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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
88
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88 Meteorologie

Europas erforscht, von dem meteorologischen Verhalten der übrigen Weltgegenden,namentlich derAequinoctialgegenden,war wenig bekannt, man hatte nur einige No-tizen ohne innern Zusammenhang. Alexander von Humboldt, innig vertraut mitden Phänomenen von Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Äqui-noctialgegenden Amerikas, entwarf mit kraftigen Zügen das Gemälde der Tropen-lander; er zeigt die Verschiedenheit in dem Witterungsverhalten in höhern undNiedern Breiten, auf Inseln und im Innern der Lander, und durch scharfsinnigeEombinationen verband er eine Menge paradoxer Phänomene zu einem harmoni-schen Ganzen. Leopold von Buch, welcher die Erscheinungen des hohen Nordens,des südlichen Europas und der kanarischen Inseln sorgfältig studirt hatte, entwarfmit Meisterhand eine gründliche Übersicht über die wichtigsten Erscheinungen, welcheuns das Barometer zeigt. Die Abhandlungen dieser beiden Gelehrten bilden dieBasis, auf denen fortgeschritten werden muß, wofern die Wissenschaft ihrem Zielenäherkommen soll; von den Behauptungen derselben sind manche durch spätereBeobachtungen modificirt, keine erhebliche Bemerkung aber ist widerlegt. LangeZeit standen beide Gelehrte isolirt, wenige betraten denselben Weg. Gleichzeitig,aber ohne etwas von ihren gegenseitigen Untersuchungen zu wissen, verfolgten Dove(damals in Königsberg, jetzt in Berlin), Schouw in Kopenhagen und Kämtzin Halle denselben Weg; sie benutzten zum Theil dieselben Beobachtungen undkamen sehr nahe zu demselben Resultate. In einer Reihe von Aufsätzen inPoggendorss „Annalen" (feit 1827) hat Ersterer manche treffliche Untersuchun-gen mitgetheilt; der Zweite hat theils in seiner „Pflanzengeographie", theils inseiner „Klimatologie von Dänemark" eine Reihe gründlicher Bemerkungen überverschiedene Gegenstände gegeben. Kämtz endlich hat in seinem „Lehrbuche derMeteorologie" (2 Bde., Halle 1831 — 32) alles Dasjenige zu vereinigen gesucht,was die Untersuchungen der erwähnten Forscher gezeigt hatten; er hat sich bemühtdas Ganze der Erscheinungen aus wenigen Sätzen abzuleiten und hat er etwasFörderliches geleistet, so ist dieses nur den Arbeiten der Herren von Buch und vonHumboldt zuzuschreiben. Durch Vergleichung so vieler Beobachtungen als mög-lich prüfte er die Behauptungen dieser Begründer der Wissenschaft und indem erdiesen Weg der Erfahrung verfolgte, erkannte er nicht selten, daß Sätze, welchesie mehr geahnet als erwiesen hatten, vollkommen naturgemäß wären.

Es schien nöthig in der Kürze diesen Überblick über das Schicksal einer Dis-ciplin zu geben, welche mehr als irgend eine andere verkannt worden ist und den-noch zu den interessantesten und wichtigsten Gegenständen gehört, mit denen sichder ernste Forscher beschäftigen kann, da das Klima eins der bedeutendsten Mo-mente ist, welche auf den physischen und moralischen Zustand der Völker einen Ein-fluß haben Die ersten Umrisse der Wissenschaft sind jetzt entworfen, es fehlt nuran einer vollständigen Ausführung des Gemäldes; damit diese aber möglich werde,sind sorgfältige Beobachtungen aus den verschiedensten Gegenden der Erde erfoder-lich. Die erste und wichtigste Ursache aller Änderungen der Witterung ist dieSonne durch die Wärme ihrer Strahlen. Sie erzeugt unmittelbar den Wechsel derWärme und Kälte im Laufe des Tages und Jahres, mittelbar durch Winde undBewölkung die übrigen Erscheinungen, Wenn die Sonne am Morgen aufgeht,so zeigt uns das Thermometer eine mehr oder minder regelmäßige Zunahme derWärme, bis diese etwa um 2 Uhr Nachmittags am größten wird und nun wieder biszum folgenden Morgen abnimmt. Diese Erwärmung findet besonders in den unternLuftschichten statt, der feste Boden läßt die Sonnenstrahlen nicht als Licht in dieTiefe dringen, er wird lebhaft erwärmt und diese Wärme theilt sich den zunächst-liegenden Luftschichten mit. Daher ist der Unterschied zwischen der niedrigstenWärme am Morgen und der höchsten am Nachmittage auf Bergen im Durch-schnitte kleiner als auf Ebenen. Diese stärkere Erwärmung des Bodens und der