Medicin in ihrem neuesten Zustande 67
Sprachen in das Armenische und gaben selbständige Schriften in allen Zwei-gen der Literatur und Wissenschaft heraus. Folgende auf S -Lazaro erschie-nene Werke möchten hier vorzüglich Erwähnung verdienen: Die Chronikdes Eusebius. Mehre philosophische und exegetische Abhandlungen des JudenPhilo. Fünfzehn Homilien des Sebastianus oder Seberianus von Emessa.Diese Werke sind sämmtlich in der griechischen Ursprache verloren gegangen undhaben sich blos in armenischen Übersetzungen erhalten. Ausgaben von verschiede-nen armenischen Classikern, wie Moses von Chorene, Elisäus, Esnik und ganzvor Kurzem erst Faustus von Byzanz. Die Übersetzungen aus den modernen^ D Sprachen ins Armenische übergehen wir. Von den selbständigen blos in armeni-Sonialj scher Sprache abgefaßten Werken sind wol die vorzüglichsten: Dvs Leben Gre-gorius des Erleuchters von Matthäus Carakascian aus Tokat, gedruckt 1749.Eine allgemeine Geschichte Armeniens in drei Quartbanden von Erschaffung derWelt bis 1784 von Michael Tschamtschean aus Konstantinopel, der von 1738bis 1823 lebte. Eine armenische Grammatik von Demselben. Eine allgemeineGeographie in 11 Banden, von Aconzio Biuver und Lukas Jndschidschean. EineGeographie Altarmeniens von Demselben. Das Leben Mechitar's von Biuver. Eineausführliche armenische Grammatik von Awedikean. Mehre große Werke, wiez. B. ein ausführliches Wörterbuch und eine Sammlung aller armenischen Kir-chenschriftsteller, nach Art und Weise der griechischen Kirchenväter, werden schonseit lange auf S.-Lazaro zum Drucke vorbereitet. Die armenische Akademie aufS.-Lazaro besteht aus allen Mitgliedern des Ordens, die den Grad eines Warta-pieds oder Doctors erhalten haben, es werden aber auch Fremde als Ehrenmitglie-der ausgenommen, wie z. B. 1828 Professor Neumann zu München. — Auch inWien ist eine Mechitariftencongregation, welche sich außer literarischen Beschäf-tigungen der Jugendbildung widmet und den Verlag gemeinnütziger Schriftenbesorgt. (84)
Medicin in ihrem neuesten Zustande. Die Medicin hat alsWissenschaft und als Kunst in den letzten Jahrzehnden der Veränderungen nichtwenige erfahren; die politischen wie die wissenschaftlichen Stürme unserer Zeithaben auf sie den größten Einfluß geübt. Nach solchen gewaltsamen Einwirkungenkann es nicht aufsallen, wenn nicht alle Jünger Äsculap's einen Weg verfolgen,sondern vielmehr in Parteien getheilt sind, deren jede entweder das Wahre bereitsgefunden zu haben behauptet, oder doch auf dem Wege zur Wahrheit zu sein sichschmeichelt. Betrachten wir diese Parteien genauer, so wird sich hieraus eine treueSchilderung der Schatten- und Lichtseiten der Medicin unserer Tage ergeben. Eswürde jedoch zu weit führen, sollten hier alle Ursachen jener angedeuteten Licht-und Schattenseiten ausführlich erörtert werden, wir können nur auf die vorzüg-lichsten hinweisen. Wenden wir uns zuerst zu den Schattenseiten, die Lichtseitenwerden dann um so Heller hervortreten, und der Einfluß derselben auf die Fort-schritte einzelner angewandten Theile der Medicin wird ganz ungetrübt sich zeigen,namentlich bei einer kurzen Schilderung des jetzigen Zustandes der Chirurgie, derGeburtshülfe, der Augenheilkunde, Zweige der Medicin, die einen hohen Gradvon Vollkommenheit erreicht haben.
Betrachtet man die Schattenseiten der jetzigen Medicin, so wird man imGewühle der Parteien und Spaltungen unter den Ärzten vorzüglich auf folgendeVerirrungen als die nächsten Ursachen derselben stoßen. Viele Ärzte setzen mit gro-ßer Einseiligkeit das System ihrer Wissenschaft von der gesunden und kranken Na-tur über die Natur, oder sie räumen der Betrachtung des Tobten ein Übergewichtzs' über die Prüfung des Lebendigen ein, wahrend endlich andere ihre Kunst und Wis-B senschaft leider nicht auf dem Gebiete des Sichtbaren, sondern im Reiche deS' Unsichtbaren suchen. Der Grund, warum viele Arzte unserer Zeit ihr System über
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