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Miltitz (Karl Borromäus von)
drangen, sich Rußland anzuschließen und Serbien völlig von der türkischen Gewaltloszumachen, blieb er allein fest; er wußte, daß das kleine Serbien nichts ist, wenndas türkische Reich nicht mehr ist. Czerny Georg, der über die Donau gekommen,Serbien in Aufstand zu setzen, siel — vielleicht ein Opfer von M.'s kluger Politik.Die Sittengesetze eines halb barbarischen Volkes dürfen nicht nach den unfern be-urtheilt werden. Auch jetzt beim Kampfe des Sultans mit dem bosnischen, isla-mitisch gewordenen Adel erwagt er so genau die eignen Kräfte und den Segen desFriedens, daß er, trotz den Auffoderungen des Sultans, trotzdem daß er für pchdie verheißenen Districte erobern soll, nicht losschlagt. Er wartet. Die Serbierwählten ihn 1817 zu ihrem Oberhaupt, 10 Jahr später zu ihrem erblichen Für-sten auf der großen Nationalversammlung in der Ebene zu Kragujewaz. Abwech-selnd hier und in Poscharewaz (jetzt auch in Belgrad) hat er seine Residenz. M. istein Mann von 50 Jahren, von kolossaler Größe, sehr stark gebaut, blond; seineZüge sind fest, offen und heiter, seine Haltung und seine Bewegungen sind vollAnstand und Würde, er sieht ganz wie der Held seines Volkes aus. Er trägtreiche türkische Tracht. Sein Hofstaat ist halb europäisch, halb erinnert er an diealtpatriarchalische Einfalt des Orients. Nur die Männer sitzen am Tisch, dieFürstin und die Prinzessin tragen die Speisen zu, doch unterhält man sich über den„^oQZtitutioimel", die „Allgemeine Zeitung" und — die Stallfütterung. M.'sGattin, Gospa Ljubiza, eine schöne majestätische Frau, in einfachem Anzüge,waltet als thätige Hausfrau, ohne die Fürstin und Mutter zu verleugnen. Einetreue Gefährtin des Gatten in den Schreckenstagen, lernte sie selbst Zügel undPistole führen. Einst, als M. flüchtig, versprengt in die Schlucht kam, wo sieein Lamm gebraten und auf den Sieger wartete, trat sie ihm, gegen die Sitte derSerbierinnen, mit den Worten entgegen: „Herr, sind die Türken hinter Euch,wollt Ihr sie herkommen lassen, uns die Kinder zu schlachten? Habt Ihr uns ver-lassen, wer soll uns halten! Hier ist nicht Euer Weilens, Herr, dort sind die Tür-ken." M. kehrte beschämt um und schlug die Türken. Als Fürst von Serbien lMer kein geübtes Heer, denn jeder Serbier ist Soldat, aber eine militairische Leib-wache. Mehre Secretairs, unter denen der geschickte, als Schriftsteller bekannteDavidowitsch obenan, besorgen umsichtig seine administrativen und seine diplo-matischen Geschäfte. In Konstantinopel hält er eine stehende Gesandtschaft, diedurch Geschick und Geld viel für ihn wirkt. Jüngst noch ist es ihm gelungen durchgeschickte Gesundheitsanordnungen die Cholera, welche in Ungarn so fürchterlichgewüthet, in seinem Lande mit geringen Opfern zufrieden zu stellen. Näheres überM. und seinen Hof in von Pirch's „Reise in Serbien" (Berlin 1830), doch wol-len spätere Reisende nicht so günstig über den Serbierfürsten urtheilen. (9)
Miltitz (Karl Borromäus von), königlich sächsischer Geheimrath, Ober-hofmeister des Prinzen Johann von Sachsen, ward den 9. Nov. 1781 zu Dres-den geboren. Sein Vater war der königlich sächsische erste Hofmarschall, FriedrichSiegmund von M.; seine Mutter stammte aus dem Geschlechte der Wild- undNheingrafen von und zu Daun. Früh schon entwickelte sich in dem talentvollenKnaben die Neigung für die beiden Schwesterkünste, Musik und Poesie, und einesorgsame, von wackern Lehrern unterstützte häusliche Erziehung pflegte die vorhan-denen Keime, sorgte daneben aber auch für die zu einer umfassendem Fortbildunguöthige wissenschaftliche Grundlage. Bereits in seinem 11. Jahre erntete er alsgewandter Klavierspieler mit Haydn'schen und Sterkel'schen Concerten Beifall.Um diese Zeit wurde die „Aauberflöte" in Dresden gegeben. Sie erschloß ihm denHimmel der Romantik in Poesie und Musik und begeisterte ihn zu eignen dich-terischen Versuchen und zu Composi'tionen, die, obgleich noch ohne Kenntniß derTheorie unternommen, dennoch von einem warmen Gefühle und von künstlerischemDrange zeugten. Sechszehn Jahre alt, sollte er die Universität beziehen, als ein
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