Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130 Mina (Francisco Espoz y — Lavier)

antwortete, er habe denselben in den Abtritt geworfen. Der Wessir wurde wü-thend, ließ M. in einen tiefen Kerker werfen und drohte ihn mit Martern, wenner den Brief zurückhielte. Sein Fuß wurde an einen Balken gebunden und ihmgedroht, man würde ihn kopfabwarts hangen, peitschen und am Feuer braten.So stand er vier Stunden auf einem Fuß, beharrte aber auf seiner Aussage. DerWessir ließ im Kothe wühlen, fand den Brief und war besänftigt. M. erhielt imvollen Divan das beste Zeugniß und wurde mit Geschenken an den Beg nach derWalachei geschickt. Hier lag er eine Woche in Eisen, wurde dann verhört, un-schuldig befunden und mit einem Geschenk von 15 Dukaten nach Widdin zurück-gesendet. Der Wessir schenkte ihm von nun an sein volles Vertrauen, hieß ihn dasTürkische erlernen und würde ihm eine günstige Zukunft bereitet haben, wenn ernicht nach Kleinasien wäre abberufen worden. M. ging nach Belgrad, wo er eineZeit lang ein Stelle bei Milosch's Bruder übernahm, dann aber nach Befsarabienreiste, um seine Ältern zu sehen, die ihn für todt hielten. Er wollte nach Serbienzurückkehren, aber die walachisch-griechischen Unruhen hinderten ihn daran; soblieb er hier und lebte, im Genüsse einer Unterstützung des russischen Kaisers, denMusen. Seine „Kerdiaulla" und andere Gedichte entstanden hier. Er begab sich1825 nach Leipzig, um den Abdruck seiner Gedichte zu leiten. Wahrend seinesdortigen Aufenthalts besuchte M. die Vorlesungen Krug's und anderer berühmtenLehrern, und bot Gerhard bei der Herausgabe seiner „Wila" hülfreiche Hand. ImFrühjahr 1827 kehrte M. nach Semlin zurück, und da er nicht nach Serbien gehenkonnte, begab er sich nach Montenegro, wo ihn der Metropolitan Petrowitsch gast-freundlich ausnahm und ihm Muße gewahrte, eine neue reiche Sammlung serbischerVolkslieder für den Druck vorzubereiten. Seine Werke sind: „Serdiaulla 8imea-NIM W'utiuovvitjew 8ar<ssIiom socinjena" (4 Bde., Leipzig 1826, 12.) ; „l^e-leolike pzesnice, sture, n»>ve, prevvecloue, socinsene Lim. Uü." (Leipzig 1826,12.); „?.uricu" (Leipzig 1827). Eine glühende Vaterlandsliebe, Warme desGefühls, kühne Originalität in Bild und Ausdruck charakterisiren M.'s Gedichte,namentlich die „8erbiun!eu", eine Reihe lyrisch-epischer Gesänge, welche die letzteKriegsepoche der Sorbier von 1804—15 treu und warm schildern. (5)

Mina (Francisco Espoz y), geboren 1782 in einem kleinen Dorfe beiPampeluna, aus einer ziemlich wohlhabenden Familie stammend, nicht einesarmen Bauers Sohn, wie angegeben worden, trat erst zur Zeit der Revolution aufden Schauplatz, ohne daß wir von seinem Jugendleben etwas wissen. Sein Nesse,Lavier M., geboren 1789, Student der Theologie in Zaragoza, hatte einenGuerillahaufen geworben, an dessen Spitze er mehre kühne Unternehmungen aus-führte, bis er 1811 gefangen und nach Frankreich gesendet wurde. Francisco über-nahm die Führung der Schar und wurde bald ein Schrecken der Franzosen.Tapfer, unermüdlich, mit bewundernswürdiger Geistesgegenwart ausgerüstet,schwächte er unablässig die Streitkräfte der Feinde, nicht nur in Navarra, auch inAlava und Aragon. Wahrend die Franzosen in dem Kampfe gegen die Gueril-las große Nachtheile erlitten, hatte M. nur geringen Verlust, weil seineKundschafter ihn so gut bedienten, daß er nie überfallen ward, und war er von ei-ner Ubermacht bedroht, so zerstreuten sich seine Scharen auf ein Zeichen, um sich inwenigen Stunden wieder zu sammeln und den Angriff zu erneuern. Die Franzo-sen warfen 25,000 Mann nach Navarra, aber M. bot ihnen Trotz und behaupteteam Ende das Land. Die Regentschaft ernannte ihn 1811 zum Obersten und1812 zum General. Er stand 1813 an der Spitze von 11,000 Mann Fußvolkund 2500 Reitern, mit welchen er Pampeluna einschließen half und Zarazoza,Monzon und andere Örter wiedereroberte. Als der Friede geschlossen wurde,belagerte er St.-Jean Pied de Port. Noch der Rückkehr Ferdinand VII. gewanner bald die schmerzliche Überzeugung, daß er nur für die Wiederherstellung der Ge-