Mäßigkeitsvereine
ermunternde Vortrage bei den Jahresversammlungen, die Aufmerksamkeit des Pu-blikums auf diesen Gegenstand zu leiten. Das Beispiel wirkte. In Connecticutund Vermont wurden bald ahnliche Vereine gestiftet und Hülfsgesellschaften übtenihren Einfluß in engern Kreisen. Die Zahl der Mäßigkeitsvereine war 1818 schonauf mehr als 40 gestiegen. Um dieselbe Zeit suchten Einzelne durch Schriften oderdurch persönlichen Einfluß zu wirken. Die Stiftung der amerikanischen Gesell-schaft zur Beförderung der Mäßigkeit zu Boston, die 1826 sich nach einem um-fassendem Plane bildete, gab der Sache einen neuen Anstoß. Der Gefellschaft inMassachusetts gebührt der große Ruhm, die Angelegenheit zuerst der öffentlichenAufmerksamkeit nahe gebracht zu haben, da sie aber größtentheils aus Unitariernbestand, deren Einfluß außerhalb des Staats nicht groß war, so war es schwierig,bei Christen von andern Parteien Theilnahme zu erwecken. Der neue Verein zuBoston konnte die Sache kraftiger angreifen. Sein erster Jahresbericht kündigtedie Bildung von 30, der zweite von 220 Hülfsgesellschaften an, und 1829 wardie Zahl derselben auf 1000 gestiegen. Es gibt jetzt keinen Staat des Bundes,der nicht einen Verein hatte. Nach dem Berichte.von 1829 waren über 700 Trun-kenbolde durch den Einfluß der Maßigkeitsvereine von dem Laster entwöhnt und50 Branntweinbrennereien geschlossen worden. Überall war Abnahme in demVerbrauch des Branntweins bemerklich, und 400 Verkaufer hatten das Gewerbeaus Rücksichren auf das allgemeine Wohl aufgegeben. Aus dem Bericht für 1831ergab sich, daß 2200 Gesellschaften, aus 170,000 Mitgliedern bestehend, mit derMuttergeseUschaft zu Boston in Verbindung standen, und man glaubte die Zahlsammtlicher Gesellschaften in den Vereinigten Staaten auf 3000 annehmen zukönnen. Über 1000 Branntweinbrennereien, wahrscheinlich ein Zehntel der Ge-sammtheit, waren eingegangen Seit der letzten Versammlung des Vereins wa-ren 150 Schisse von Boston abgegangen, ohne Branntweinvorräthe mitzunehmen.Aus dem neuesten Bericht endlich für !832 geht hervor, daß jetzt 4000 Hülfsge-sellschaften mit 600,000 Mitgliedern in den Vereinigten Staaten bestehen, 4i)00Personen den Handel mit Branntwein aufgegeben haben, und über 3000 Säufervom Laster zurückgekommen sind. Man berechnet, daß 20,000 Personen nüchternleben, welche ohne den wohlthätigen Einfluß der Maßigkeitsvereine jetzt Trunken-bolde sein würden; daß ebenso viele Familien jetzt ihr Fortkommen haben, die sonstarm sein würden; daß 50,000 Kinder von dem verderblichen Einflüsse trunksüchti-ger Altern erlöst und 100,000 Kinder mehr gegen den alterlichen Einfluß gesichertsind, der sie zu Trunkenbolden hatte machen müssen. Mehr als eine Million Per-sonen in den Vereinigten Staaten enthalten sich jetzt des Branntweingenusses.Die Mittel, durch welche die Maßigkeitsvereine diese Ergebnisse hervorgerufen ha-ben, bestanden nicht nur in den Bemühungen Einzelner, durch Schriften und per-sönlichen Einfluß zu wirken, sondern hauptsachlich in den Bemühungen, die öffent-liche Aufmerksamkeit durch Verbreitung von Berichten, durch belehrende Schrif-ten, durch mündliche Vorträge reisender Agenten auf den wichtigen Gegenstand' ' K ? lenken, und Diejenigen, auf welche solche Vorstellungen Einfluß gehabt hatten,'s - Zu Hülfsgesellschaften zu vereinigen und sie dadurch für persönliche Theilnahme^ und für Beförderung allgemeiner Mitwirkung zu den Zwecken des Vereins verant-wortlich zu machen. In solche Vereine sind auch Weiber und Kinder aufgenom-men worden, da man es für wichtig gehalten hat, sich den Einfluß der Frauen zusichern und die Gewohnheiten der Kinder zu bilden. Die Grundlage, auf welcherdiese Vereine, wenigstens in früherer Zeit, geschlossen wurden, war eine Verpflich-tung von Seiten jedes Mitglieds, sich des Branntweingenusses, außer zu arznei-lichem Gebrauche, zu enthalten, und weder Freunde mit Branntwein zu bewir-then, noch abhängigen Angehörigen den Genuß desselben zu gewähren. Bei derzweiten Jahresversammlung des amerikanischen Maßigkeitsvereins 1829 wurde