Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

108 Meyer von Knonau

vorzüglich Geschichtschreiber, Dichter, Neisebeschreiber ihn anzogen, und end-lich kam die Reihe an ausgezeichnetere Schriftsteller Frankrichs. Beim Eintritt insJünglingsalter führte ihn eine unwiderstehliche Neigung in das Gebiet der elastischenLiteratur, wo der Kanonikus Steinbrüchel sein Führer war; er machte sich zugleichmit den Schriften der Italiener und Englander bekannt und that spater Blicke in nochandere neue Sprachen. Wahrend er in Halle studirte, war er Tischgenosse Eber-hard's, zugleich aber auch eifriger Schüler Wolf's. Im Frühjahr 1790 besuchteer Berlin, Norddeutschland, Holland, durchzog Belgien wahrend der Revolutionin einem Zeitpunkte, wo dieses Land von fremden Reifenden ganz verödet war. InParis wohnte er am 14. Jul. 1790 dem großen Bundesfeste bei und kehrte durchdas mittagliche Frankreich und Oberitalien in seine Heimat zurück. Er trat baldin die Kanzleigeschafte ein und verband einige Jahre später mit diesen die richter-liche Laufbahn. Nach seiner Rückkehr hatte ihm sein Vater die Verwaltung zweierFamilienherrschasten fast ganz übertragen, die hinsichtlich ihrer Gerechtsame dendeutschen reichsritterlichen Herrschaften ahnlich waren. Als die Wirkungen derfranzösischen Staatsumwalzung sich auch über die Schweiz zu verbreiten ansingen,hielt M. sich immer zu Denjenigen, welche zu Milde und Nachgiebigkeit riethen.Er war tief überzeugt von der UnHaltbarkeit des Herkömmlichen, allein da er sichnicht verbarg, daß jede gewaltsame Umwälzung unvermeidlich der französischen Po-litik den Weg in das so lange von keinem Feinde betretene Land der Eidgenossenbahnen würde, sah er der Katastrophe nur mit Besorgniß entgegen. Als eidgenös-sischer Gefandtfchaftsecretair auf dem Friedenscongresse zu Rastadt hatte er Gele-genheit, sich zu überzeugen, daß ein bedeutender Theil von Europa in einer Art vonAuflösung und die Schweiz bereits von den großen Mächten ausgegeben war.Schon hatte er den Entschluß gefaßt, sich dem Lehrerberufe zu widmen, alser von Männern, die ihn kannten, wieder in die öffentlichen Geschäfte gezogenward; schon damals aber faßte er, um immer unabhängig zu sein, den festen Vor-satz, weder mittelbar noch unmittelbar um irgend ein Staatsamt sich zu bewerben.Viele Stellen, die ihm angeboren wurden, lehnte er ab, theils wegen häuslicherVerhältnisse, theils in Zeiten, wo er nicht hoffen konnte nach seiner Überzeugungetwas zu wirken, wie 1803 die Zuziehung zu der von Napoleon angeordneten Or-ganisationcommission des Cantons Zürich. Am Ende d. 1.1799 hatte ihn dieWahlversammlung des Cantons mit der Stelle eines Cantonrichters überrascht,1803 wurde er in das Obergericht, 1805 in den Rath gewählt und in dieserStelle mit mehren Sendungen beauftragt. Er verfaßte den Entwurf des neuenEhegesetzes, später, vornämlich mit Usteri, den Entwurf eines Strafgesetzbuchesund nachher größtenteils allein den der Criminalproceßform, welche beide, ohnezu Gesetzen erhoben zu werden, nachher von den Gerichten als Anleitung benutztwurden. Bei der Errichtung des polirischen Instituts in Zürich wurde M.beinahe gezwungen, das Lehrfach der Rechtswissenschaften zu übernehmen. Erthat es mit der Bedingung, diese Stellen wieder niederzulegen, sobald man jüngere,mit dem Stande der Wissenschaften vertrautere Männer gefunden haben würde;doch machte ein Angriff, den seine doppelte Anstellung im folgenden Jahre erfuhr,ihm das Lehramt zur Ehrensache, sodaß er dasselbe noch fünf Jahre lang unentgelt-lich beibehielt. Nach der langwierigen Tagsatzung zu Solothurn 1811 und einerConfcrenz in Schafhausen überfiel ihn eine schnell fortschreitende Abnahme seinesschon von Kindheit her schwachen Gesichts. Der Zustand zeigte sich sehr bald alsAnfang des schwarzen Staars. Er erkannte das Übel und faßte den Entschluß,aller Augengläser, alles Lesens und Schreibens, mit Ausnahme des Nothwendig-sten, auch jeder künstlichen Hülfe sich gänzlich zu enthalten. Mehre geschickte Ärzte,auch der berühmte Ebel, misdilligten seinen Entschuß keineswegs und statt einernahen Erblindung, der er entgegenzugehen erwartet hatte, ist sein Gesicht seit