Maßigkeitsveteine 45
die restaurirende Intervention der heiligen Allianz zu nehmen. Nach der Restau-ration von 1823 sah M. sich genöthigt, wie so viele andere edle Spanier von allenNuancen des Liberalismus, durch Auswanderung den Folgen der Reaction zu ent-gehen, und die von der nun siegreichen Partei gegen ihn ausgesprochene Acht magihn bis zu einem gewissen Punkt wol von früherm schweren Verdacht des Einver-ständnisses reinigen. Seit 1823 hielt M. sich meist in Paris aus, mit literarischenArbeiten beschäftigt, um 1830 aber ward ihm (ohne eigentliche Amnestie, wie sovielen andern Verbannten) gestattet nach Spanien zurückzukehren, und er scheintsogar bei der Königin und ihrer Partei so viel Vertrauen und Gunst gewonnen zuhaben, daß die Schwankungen der Hofintriguen, von denen zunächst das SchicksalSpaniens abzuhängen scheint, ihn leicht zum dritten Male zu einer höhern politi-schen Stelle berufen dürsten. Ob zu seinem und seines Vaterlandes Besten? stehtsehr zu bezweifeln. An seinen Fähigkeiten und Kenntnissen, an seinem großenRednertalent, seiner gewandten Thatigkeit, sogar an seiner uneigennützigen Va-terlandsliebe kann billigerweise nicht gezweifelt werden; aber es fehlen ihm zuviele der wesentlichsten Eigenschaften, welche dazu gehören, um unter so schwierigenUmständen mit Ehren für sich und zum Besten des Ganzen aufzutreten und sich zubehaupten. Er ist zu weich, zu leicht beweglich, zu voll Theorie, zu unbefangeneitel für einen Staatsmann, fast möchte man sagen, er ist zu liebenswürdig fürdie schwere Last, die er zu übernehmen haben dürfte. Damit wollen wir ihn übri-gens im Verhaltniß zu andern großen Staatsmännern unserer Zeit keineswegs her-abgesetzt haben; denn es will uns bedünken, daß auch hier in vollem Maße geltenmag: Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählt. Wir wüßten nicht einenEinzigen, der in Spanien viel mehr schassen würde oder könnte als M., aber dasist allerdings wenig genug. Als Redner zeichnet sich M. mehr durch einen sehrblühenden, fließenden, leichten Vortrag, durch glückliche Improvisation, als durchgroße Energie und Tiefe der Gedanken oder der Leidenschaften aus; doch gehörter unstreitig zu den besten politischen Rednern der neuern Zeit. Der Dichter M.steht so hoch, als edle, zarte Gefühle, richtige, glückliche Gedanken, Belesenheit, eineleichte Versi'si'cation, ziemlich correcte (d. h. castilische) Sprache irgend Jeman-den innerhalb der engen conventionnellen Schranken der französi'renden Classi'citatheben können. Unter seinen dichterischen Arbeiten zeichnen sich besonders aus, dieTragödien: „Die Witwe des Padilla" und „Moraima", unter seinen Komödien:„Die Mutter auf dem Maskenball und die Tochter zu Hause". Die beidenletztern Stücke sind auch ins Französische übersetzt und auf dem lAöütre trau-nicht ohne Beifall aufgeführt worden. Man hat von M. auch eine schlechteBearbeitung des „Hamlet". Außerdem verdient seine „?«eticu" einer Erwäh-nung, welche sich durch alle die Verdienste auszeichnet, die ein Gedicht dieser Artim Geiste der klassischen Schule irgend haben kann; eben deshalb aber dürften fürviele, besonders deutsche Leser die beigefügten sehr ausführlichen und gründlichenNoten, welche eine fast vollständige Geschichte der spanischen Poesie enthalten,mehr Werth haben als das Gedicht selbst. Eine vollständige Ausgabe seiner Werkeist bei Didot in Paris uuter dem Titel „Obras literurius" in vier Banden erschie-nen. In seinem Privatleben ist M. durchaus achtungswerth und seine Persönlich-keit vereinigt alle liebenswürdigen Eigenschaften des Andalusiers. (83)
Maßigkeitsvereine. Die Verbindungen, deren Zweck ist, den ver-derblichen Folgen des übermaßigen Branntweingenusses zu steuern, stammen ausden Vereinigten Staaten. Hier fanden sie in örtlichen Verhältnissen ihre Veran-lassungen, hier erhielten sie ihre eigenthümliche Gestalt. In dem ersten Jahr-hundert nach den Ansiedelungen in Nordamerika war der Gebrauch des Brannt-weins wenig verbreitet. Der Krieg zwischen England und Frankreich, noch mehraber die Beschwerden und Unordnungen des Revolutionskrieges, trugen sehr dazu