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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
29
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Marie Karoline (Herzogin von Berri) 29

Regentin von Frankreich Aufrufe, nach welchen am 24. Mai ihre AnHanger überalldie Waffen ergreifen sollten. Der Bürgerkrieg brach im westlichen Frankreich ausund zog sich blutig durch die nächsten Monate fort, aber ungeachtet der Anstren-, gungen der Regierung, die zahlreiche Horhausen in der Vendee versammelte, un-' geachtet mehrer Niederlagen, welche die AnHanger des Herzogs von Bordeaux er-litten, konnte man doch weder der einflußreichsten Parteihäupter sich bemächtigen,noch den Aufenthalt der Herzogin entdecken. Sie entging allen Verfolgungen mitgroßer Geistesgegenwart, und der Muth, mit welchem sie den Gefahren trotzte undEntbehrungen ertrug, mußte die Begeisterung ihrer AnHanger erhöhen. Oft zeigtesie sich selbst auf dem Kampfplatze an der Spitze bewaffneter Haufen und verrietbmehr Entschlossenheit als manche Häupter der Chouannerie. Bald erschien sie inHirtentracht, bald in schlichter Kleidung, die Karlistenbanden beobachtend oder Auf-ruft zur Theilnahme an ihres Sohnes Sache vertheilend. Sie ging von Schloßzu Schloß, von Hütte zu Hütte, die Stimmung der Bewohner zu erforschen, undsuchte durch Austheilung von Ordensbändern, Denkmünzen und Ehrensäbeln,durch Verheißung von Steuererlaß Anhänger zu gewinnen. Von den Soldaten ver-folgt, war sie nicht selten in Gefahr gefangen zu werden. Einst hatte sie in solcherBedrängniß in einem sumpfigen Wald« Auflucht gefunden, und als sie endlich einBauerngut erreichte, mußte sie sich in dem Stall niederlegen, wo sie ruhig einschlief,bis der warme Odem einer Kuh sie anwehte, die den neuen Gast untersuchte. Bei dernahen verwandtschaftlichen Verbindung, in welcher sie mit der neuen Dynastiestand, mochte die königliche Familie allerdings wünschen, daß die Herzogin durchdie Niederlagen ihrer Anhänger gezwungen würde, Frankreich freiwillig zu ver-lassen, und die Gegner der Regierung glaubten oft Anlaß zu haben, die Maßregelnderselben zu verdächtigen. Die damalige Schwäche der Verwaltung, die Hoffnun-gen, welche die Karlisten bei dem bewegten Zustande des Landes beseelten, dieVerbindungen, welche die Herzogin mit ihren bedeutendsten Anhängern in Parisunterhielt, und der Schutz, den sie in der unerschütterlichen Treue ihrer schwärme-MM rijchen Freunde in der Vendee fand, möchten die Erfolglosigkeit der versuchtenrmch Maßregeln hinlänglich erklären. Während das Heer in der Vendee die bewaffne-ck M ren Banden der Chouannerie bekämpfte, wurden die gerichtlichen UntersuchungenWm fortgesetzt. Der königliche Gerichtshof zu Poitiers setzte die Herzogin von B. alslEckdii Haupturheberin der in seinem Sprengel begangenen Verbrechen und gewaltthati-undl» gen Angriffe gegen die bestehende Regierung in Anklagestand, und vor dem Ge-sms ß richtshofe zu Aix wurde sie als Theilnehmerin an dem zu Marseille im Augen-MM« blicke ihrer Landung am 30. Apr. ausgebrochenen Aufstande angeklagt.Ut P Als die Regierung, durch den Sieg in den Juniustagen gestärkt, auch in derVendee kräftigere Maßregeln ergriff, und der General Drouet d'Erlon seit demz Kr B' Aug. das Land durch einzelne Heerhauftn zu unterwerfen ansing, wurde die Chouan-Mrst nerie immer mehr gedrangt und in ihre letzten Zufluchtsörtec verfolgt, wahrendZu gleicher Zeit die Gerichte entschiedener gegen die Empörer verfuhren. Die Her-zogin von B. lebte verborgen in Nantes. DaS neue am 11. Ott. ernannte Ministe-^ Aft- rium verdoppelte seine Anstrengungen, ihre Spur zu entdecken, je näher die Eröss-nung der Kammern rückte, und Thiers fand Beistand in der Verrätherei. Hya-cinth Simon Deutz, ein Jude aus Köln, der 1828 in Rom zum katholischen' 'i Glauben übergegangen war, hatte, von dem Papste Gregor XVI. der Herzogin em-pfohlen, ihr Vertrauen besessen und ihr in schwierigen Aufträgen mit Eifer gedient.^ verrieth am 0. Nov., nachdem er kurz vorher eine Zusammenkunft mit ihr.hDp gehabt hatte, ihren Aufenthalt dem auS Paris nach Nantes gesandten Policei-^mmissair Äoly. Sie wohnte in dem Hause zweier Fraulein Duguigny inGesellschaft ihres ehemaligen Stallmeisters, des Grafen von Menars, des Ad-vocaten Guibourg und ihres Kammerfräuleins Stylie von Kersabiec. Gegen