Mauromichalis (Familie) 59
fische Alterthum, welche weder der Einfachheit noch der Bildung Pietro's angemes-sen scheinen, Gelegenheit zu erheblichen Zweifeln an ihrer Echtheit gibt. Thatfachedagegen ist, daß Pietro nach diesem ungesetzlichen Verfahren als Criminalverbre-cher zu fernerer Einkerkerung verdammt wurde, wahrend die Regierung die weitereUntersuchung und endliche Entscheidung seiner Sache absichtlich zu umgehen unyzu verzögern suchte. Gleich dem gemeinsten Verbrecher wurde dem durch Alter,körperliche Anstrengungen und Kummer geschwächten Pietro nicht nur jede Be-quemlichkeit des Lebens entzogen, sondern auch aller Umgang mit seinen Be-kannten und Freunden auf das strengste untersagt; und dennoch behielt er Geistes-starke genug, ein ihm im Mai vom Präsidenten gemachtes Anerbieten, daß er seineFreiheit erhalten solle, wenn er ihn schriftlich um Gnade bitten werde, mit der Be-merkung zurückzuweisen: da er sich nicht schuldig fühle, könne er auch nicht umGnade bitten; übrigens sei er fest entschlossen, nie von seinen Grundsätzen abzuwei-chen, noch sich von der Opposition loszusagen, welche seine Freunde gegen die Re-gierung vereint hätte.
Was unterdessen in Maina vorgegangen war, die vereitelten Bemühungendes Mirarchen Kanaris, welcher der Regierung ergeben war, die wiederholtenSiege der Mainoten, das nutzlose Erscheinen des Präsidenten zu Marathonissiu. s. w., können wir hier um so eher übergehen, da bereits in einer frühern Dar-stellung darüber gesprochen worden ist. (S. Griechenland.) Von den Brüdernund Söhnen Pietro's geleitet, machten die Mainoten jede Vereinigung mit der Re-gierung von der Freilassung ihres alten Beis und der Proklamation einer Consti-tution abhängig, welche für die Zukunft die Rechte und die persönliche Freiheit derBürger sicher stelle. Die Feindseligkeiten hörten jedoch nach und nach auf, da dieRegierung in der Gegend von Kalamata unter Kolokotronis und Niketas ein Trup-pencorps von 7000 Mann zusammengezogen hatte, welches zwar die Aufrührerin ihren Bergen zurückhielt, aber ihre Unterwerfung selbst nicht weiter versuchte.Während daher wenigstens die Verbindungen zwischen Maina und der auf Hydraversammelten Oppositionspartei zur See durch die Wachsamkeit einiger Fahrzeugeder Regierung und des russischen Geschwaders eben nicht sehr erschwert wurden,begaben sich Konstantin und Georgios M. nochmals nach Nauplia, wahrscheinlichin der Absicht, sich persönlich bei dem Präsidenten für die Befreiung ihres Bru-ders und Vaters zu verwenden. Allein kaum dort angelangt, wurden sie verhaf-tet und bald darauf zu dem schimpflichsten Stadtarreste verurtheilt, demzufolge siesich nur in Begleitung einiger Policeisoldaten öffentlich zeigen dursten. Dies warvielleicht der empfindlichste Schlag, welcher die Familie Mauromichalis jetzt nochtreffen konnte und die Verzweifelten zu dem Entsetzlichsten treiben mußte. Unddennoch wollte man nichts unversucht lassen, den Zorn des Präsidenten durchNachgiebigkeit zu besänftigen. Am schmerzlichsten nämlich empfanden die inMaina zurückgebliebenen Glieder der Familie die Abwesenheit und das Misgeschickihrer Verwandten, vor Allen die noch lebende Mutter der vier gefangenen Brüder,Pietro, Kadschis, Janaki und Konstantin, eine ehrwürdige Matrone von 90 Jah-ren. In der Hoffnung, ihre Söhne und Enkel zu retten, verschaffte sie sich durch ei-nige kleine Geschenke eine Audienz bei dem im Hafen von Maina liegenden Befehls-haber des russischen Geschwaders, Admiral Ricord, schilderte ihm mit der ergrei-fenden Beredtsamkeit des tiefsten Schmerzes das Unglück der Ihrigen, und bat ihn,sich für die B.efreiung derselben bei dem Präsidenten persönlich zu verwenden. Ad-miral Ricord gab seine Zusage und trat deshalb sogleich nach seiner Ankunft imM Hafen von Nauplia, zu Ende Sept., mit Pietro M. und dem russischen Residen-ten in Unterhandlungen. Den Letztern bewog er endlich, Pietro M. selbst zndem Präsidenten zu begleiten, um ihm eine Audienz zu verschassen, worin er erklä-ren wolle, er sei bereit, seine und der Seinigen Freiheit als ein Geschenk dch