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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
99
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Mexico

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schweren Arbeiten zu träge, aber zu jeder andern Beschäftigung geschickt. Sie spie-len, rauchen und vergnügen sich gern, sind dabei jedoch mäßig und edelmüthig.Heftigen Leidenschaften unterworfen, sind sie dennoch nicht streitsüchtig und grau-sam, für Freundschaft und edle Gefühle empfänglich, oft hochherziger Gesinnungfähig und zum Vergeben und Vergessen geneigt. Die unterste Classe der Creolen,welche man in den Städten Leperos nennt, eine Art Lazzaroni, ist lasterhaft,trag und habsüchtig, zu stolz zu arbeiten oder zu betteln, auf Betrug und Plünde-rung leidenschaftlich erpicht, unwissend und aufrührisch.

Diese Schilderung der verschiedenen Elemente der mexikanischen Bevölkerungwird Vieles in der neuesten Geschichte des Freistaats erklären. Mit der Übergabe vonSan-Iuan de Ulua, der Hafenfeste von Vera Cruz, am 19. Nov. 1825, ein Jahrnach der Einführung der Constitution, hatten die Spanier den letzten Punkt ihreralten Besitzungen verloren; von diesem Tage an datirt sich Mexicos vollständigeUnabhängigkeit von dem Mutterlande. Das Jahr 1826 verfloß mit Staatsein-richtungen in der jungen Republik in tiefem Frieden. Selbst ihrem Hasse gegendie Spanier entsagten die siegreichen Mexicaner, versöhnten sich mit denen, die imLande blieben, und erhoben sie selbst zahlreich zu Stellen in dem neuen Staate.Der dritte Theil der öffentlichen Ämter war in den Händen der Altspanier; Vielevon ihnen saßen im Congresse, oder waren Offiziere im Heer oder Beamte der ver-schiedenen Ministerien; einige hatten sogar Theil an der vollziehenden Gewaltoder führten das Obercommando in den Provinzen und an den Küsten. Als dermexikanische Congreß am 1. Jan. 182? zusammentrat, wünschte der PräsidentVittoria in seiner Eröffnungsrede dem Lande Glück zu der Ruhe, deren es genoßtund zu dem Wohlstande, der aus der fortschreitenden EntWickelung der freien Ver-fassung erwachsen würde. Der Staat war bereits von Nordamerika und Englandanerkannt und unterhandelte mit diesem wie mit Frankreich einen Handelsvertrag;andere Mächte, wie Preußen, hatten Handelsconsuln in Mexico angestellt. Um dieseZeit veranlaßte ein Hirtenbrief des Papstes, in welchem die Jndependenten ermahntwurden, sich der Autorität des Mutterlandes wieder zu unterwerfen, eine große Be-wegung. Die Geistlichkeit war der großen Mehrheit nach ganz dem spanischen In-teresse zugethan und viele Altspanier benutzten die dargebotene Gelegenheit, um Un-ruhen anzuzetteln. Das Volk aber war gegen ein mit dem Papste abzuschließendesConcordat, welches von den Altspaniern gewünscht wurde; die Legislaturen ein-zelner Staaten widersetzten sich demselben förmlich, wie in den Staaten Durangound Zacatecas; die Generalversammlung des Staats Talisco entzog sogar demKlerus die Erhebung des Zehnten und übergab die Verwaltung desselben einereignen Junta, in welcher nur ein Geistlicher war. Wahrend der Congreß dervereinigten mexikanischen Staaten mit der Berathung der römischen Angele-genheiten beschäftigt war und über den Entwurf zu einer eignen Kirchenjunta,welche sich alle zehn Jahr versammeln und ohne Einmischen des Papstes indie Kirchendisciplin einschlagende Angelegenheiten anordnen sollte, Verhandlun-gen stattfanden, trat der Mönch Arenas als Gesandter des Königs von Spa-nien auf und suchte mit Hülfe vieler Altspanier zu Gunsten des Mutterlandes eineContrerevolution zu Stande zu bringen. Aber dieser Versuch nahm mit der Ver-haftung und Erschießung Arenas' ein schnelles Ende, erweckte jedoch bei der Regie-rung Verdacht und bei den Eingeborenen den schlummernden Haß gegen alle Spa-nier, den die Eifersucht der Creolen über das Ansehen und den Reichthum der Alt-spanier und die leidenschaftlichen Angrisse und Satiren auf die Spanier in den öf-fentlichen Blättern Mexicos noch bedeutend steigerten. Die Folge war, daß derCongreß am 14. Mai 1827 eine Verordnung erließ, wodurch alle in dem Heere,den Zollämtern und der Postverwaltung angestellten Spanier von ihren Stelleltauf so lange entfernt wurden, bis das Mutterland Mexicos Unabhängigkeit aner-

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