Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
129
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Milutinovics 129

einer kleinen Schrift: „Etwas über Mehres", welche, wie man versichert, M. zumVerfasser haben soll, ist er wieder in Activität gefetzt und wird bei der politischenSeetion des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt. Die könig-liche Bibliothek in Berlin verdankt M. schätzbare Mittheilungen über die Literaturund den Bücherdruck in der Türkei und mehre seltene Handschriften. (26)

Milutinovics (Symeon), serbischer Dichter, wurde den 3. Oer. 1791alten Styls zu Sarajewo in Bosnien, wo sein Vater Kaufmann war, geboren.Noch nicht drei Jahre alt, begleitete er seine vor der Pest fliehenden Altern nachSwrakino-Selo und von da nach Gradatschac, wo die Familie sechs Jahre ver-weilte. Als die Pest auch hier ausbrach, flüchtete sie nach Belgrad, wo der jungeSymeon bei dem ersten Schulbesuch eine so barbarische Züchtigung erhielt, daß ernicht mehr zu dem Lehrer zurückkehren wollte. Ein wohlmeinender Verwandterbrachte den Knaben nach Segedin, wo er neben täglichen Prügeln, die für seineganze Lebenszeit seine Gesundheit untergruben, einige Kenntnisse im Lateinischenerbeutete. Er ging 1805 auf das Gymnasium zu Karlowitz, wo er drei Jahreblieb, im Lause des vierten Jahres aber wegen einiger Fehler jugendlichen Leicht-sinns aus Schule und Stadt verwiesen wurde und zehn Peitschenhiebe mit auf denWeg bekam. Darauf begab er sich nach Semlin, wo er das Neugriechische er-lernte und sich dem Handel widmete. Diese Beschäftigung fesselte aber den lebhaf-ten Jüngling nicht lange, und als 1806 Belgrad an Serbien kam, suchte und fander eine Schreiberstelle in der Staatskanzlei, welche er jedoch 1813, als Serbiensiel, wieder verlor. Er ging nach Ostreich und gab in dem dalmatischen DorfeStrmica eine Zeit lang drei serbischen Knaben Unterricht und erwarb sich dadurchdie Mittel, nach seinem Geburtsort zurückzukehren. Bald reizten die Greueltha-ten der Türken die Serbier zu erneutem Aufstande und alsbald verließ M. seinenGeburtsort, eilte nach Belgrad und erhielt die Stelle eines Schreibers bei demserbischen Bischöfe. Im Herbst 1814 nahm er an einer neuen Verschwörung gegendie Türken Theil und verließ den Bischof, mußte aber bald darauf bei dem Bischofvon Schabatz und Uzice, einem ehemaligen Räuber und wollüstigen Schlemmer,die gleiche Stelle antreten. Bei dem letzten Aufstände, 1815, nahm der Bischofdie Partei der Türken und sperrte sich mit ihnen in einer Verschanzung bei Wal-jewo ein, wo er auf M., dessen Grundsätze er kannte, ein wachsames Auge hatte.M. fand endlich Gelegenheit zu entweichen und kehrte nach Serbien zurück, wo erin den Umgebungen des Klosters Radowaschnica mit einer Räuberschar das Endedes Krieges abwartete. Nach einer schweren Krankheit ging er nach Belgrad, woer wieder Schreiber bei dem Nationalsenat wurde. Während er eine Reise in dieWalachei machte, um seinen Vater aufzusuchen, kam dieser auf einem andernWege nach Belgrad und setzte seine Reise nach Bessarabien fort, ohne den Sohnzu erwarten, der nun nach Widdin eilte, um Nachrichten von seinem Vater zu er-halten. Die Noch zwang ihn hier bei einem Türken Gärtnergehülfe zu werden,und sein Gärtnertalent hatte zur Folge, daß er zum Bostandschi, Feld- und Me-lonengartenaufseher, befördert wurde. Die Christen zu Widdin wählten ihnnach näherer Bekanntschaft zum Schullehrer und als solcher brachte er denWinter 1816 —17 hin. Mit dem Frühling 1817 begannen neue Stürme fürM. Zwei Fremdlinge schlössen sich ihm an und suchten ihn für ihre Plane zu ge-winnen. M. entdeckte alsbald, daß die Griechen die Serbier vorzuschieben unddann an der fertigen Tafel Platz zu nehmen gedachten. Er zeigte die Sache demFürsten Milosch Obrenowitsch an, der ihm dankte. Die Warnung, sich aus Wid-din zu entfernen, wurde von M. nicht beachtet. Im Sept. erschien ein Bojar deswalachischen Beg zu Widdin, ließ M. gefangen nehmen und deutete dem Wessiran, ihm denselben, wenn es verlangt würde, nachzuschicken. Der Wessir wurdegegen M. aufgehetzt und begehrte den Brief des Fürsten Milosch zu sehen. M.

Conv. Lex. der neuesten Zeit und Literatur, lll. 9