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völligsten Sicherheit begleitet, sodaß er sogar nicht angestanden hat, dies in vor-kommenden Fallen öffentlich zu thun, wo durch einen kleinen Jrrthum das ganzeStück hatte umgeworfen werden können. Von seinen neuern Compositionen nen-nen wir folgende: Eine große Eantate zur Geburtstagsfeier Albrecht Dürer's;eine zweite zu einem Fest, welches Alexander von Humboldt den versammeltenNaturforschern in Berlin gab; und eine dritte: „Die Walpurgisnacht" von Goethe.Ferner eine große Symphonie zur Feier des Reformationsfestes geschrieben; zweiOuvertüren, deren eine: „Die Hebriden", von seinem Aufenthalte auf diesen Inselnbenannt, die andere zu Shakspeare's „Sommernachtstraum" höchst geistreich undeigenthümlich gedacht ist. Nächst diesen größern Werken für Orchester und Sing-stimme hat er eine große Anzahl von Liedern, Quartetten für Bogeninstrumente,Klavierconcerten (das Neueste in 6-moII), Sonaten, Etüden, ein Capriccio mitOrchester, größere Gesangstücke u. s.w. gesetzt, sodaß ihm, in Erwägung seinerJugend, an Fruchtbarkeit vielleicht kein jetzt lebender Componist gleichkommt.Sollen wir nun, nachdem wir historisch angegeben haben, was uns von diesermerkwürdigen Erscheinung bekannt ist, ein Urtheil wagen über Das, was in derKunstgeschichte dereinst gelten wird, so möchte dasselbe bis jetzt doch nur sehr vor-sichtig und keineswegs entscheidend auszusprechen sein. Der Künstler hat kaumsein 24. Jahr erreicht, und wer wäre in solchem Alter in sich vollendet gewesen!Wie die Sachen jetzt stehen, will es uns freilich scheinen, als ob die Leistungen desComponisten im Gebiete der Erfindung nicht ganz den Erwartungen entsprechenwollten, welche seine frühen außerordentlichen, selbst denen des Knaben Mozartnicht nachstehenden, Anlegen erregten. In technischer und praktischer Hinsicht abersteht der junge Künstler allerdings auf einer Höhe, wo er sich mit jedem Meistermessen kann, sodaß wir ihn, wäre die Musik eine Wissenschaft, vielleicht an dieSpitze aller Erscheinungen in diesem Gebiet stellen könnten. Da sie aber eineKunst ist, die rein und tief aus dem Busen quillt, aus dem heiligsten Innern desGemüths schafft, so möchten wir fast glauben, daß die überwiegende Verstandes-richtung, die wir in der Individualität des Componisten wie in seinen Werkenwahrnehmen, der reinen Entfaltung jener unmittelbaren Kunstblüten Eintrag ge-than habe und auch künftig thun werde. Indessen sollte nichts uns lieber sein,als wenn wir dereinst zu dem Bekenntniß gezwungen würden, daß diese Ansicht alseine irrthümliche aufzugeben sei. (20)
Menzel (Wolfgang), geboren am 21. Jun. 1798 zu Waldenburg inSchlesien, verlor seinen Vater, einen Arzt, sehr frühe, lebte bei seiner Mutterauf einem Landgut, kam erst 1814 auf die Elisabethschule nach Breslau, wo ersich eifrig der Turnkunst widmete, studirte 1818 — 20 in Jena und Bonn Philo-sophie, kam 1820 nach der Schweiz und wurde in Aarau erster Lehrer an derStadtschule. Sein erstesProduct waren die „Streckverse" (Heidelberg 1823), welcheeine Fülle von originellen Lebens- und Kunstansichten, von Poesie und Witz ent-halten, allgemeines Aufsehen machten und M. unter Andern an Jean Paul einenwarmen Freund erwarben. Im folgenden Jahr gab er die „Europäischen Blät-ter" (Zürich) heraus, in welchen er zuerst den schonungslosen Vernichtungskampfgegen die hohle Form in der Poesie und gegen gepriesene Nullitäten der deutschenLiteratur eröffnete, zugleich aber durch seine Polemik gegen Göthe und besondersgegen die Göthe'sche Schule sich zu den unbedingten und selbst zu den bedingtenVerehrern dieses Dichters in ein kriegerisches Verhältniß setzte. Unter seinemBanner sammelten sich auch die bisher zerstreuten ausschließenden BewundererSchiller's, die in Süddeutschland von jeher der Zahl nach überwiegend waren, bis-her von der Dictatur der Schlegel'schen Schule unterdrückt, größtentheils geschwie-gen hatten und jetzt sich mit Freuden der unerwarteten Reaction anschlössen. Umdieselbe Zeit erschien zu Zürich der erste Band seiner „Geschichte der Deutschen",
K.