Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Miltitz (Karl Borromaus von)

127

Familienereigniß seinen Vater bestimmte, ihn in die Armee eintreten zu lassen.Konnte nun auch ein mehrjähriges Garnisonleben in einem unbedeutenden Fleckender Oberlausitz seinem lebendigen Geiste nicht zusagen, so förderte es dennoch seinewissenschaftliche Bildung, indem er in seiner Abgeschiedenheit neben der fortge-setzten Beschäftigung mit Poesie und Tonkunst insbesondere zu geschichtlichen Ar-beiten und zum Studium der französischen und italienischen Literatur seine Zu-flucht nahm. Der Trieb, seine Kenntnisse nach allen Sekten hin zu erweitern,war hiermit angeregt und fand in Dresden, wohin M. sich endlich nach fünfJahrenals Offizier bei der Garde du Corps wieder versetzt sah, in dem Umgange mit ge-bildeten Kameraden und in den ihm aufgethanen Bücherschätzen der königlichen Bi-bliothek die vollste Befriedigung. In der musikalischen Composition wurde nunder verdiente Cantor Weinlig sein Lehrer; zur tiefern Einsicht in das Wesen derKunst aber führte ihn ein Briefwechsel mit Nochlitz, dessen offene, aber immermilde Kritik ihn auf dem mit entschiedener Vorliebe betretenen Wege ermuthigteund leitete. Seine später erfolgte Anstellung als Hauptmann bei der Schweizer-garde gewährte ihm die willkommenste Muße, und in dem kunstliebenden, durchden feinsten geselligen Ton und den Zusammenfluß geistreicher Menschen ausge-zeichneten Hause des Appellationsraths Körner fand er die dem aufstrebenden Ta-lente unentbehrliche äußere Anregung. Vieles ward in dieser Zeit gedichtet undcomponirt, zugleich aber auch der Unterricht in der Tonsetzung, jetzt beim Kapell-meister Schuster, mit Eifer fortgesetzt. Er ging 1811 von der Schweizergardeab und zog mit seiner Gemahlin nach dem seinem Verwandten, dem preußischenGeneral von Miltitz, gehörigen, reizend an der Elbe gelegenen Scharfenberg beiMeißen. Das geistige Stillleben, das hier begann, ward jedoch schon 1812 un-terbrochen. Nachdem er seine Familie vor dem hereinbrechenden Kriegsgewktternach Prag in Sicherheit gebracht hatte, trat er, entflammt von unwiderstehlicherLust, an dem Befreiungskampfe gegen Frankreich Theil zu nehmen, in das öft-reichische Dragonerregiment Erzherzog Johann, kehrte aber sogleich nach be-endigtem Feldzuge nach Scharssenberg in den Kreis der Seinigen zurück. ImLause der üächsten Jahre machte er die Bekanntschaft Fouque's und Apel's, dieseiner von jetzt an zur entschiedenen Lebensrichtung gewordenen künstlerischen Tä-tigkeit einen neuen Sporn gaben. Insbesondere ward ihm Apel, mit dem er sichimmer inniger befreundete, als gründlicher Kenner der Musik und Poesie ein Leit-stern auf beiden Wegen. Von den neuen Freunden aufgesodert, trat er zum erstenMale in dem von Apel, Fouque und Fr. Laun herausgegebenen „Wunderbuche"(3 Bde., Leipzig 1815 —17) als Erzähler auf und ließ einige Zeit später unterdem vom Buchhändler vorgeschriebenen Titel: „Ausstellungen" (2Bdchn., Er-furt 1819 — 20), eine Sammlung von Erzählungen folgen. Zugleich ward, aufApel's Rath, die zu Dresden erfolgte Anstellung des jüngern Weinlig, eines treff-lichen Schülers des Padre Mattei in Bologna, zu gründlicherer Befestigung imContrapunkte benutzt. Die Liebe zur Musik war es auch hauptsächlich, die ihn1820 nach Italien zu reisen veranlaßte, wo er während eines achtmonatlichenAufenthalts zu Neapel für ein dortiges Theater eine komische Oper in Musiksetzte, die er jedoch, der dagegen gespielten Jntriguen müde, selbst zurücknahm.Nach der Rückkehr von dieser Reise erwuchs aus den Erinnerungen derselben, zumgroßen Theile noch in dem landlichen Aufenthalte zu Scharssenberg, eine Reihe vonNovellen, die bald darauf unter dem Titel: „Orangeblüten" (3 Bde., Leipzig1822—25) erschienen. Die Anstellung seiner Gattin als Oberhofmeisterin beider Gemahlin des Prinzen Johann brachte ihn mit den Seinigen (1823) wiedernach Dresden. Er selbst ward 1824, als sein Schwiegervater, der General vonWatzdorfs, als sächsischer Gesandter nach Berlin ging, an dessen Stelle zum Ober-hofmeister des Prinzen ernannt und fand in der Nähe des geistreichen und wissen--