. Medicin in ihrcm neuesten Zustande 73
ler Zeit Parteien und Spaltungen der verschiedensten Art gebildet haben, deren Ur-
bts sprung sich von den Systemen und Schulen herschreibt; daß eine Überschätzung des
, Tobten auf dem Gebiete des Lebens jetzt hausig dazu beiträgt, das wahre Ziel der
"»ler" v - ^ Heilkunde zu verrücken; daß durch die Einwirkung einer falschen Philosophie, durchdie Finsterniß des Aberglaubens, durch das Irrlicht der Mystik Sekten undSpaltungen unter den Ärzten entstanden sind? Die Wissenschaft, ein Kind derErfahrung, des Verstandes, des Lichtes, wird hierdurch eine Misgeburt des Au-M hat genblicks, eine Sklavin des Irrwahns, eine Frucht der Finsterniß. Soll die Heil-sucht, ^ ^ künde bessere Zeiten sehen, so müssen vereinte Kräfte die genannten, vielgeglieder-ten mächtigen Feinde anhaltend bekämpfen; soll die Gegenwart den ganzen heil-samen Einfluß unserer Kunst erfahren, so müssen die echten Schüler Äsculap's den
NN ^ Gefahren zu entgehen suchen, mit welchen die genannten Feinde der wahren Heil
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^NNW?^'' künde drohen, und die leider eine nicht unbedeutende Anzahl derselben bereits getrof-ftn haben. Dieses ins Werk zu setzen, ist ein nicht geringerTheil der Ärzte Europasbemüht. Ihr vereintes Streben bildet die Lichtseite der Medicin unserer Tage,welche die Schattenseite derselben offenbar in den Hintergrund drängt. Fassen
leild wir diese genauer ins Auge, so sind es vorzüglich folgende Ergebnisse. Die bessernM- Ärzte unserer Tage verbinden mit tiefen klinischen Forschungen das Studium der^ Geschichte der Medicin, also die Gegenwart mit der Vergangenheit. Mit gro-l U ßem Erfolg haben die Ärzte unserer Zeit die Natur vieler dunkeln Krankheiten da-durch enthüllt, daß sie nach gründlicher Sichtung der Meinungen und Ansichtender Ärzte früherer Zeiten die Symptome der Krankheiten nicht blos als Erschei-nungen einzeln auffaßten, sondern sie zu deuten sich bemühten, und mit dem We-sen des Leidens in Zusammenhang brachten; daß sie ferner durch fleißige Leichen-öffnungen die Beschaffenheit der leidenden Organe gründlich untersuchten und soAusschluß übc-r das Entstehen und den Gang vieler Verbildungen erhielten, wohinvorzüglich Gefäßkrankheiten, Leiden des Herzens, der Lungen, der Muskeln, desNervensystems, der Knochen u. s. w. zu rechnen sind. Man nennt diese Grund-lage der Medicin die pathische Histologie, oder die Lehre von dem Erkranken derGewebe des thierischen Körpers, in deren Geschichte französische, deutsche und eng-lische Namen wetteifern. Diese wichtige, für die Praxis unentbehrliche Grundlageder Medicin hatte aber nicht gefunden, wenigstens nicht so großartig bearbeitet werdenkönnen, wenn nicht Bichat (s. d ) durch seine „Allgemeine Anatomie" oder dieLehre von der Gleichartigkeit der Gewebe in den verschiedenen Organen, welche inDeutschland so vielfachen Anklang fand und wie hier in keinem andern Lande be-arbeitet worden ist, die unentbehrlichste Vorarbeit gegeben hätte, wobei nochdie Erinnerung Platz finden muß, daß die Physiologie, die größte Aufgabe derbessern Ärzte aller cultivirten Nationen, welche in den letzten Jahrzehnden inEngland, Italien, Frankreich und Deutschland die ausgezeichnetste.« ärztlichenTalente anhaltend beschäftigt hat, hierbei vom größten Einfluß ist. Man hat fer-ner das Wesen der angeborenen Krankheiten dadurch näher erforscht, daß man inDeutschland die Bildungsgeschichte des Menschen und der Thiere zu bearbeiten an-fing und mit großem Eifer fortsetzte, wodurch Licht, Ordnung, System in die sonstso dunkle und verworrene Lehre von den Misgeburten und den Bildungsfehlerngekommen ist, eine wissenschaftliche Frucht unserer Zeit, durch deutsche gründlicheForschung zur Reife gebracht. Die bessern Ärzte unserer Zeit arbeiten aber auchferner an einer naturgemäßen Behandlung der Krankheiten. Wir sehen jetzt mehrund mehr die Vielmischerei aus den Recepten der Ärzte verschwinden und an ihreStelle Einfachheit und vernünftige Auswahl treten, eine in wissenschaftlicher wiein ökonomischer Hinsicht wichtige Thatsache, welche zum Theil durch das Ankäm-pfen Hahncmann's gegen die verwerfliche Polypharmacie mancher Ärzte entstan-den ist, zum größten Theil aber ihr Entstehen einer gründlicher« Einsicht in das