Martinez de la Rosa 43
du wirst diesem treuen, eifrigen Diener Thranen weihen; er war Einer von Denen,die dich liebten, die nie schmeichelten und dich nie betrogen."
Der Vicomte von M. war einer der edelsten Bürger Frankreichs. SeinNachruhm ist schön und rein; er vereinigte ein glänzendes Talent mit hoher Lie-benswürdigkeit. Vor ihm verstummte selbst der Haß der Factionen; Jeder ließ seinenedeln, gewinnenden Charakter, seinem verbindlichen, wohlwollenden Benehmenund der Anmuth seines ganzen Wesens volle Gerechtigkeit widerfahren. Als Mi-nister war sein Ziel die Freiheit, der Frieden und das Glück seines Vaterlandes.PtGnEr that was er konnte, um den Zwiespalt, der schon zwischen Frankreich und demaltern Zweige der Bourbons eingetreten war, zu heben und eine dauerhaste Ver-söhnung zu bewirken. Als Redner war er einer der Ersten. Er sprach mit eineraußerordentlichen Leichtigkeit, gut, richtig und schön, ohne Vorbereitung; selbstseine Gegner hörten ihn gern. Als Privatmann gütig und zuvorkommend, besaßer die Liebe Aller, die ihm nahe standen. In seinem spätern, vielbewegten Lebenkonnte er sich nicht mit Literatur beschäftigen, der er sich früher auch als glücklicherVaudevilledichter gewidmet hatte. Nach seinem Tode erschien der erste Theil sei-nes „Lssui kistoricjue Sur In Involution ti 'Lsjiggpie et Sur I'interveutiou <1e 1823"(Paris 1832). Dieser Theil, der ganz vollendet ist, enthalt die Geschichte derRevolution bis zum Congreß von Verona. Die Durchsicht der letzten Bogenmußte er auf dem Sterbebette seinem ehemaligen Secretair Emile Barateauübergeben. (7)
Martinez de la Rosa (Don Francisco) wurde um 1780 in Granadageboren, wo seine Familie zu den angesehensten und wohlhabendsten der Provinzgehörte. Seine Altern gaben ihm eine sorgfältige Erziehung, und er machte spaterso gute Studien in mehren Zweigen des Staatsrechts, der Staatswirthschaft undder Geschichte, als die Hülfsmittel spanischer Universitäten, einige Bekanntschaftmit französischer und englischer Literatur, leichte Fassungsgabe und reger Ehrgeiznur irgend möglich machten. Schon hatte er die ersten Schritte in der Laufbahndes Staatsdienstes gethan, als 1808 die Revolution ausbrach, welche in ihremUrsprung zugleich Hand in Hand ging mit dem Kampfe des spanischen Volkes gegenfremde Unterdrückung. Er zeichnete sich, wenn auch nicht auf dem Schlachtfelde,doch sonst durch That und begeisternde Schrift und Rede unter den eifrigsten Vor-kämpfern für bürgerliche Freiheit und Nativnalunabhängigkeit aus, und wurdesehr bald zu den Häuptern der Partei gezählt, welche man mit dem sehr unbestimm-ten Namen der Liberalen zu bezeichnen pflegt. Durch die fast einstimmige Wahlseiner Mitbürger erhielt er einen Sitz in den ordentlichen Corres, welche damalsder außerordentlichen constituirenden Versammlung von 1812 folgten. Sehr baldmachten, nach der Rückkehr Ferdinand VI!., die Beschlüsse von Valencia der Tä-tigkeit dieser Cortes ein Ende; aber M. hatte in dieser kurzen Zeit schon so viel Ge-legenheit gefunden, sich im Sinne der liberalen Partei durch Rednertalent und Tä-tigkeit auszuzeichnen, daß er eines der ersten Opfer der nun folgenden unsinnigenabsolutistisch-theokratischen Reaktion wurde. Zu mehrjähriger Deportation nacheiner der afrikanischen Strafkolonien verurtheilr, erlangte er erst durch die Revolu-tion von 1820 seine Freiheit wieder rmd sah seine Standhaftigkeit und seine Leidenfür die Sache der Freiheit belohnt durch den ehrenvollsten Empfang, der seine undseiner Verbannungsgefährten Landung in Malaga, seine Rückkehr nach Granadazu wahren Triumphzügen machte. Die Wahl seiner Vaterstadt sandte ihngleich darauf in die außerordentlichen Cortes von 1820; und hier beginnt derzweite, glänzendere, aber auch unglücklichere Theil seiner politischen Laufbahn. Dadiese aber mehr der Zeitgeschichte als der Biographie angehört, so genügt es hier siemit wenig Worten zu charakterisiren und die Folgen anzugeben, welche sie für M .'spersönliche Schicksale hatten. Er schloß sich der Partei der sogenannten Gemäßig-