AY6 Mexico
liche Blei traf, hielt er an das Volk eine kurze Anrede, die von Energie und Selbst-gefühl zeugt. „Ich sterbe", sprach er, „weil ich eine Sache vertheidigte, welche ichfür die gerechte hielt und noch halte; mein Tod wird zahlreiche Racher finden; dieNachwelt, die für mich beginnt, wird mir Gerechtigkeit widerfahren lassen." NachGuerrero's Tod schien in Mexico und den Provinzen die Ruhe hergestellt und Bü-ftamente's Regierung sing unumwundener an ihr System zu entwickeln. Sie warvorzüglich den Fremden in der Republik, die nicht spanischer Herkunft waren,feindlich gesinnt und benutzte die Gelegenheit, da einige Franzosen und Engländersich in das Parteigetriebe gemischt hatten, die Fremden als die Ursache und Urhe-ber des Bürgerkriegs zu verdachtigen. In ihrer Vorliebe für die Altspanier hobsie das Decret, welches unter Guerrero's Regierung zur Austreibung der Altspa-nier erlassen worden, im Sept. 1831 auf und beleidigte dadurch das Nationalge-fühl der Patrioten und Indianer, deren Werk die Vertreibung war, welche nichtals eine barbarische, sondern als eine nothwendige politische Maßregel betrachtetwerden muß. Auch hatte sie dem Exprasidenten Pedrazza, nach seiner Rückkehr ausFrankreich, wo er die Vorzüge europaischer Civilisation kennen und schätzen lernteund seine aristokratische Richtung modisicirte, den Eintritt in die Republik ver-weigert. Bustamente bewies in seinen Maßregeln viel Talent, aber er war zu sehrAristokrat, um nicht den Haß einer mächtigen Partei auf sich zu laden; vorzüg-lich waren ihm die Patrioten abgeneigt und erregten schon im Sept. 1831 bei An-laß des Widerrufs des Vertreibungsdecrets der Spanier in der Hauptstadt Mexicoeine gefährliche Bewegung. Im Jan. 1832 erhob der General Santana, derHeld des Südens, der Besieger der Spanier, den die Regierung fürchtete und ver-nachlässigte, in Vera Cruz die Fahne der Jnsurrection gegen Bustamente's Re-gierung und den von Aristokraten und Theokraten beherrschten Congreß; er pro-clamicte Pedrazza als den allein rechtmäßigen Präsidenten, dessen Absetzung er1828 vorzüglich bewirkt hatte, und fand bald einen starken Anhang, namentlichunter der Nationalpartei, sodaß er gegen die'Regierung sich im offenen Felde zu be-haupten wagte. Mit wechselndem Glücke dauerte der Kampf das ganze Jahr hin-durch; die Mehrheit der Staaten erklärte sich für Pedrazza; endlich entschiedauch das Kriegsglück für Santana's Waffen. Zwar hatte Bustamente mit denRegierungstruppen am 18. Sept. bei San-Miguel Dolores die unter Montezu-ma's Befehl stehenden Insurgenten geschlagen; aber Montezuma wandte sich nachTampico, sammelte neue Truppen und besiegte Bustamente, welcher sich nach demStaate Zacatucas, der für Pedrazza stimmte, begeben hatte und nöthigte ihn sichnach Dolores zurückzuziehen. Während Bravo die südlichen Provinzen, durcheine Convention mit Alvarez, dem Commandanten der Streitkräfte von Acapulcound der Küste von Tecpam, im Interesse der Regierung zu beruhigen suchte, er-focht Santana am 1. und 2. Oct. einen entschiedenen Sieg bei Puebla, eroberteam 4. Oct. diese, 23 Leguas von Mexico gelegene Stadt mit mehr als 50,l)vvEinwohnern, und bereitete sich zum Marsche nach der Hauptstadt vor. Von Tagzu Tag vergrößerte sich die Partei Pedrazza's und Santana's, und Bustamente,dessen Truppen ohne Geld, ohne Lebensmittel, an allem Nothwendigen Mangellitten und der einsah, daß er für eine verlorene Sache kämpfe, schloß mit den beidenFührern der Gegenpartei eine Übereinkunft ab, durch welche Pedrazza als Präsi-dent bis 1. Apr. 1833 anerkannt und verabredet wurde, wann und wie die näch-sten Wahlen des Präsidenten, Vicepräsidenten und des Generalcongresses statt-finden sollten. Das Föderalsystem soll nach dieser Convention unangetastet blei-ben und für alle Ereignisse seit 1828 eine allgemeine Amnestie eintreten. DieKammern verwarfen diesen Vertrag als eine Verletzung der Constitution. Aberdiese Protestation von einem Körper, der seit 1828 in seinem Privatinteresse dasseile Werkzeug jeder herrschenden oder siegenden Faction war, und durch die Vex-