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Mey van Streefkerk
Meyer von Knonau 107
treibung Pedrazza's, durch die Absetzung imd Hinrichtung Guerrero's die Verfas-sung ebenso gewaltsam verletzt hatte, hatte kein Gewicht. Als endlich noch dieNachricht in Mexico eintraf, daß San-Luis sich an Montezuma ergeben habe, er-klarten sich alle Civil- und Militairbehörden für Pedrazza; General Herrera wurdean die Spitze der Truppen in Mexico gestellt und Oberst Lenes zum Stadtcom-mandanten ernannt. Am 2. Jan. 1833 marschirten die vereinigten Truppen,etwa 10,000 Mann stark, in Mexico ein, unter Glockengelaute und Freudenbe-zeigung aller Art. Am folgenden Tag hielt Pedrazza, von Santana und Bu-stamente begleitet, seinen feierlichen Einzug und bezog den Nationalpalast. Soendete der vierjährige Parteikampf, welcher die Republik in die größte Gefahr zustürzen drohte. Im Marz 1833 wurde Santana zum Präsidenten, GeneralFuriaszum Vicepräsidenten erwählt, und diese Wahlen scheinen die Ruhe auf längere Zeitzu sichern. Fest gegründet aber wird sie erst dann sein, wenn die Elemente der Na-tionalpartei in ihrer intellektuellen Entwicklung weiter fortgeschritten sind, derSinn für gesetzliche Ordnung und Freiheit unter den Indianern ausgebildeter istund die aus der Creolenpartei hervorgehenden militairischen Factionen sich an demfesten Damm des Volkswillens brechen müssen. Dann werden auch die finanziel-len Verlegenheiten der Republik aufhören und Mexico durch die großen innernMittel, welche es besitzt, einer der blühendsten Freistaaten der westlichen Weltbilden, der durch seine indianische Bevölkerung ein eigentümliches interessantesColorit hinsichtlich der Sprache, Religion und Sitten erhalten muß. (29)
Mey van Streefkerk (Jan Gisbert, Baron), geboren am 16. Apr.1782 zu Leyden, aus einer patricischen Familie stammend, wurde 1802, nach-dem er die juristische Doctorwürde erhalten hatte, als Gesandtschaftsecretair inParis angestellt. Er wurde von dem Großpensionnair Schimmelpenninck, der ihndort von einer vorteilhaften Seite kennen gelernt hatte, zum ersten Cabinetssecre-tair ernannt, und versah dieses schwierige Amt mit Eifer und Einsicht. Als Lud-wig Bonaparte König wurde, gab M. seine Stelle auf und nahm nur das Amteines Generalsecretairs bei der Steuercommission an. Als Holland mit Frank-reich vereinigt wurde, erhielt er eine Anstellung bei der Domainenverwaltung unddem Hypothekenwesen in Rotterdam. Nach der Wiedergeburt seines Vaterlandesward er nacheinander Secretair im Departement des Innern, Staatsrathssecre-tair und 1815 erster Cabinetssecretair des Königs. Drei Jahre später kam er mitdem Titel eines Staatsraths an die Spitze des Staatssecretariats und fuhr fort,dieses Amt seit 1822 als Minister Staatssecretair zu verwalten. Er wurde 1826zum Baron erhoben. Das Vertrauen, das der König ihm geschenkt hat, rechtfer-tigt er durch seltene Thätigkeit, ungemeine Geschäftsgewandtheit, umfassendeKenntnisse und erprobte Redlichkeit. (74)
Meyer von Knonau (Ludwig), der Enkel des gleichnamigen, vonseinen Zeitgenossen Bodmer und Breitinger, von Klopstock, Wieland und vielenAndern geschätzten Fabeldichters, wurde am 12. Sept. 1769 zu Zürich geboren.Zuerst auf dem Lande, dann bis in sein 10. Jahr beinahe ganz im häuslichenKreise erzogen, Jahre lang mit keiner Kinderschrift, ausgenommen den altenenglischen Robinson, bekannt, konnte er sich nur an den für Erwachsenebestimmten Geistesproducten emporarbeiten. Ein glückliches Geschick hatte seineJugend in die Zeit des Aufblühens der deutschen Poesie und elastischen Literaturversetzt. Die Musenalmanache, die ersten Jahrgänge des „Deutschen Merkur",Shakspeare nach Eschenburg's Übersetzung, „Don Quixote"und wenige andere ähn-liche Bücher wurden von dem Knaben gelesen und wieder gelesen. Später studirteer mit dem nämlichen Heißhunger die bändereichen Schriften des längst verscholle-nen Happel, die nicht weniger zahlreiche Sammlung aller Nachahmungen des „Ro-binson". Hierauf ging er zu der bessern neuern deutschen Literatur über, in welcher
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