Mexico 105
Aber kaum war der Boden von dem fremden Feinde befreit, als der Partei»kämpf aufs Neue im Innern entbrannte. Guerrero hatte seine Wahl zum Präsi-denten mit Waffengewalt erzwungen, als Mestize war er den aristokratischen Par-teien aller Farben gleich verhaßt, vorzüglich die Anhänger der vertriebenen Spa-nier waren unzufrieden mi: seiner Regierung und verschworen sich gegen ihn. Ander Spitze seiner Gegner standen Anastasia Bustamente, der am 6. Jan. 1829von dem Congresse zum Vjcepräsi'denten erwählt worden war, die Generale Bravo,der bei der allgemeinen Gefahr des Vaterlandes aus seiner Verbannung in Nord-amerika zurückkehrte und seine Dienste gegen die Spanier anbot, Luis Quintanar,Lucas Alaman und Andere. Bustamente stand mit einem Reservearmeecorps amAbHange des Hochplateau zu Jalapa, während Santana die Spanier an der Küstebesiegte. Von Jalapa aus erließ Bustamente mit seinen Offizieren eine Erklärunggegen den Präsidenten, welcher die Einwohner der Stadt beistimmten, brach dannmit seinen Truppen auf und rückte über Puebla gegen die Hauptstadt vor. InMexico hatte sich unter Quintanar's Leitung eine Verschwörung gebildet, welcheam 22. Dec. ausbrach; von 2 — 8 Uhr Morgens kämpften die Truppen desPräsidenten mit den Verschworenen, welche von dec Erklärung, die Bustamenteerließ und der sie beitraten, Pronunciados genannt wurden, in den StraßenMexicos; doch wurde von den kämpfenden Parteien die Pöbelmasse niedergehaltenund nicht geplündert. Die Pronunciados bemächtigten sich des Regierungspala-stes, Guerrero legte seine Prasidentenstelle nieder und begab sich mit den ihm treugebliebenen Truppen in den südlichen Theil des Landes. Nach dem Siege der An-Hanger Bustamente's wurde die Ordnung und Sicherheit in der Stadt Mexicoschnell wiederhergestellt; eine provisorische Negierung, aus Velez, QuintanarundAlaman bestehend, übernahm die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten und be-rief den Congreß der föderirten Staaten, welcher sich den 1. Jan. 1830 versam-melte und Bustamente zum Präsidenten erwählte. Da Guerrero's Partei vor-züglich unter den Eingeborenen zahlreich war, bereitete sie sich vor, der neuenRegierung Widerstand zu leisten; im Jun. 1830 wurde in Mexico eine Verschwö-rung unter den Soldaten entdeckt, welche den Plan hatten, Bustamente und seinevornehmsten AnHanger zu ermorden und Guerrero zum Präsidenten auszurufen;Guerrero selbst sammelte eine Schar und drang im Jul. 1830 in der westlichenProvinz Oaxaca vor, wurde aber bei Tepexe von dem mit Regierungstruppen ge-gen ihn abgeschickten General Bravo geschlagen und gerieth selbst in Gefangen-schast. Er wurde nach Puebla de los Angelos, 18 Meilen von Mexico, gebrachtund dort einer Escorte unter dem Befehle eines Obersten Viktoria übergeben, wel-cher ihn nach der Hauptstadt bringen sollte, aber mit Guerrero und seinen Truppenselbst zu den Insurgenten überging. So begann die Fehde aufs Neue, welche Guer-rero bis zum Nov. 1830 an der Grenze der Staaten Oaxaca und Chiapas fort-führte, bis er den Bundestruppen weichen mußte, durch Verrath in die Hände derRegierung siel und nach dem Urtheil eines parteiischen Kriegsgerichts am 17. Febr.1831 zu Oaxaca erschossen wurde. Die aristokratische Creolenpartei verbreiteteallgemein die Meinung, ats habe Guerrero nach der Wiederherstellung des Kaiser-thums gestrebt und die Absicht gehabt, nach Jturbide's Vorbild sich von den Solda-ten zum Kaiser ausrufen zu lassen. Guerrero's Talente waren unbedeutend, er wirdmit Paez von Venezuela verglichen. Der Oberst Vittoria war schon am 20. Aug.1830 wieder von den Bundestruppen gefangen, nach Puebla geführt und von einemKriegsgericht zum Tode verurtheilt worden; er entkam aber dem Gefängniß undbegab sich in das Gebirge, wo er aufs Neue eine Guerilla bildete, welche derSchrecken der ganzen Gegend ward. Am 10. Sept. wurde seine Schar von demOberst Alende umringt und nach blutigem Gefecht vernichtet; Vittoria selbst,schwer verwundet, wurde gefangen und in Puebla erschossen. Ehe ihn das tödt-