60 Mauromichalis (Familie)
Präsidenten anzunehmen. Allein selbst die Bürgschaft des Barons Ruckmannfür die Aufrichtigkeit der Gesinnungen Pietco's vermochten nichts gegen das Mis-trauen, welches Kapodistrias noch in die Absichten und die Plane der FamilieMauromichalis setzte.
Was hierauf geschah, den entsetzlichen Racheschwur des tief gekränkten Pie-tro und die drei Tage nachher erfolgte Ermordung des Präsidenten durch Konstan-tin und Georgias M>, haben wir im Artikel Kapodistrias erzählt. Dereineder Mörder, Konstantin, wurde von dem Begleiter des Präsidenten auf der Fluchtverwundet und fand kurz darauf unter den Händen eines wild aufgeregten Pöbelsein entsetzliches Ende. Der andere, Georgias, rettete sich in die Wohnung desfranzösischen Residenten, wurde aber erst am Abend unter der Bedingung ausgelie-fert, daß gegen ihn ein geordnetes gerichtliches Verfahren eingeleitet werden solle.Dieser letztere Umstand ist von den systematischen Vertheidigern der Regentschastdes Präsidenten dazu benutzt worden, den geheimen Einflüsterungen und Anrei-zungen französischer Emissaire und Abenteurer eine That zuzuschreiben, die sich ausdem Benehmen des Präsidenten und dem Bedürfnisse glühender Rache aufSeitender Mauromichalis zur Genüge erklart. Georgias ward endlich, nach zehntägigerHaft im Hafenfort Brudzi, am 19. Oct. vor eine Militaircommission gestellt,welche die provisorische Regierung zu diesem Zwecke außerordentlich ernannt hatte.Den Vorsitz bei diesem verfassungswidrigen Kriegsgerichte führte General Tzokris,die Beisitzer waren Offiziere des taktischen Corps von verschiedenen Graden, und einHauptmann aus der Militairschule zu Nauplia, Axelos, diente der Regierung alsSachwalter. Die Vertheidigung des Mörders übernahm, in Abwesenheit der alsVerbannte in Hydra lebenden und von Georgios begehrten Rechtskundigen Klo-naris und Kentauros, der mit der Sprache, den Sitten und Verhaltnissen des Lan-des vertraute Englander Masson, welcher schon seit längerer Zeit als glücklicherVertheidiger der Angeklagten beim Volke in gutem Rufe und hoher Achtung stand.Die Handlung selbst war öffentlich und das Volk zeigte dabei große Ruhe, unge-achtet die Richter behaupten wollten, man müsse eilen, weil die Wuth des gegenden Schuldigen aufgebrachten Pöbels nicht mehr zu bändigen sei. Obgleich nunMasson den Gerichtshof für incompetent und die übereilte Art des Verfahrens fürverfassungswidrig erklärte, obgleich die Theilnahme des Georgios an dem Mordedurch die Aussagen der Zeugen nicht einmal bestimmt erwiesen werden konnte, ja zu-letzt noch das eigne Geständniß des Angeklagten fehlte, so ward doch noch in derselbenSitzung das Verdammungsurtheil über ihn ausgesprochen und einem Revisions-gerichte, unter dem Vorsitze des Generals Niketas, übergeben, welches innerhalb24 Stunden, ungeachtet der Protestation eines seiner Mitglieder, den Ausspruchdes Kriegsgerichts bestätigte, welcher dahin lautete, daß Georgios erschossen werdensolle. Das Urtheil wurde am 22. Oct. auf dem großen Platonplatze vor Naupliaunter ergreifenden Umständen vollzogen, für deren genauere Angabe wir auf dieinteressante Darstellung eines Augenzeugen in der „Allgemeinen Zeitung" (1831,außerordentl. Beilage Nr. 515 u. 516) verweisen können. Der alte Pietro warvon seinem Gefangnisse in dem Fort Jtschkale aus Zeuge des herzzerreißenden Auf-tritts und ertheilte dem mit heldenmüthiger Standhaftigkeit sterbenden Sohne, aufseine Bitten, den letzten Segen. Noch sechs Monate mußte er, zugleich mit eini-gen andern Gliedern seiner Familie, unverhört das Unglück seines Hauses im Ker-ker auf Jtschkale betrauern, bis ihm im Apr. 1832 der Fall Augustin Kapodistrias'und des alten Gewaltsystems die Freiheit brachte. (S. Kapodistrias.) Bei derzu Ende des Jul. in Nauplia eröffneten Nationalversammlung erschien Pietroabermals als Stellvertreter der Mainoten, scheint aber an den Verhandlungen nurwenig unmittelbaren Antheil genommen zu haben. Er lebte seitdem meist in Mainaxuhig mit den Seinigen, voll von großen und traurigen Erinnerungen an ein wild