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die 1827 in drei Banden vollendet ward und zu deren Beendigung er 1825 nachHeidelberg ging. Er erklarte sich in einer ausführlichen Vorrede über seine orga-nische Ansicht der Geschichte, und rechtfertigte sich über die Punkte, wo ihm dieinnere Wahrheit der Sachen einige Abweichung von der Darstellungsweise seinerVorganger anbefohlen. So glaubte er namentlich der katholischen Religionnicht den Nimbus entziehen zu dürfen^ in welchem sie in den Jahrhunderten derchristlichen Begeisterung geglänzt, und die Wahrheit der Geschichte schien ihm zugebieten, daß im Überströmen dieser Begeisterung früher die Kraft als deren Mis-brauch und Auswuchs erkannt werde. Im Allgemeinen wollte er jede Erscheinungdarstellen, wie sie im Ganzen der Lebensentwickelung unsers Volkes ihren natür-lichen Platz eingenommen. In Anordnung und Styl suchte er diejenige Klarheitund Ruhe, welche jede historische Darstellung ersodert, die eigentlich gelehrte Formschloß er aus, weil er das Werk für ein größeres Publicum und vorzüglich fürW Schulen berechnete. Bei Gelegenheit der Streitigkeiten zwischen Voß und Creu-
ttDas ^ ^ ^ schrieb er die kleine Schrift: „Voß und die Symbolik" (Stuttgart 1825),l ^ ^ ^ welche er sich den tödlichen Haß jenes Gelehrten und seiner AnHanger zuzog,
t UM i, ^ ^ ^ ^ Gegenpartei gehuldigt hatte. M. zog 1825 nach Stuttgart, wo^ ^ er sich bald darauf als Bürger ansiedelte, mit Cotta in Verbindung trat und eineWürtembergerin, aus dem Geschlechte des berühmten Philosophen Georg Bern-hard Bilsinger heirathete. Er übernahm nun das „Literaturblatt", von dessenRedaction Müllner abgetreten war, anfangs nicht unter seinem Namen, um sich erstin dieses schwierige Geschäft einzuarbeiten. In seinem den originellen und univer-salen Geist des Verfassers glänzend beurkundenden Werke: „Die deutsche Litera-tur" (2 Bde., Stuttgart 1828), machte er es sich zur Aufgabe, das Wort, dasbei den Deutschen in Gegensatz mit dem Leben getreten ist, zu diesem Leben zurück-zuführen. „Wir werden vom Leben ausgehen", sagt er, „um beständig daraufzurück-zukommen; an diesem Ariadnefaden hoffen wir in dem Labyrinth der Literatur unszurechtzufinden. Indem wir uns im frischen Gefühl des Lebens über die todte Weltder Literatur stellen, wird sie uns alle Geheimnisse aufschließen müssen, ohne uns inden Zauberschlaf zu wiegen." Von diesem freien Standpunkte aus betrachtete erdie Literatur zunächst in ihrer Wechselwirkung mit dem Leben, und sodann als einKunstwerk. Das Buch ward von dem deutschen Publicum mit der größten Auf-merksamkeit aufgenommen und begründete M.'s Ruf auch im Auslande, beson-ders in Frankreich. Der polemische Theil desselben, in welchem M. seine schonfrüher ausgesprochenen Ansichten weiter entwickelte, rief von vielen Seiten heftigeAngriffe hervor. Inzwischen blieb M. beharrlich auf seiner Bahn und verschafftesich durch die planmäßige Umgestaltung des „Literaturblatts", an dessen Spitze erseit dem Jan. 1829 nun auch mit feinem Namen trat, einen Wassenplatz für seineAnsicht, von welchem aus er ordentlich als literarische Macht zu Felde zu ziehenbegann. Der Kampf ist ffin Element; er sekte ihn ohne Rücksicht auf Ruhm undZahl der Gegner und immer wachsende Feindschaften unermüdlich fort, und es läßtsich von diesem Todfeinde aller literarischen Aristokratie sagen, was Livius von demVorkämpfer der politischen Demokratie in Rom, dem ältern Cato, sagt: „8imu1tu-tes uimio plures et exercueruut eum, et Pse exercuit eas. Uec tucile Uixeris,utrum ma^i8 presserit eum nobilitas, au ille u^itaverit uulülitutem." Inzwi-schen hat cr sich auch viele und warme Freunde erworben, und ist namentlich zuTieck, dessen Dichtergröße er in ihrem ganzen Umfange gewürdigt hat, in ein nahesund herzliches Verhältniß gekommen. Als Dichter ist M. hauptsächlich in denzwei geist- und phantastereichen, auch in der Form meisterhaften Märchen „Rübe-zahl" und „Narcissus" (Stuttgart 1829 — 80) aufgetreten. Schon 1826 hatteer (Stuttgart) den Almanach „Moosrosen" herausgegeben; 1830 erschienen vonihm „Politische Grillen" in Rotteck's „Annalen". Seine „Reise nach Ostreich"Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. III. 6