhagen gestifteteMisfionsgesellschaft sandte Glaubensboten nach Trankebar und Koromandel, diemeist in Franke's Anstalt zu Halle ihre Bildung erhalten hatten. Auf den dänisch-westindischen Inseln begannen 1732 die Missionen der Brüdergemeinde durchLeonhard Dober, der Herrnhut mit dem begeisterten Entschlüsse verließ, den Ne-gern aus St.-Thomas das Christenthum zu verkünden, als Sklave mit ihnen zuarbeiten und sein Leben zu opfern, wenn er auch dem Heiland nur eine Seele ge-wännet) Der glückliche Erfolg dieses Unternehmens ermunterte zu ähnlichen An-stalten unter den Eskimos in Grönland und auf Labrador, unter den Indianernin Canada, unter den Hottentotten in Südafrika und unter den Kalmücken, undüberall wurde von den Heidendoten der Brüdergemeinde der Grundsatz befolgt, diechristliche Lehre auf sittliche Veredelung zu gründen. England wurde durch diesesBeispiel erweckt. Frühere Anstalten hatten dort wenig Erfolg gezeigt, und dieschon zu Ende des 17. Jahrhunderts gestiftete Gesellschaft zur Beförderung christ-licher Erkenntniß besaß so wenig Hülfsmittel, daß sie der von den dänischen Mis-sionaren vorgeschlagenen Anstalt in Trankebar nur schwachen Beistand gewährenkonnte. Die englische Negierung gab wenig Aufmunterung, ehe sie erkannt hatte,wie viel diese Anstalten für die Versittlichung der Wilden zu wirken vermöchten,und die reiche bischöfliche Geistlichkeit dachte nicht daran, sie zu unterstützen. Diefrüh gestiftete Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums in fremden Weltthei-len erhielt zwar in ihrem Freibrief die Bestimmung, die englischen Colonien mitGeistlichen der bischöflichen Kirche zu versehen, aber sie beschränkte ihre Wirksam-keit nur auf die amerikanischen Ansiedelungen, wo sie mit ihren geringen Mittelnkeine großen Erfolge gewinnen konnte. Es hat gewiß auf das Schicksal dieser An-siedelungen Einfluß gehabt, daß die britische Regierung es versäumte, eine bischöf-liche Kirche dort zu gründen. Bis zur amerikanischen Revolution unterhielt jeneGesellschaft gegen 100 Missionare außer Schulmeistern und brauchte dazu unge-fähr 5000 Pfund Sterling.
*) S. „Die Brüdermission ans den dänisch-westindischen Jyftln. Ein RückblickM'derm?sffe« JahrhuMrft" sGnqdW IM.)