28 Marie Karoline (Herzogin von Bern)
einflußreichsten Manner der Karlistenpartei in Frankreich bereits Verbindungenmit der Herzogin angeknüpft, und seit Karl X. mit seinen Angehörigen seinenWohnsitz in Holyrood genommen hatte, und die Entwürfe seiner AnHanger entschie-dener geworden waren, bildete sich ein lebhafterer Verkehr. Die Herzogin wurdebald aufgesodert, mit ihrem Sohne im südlichen oder westlichen Frankreich zu er-scheinen, um den Muth der Partei zu beleben. Der König wagte es nicht, diesenkühnen Entwürfen beizustimmen, und die Herzogin von B. fand nur bei der Her-zogin von Anguleme Unterstützung. Glauben wir ihren AnHangern, so ertrug siediesen Zwang ungern, und theilte auch die Ansicht der verständigem AnHanger ihrerPartei, die es für nöthig hielten, dem Herzog von Bordeaux eine bessere Erziehungzu geben, als er unter dem Einflüsse seines Großvaters erhalten konnte. Der Grasvon Bourmont, der mit seinen Söhnen Algier im Sept. 1830 verlassen hatte undüber Spanien nach England gereist war, scheint auf den Entschluß der Herzoginkraftig eingewirkt und Hoffnungen in ihr erweckt zu haben, welche durch mehreKarlisten aus der Vendee befestigt wurden. In Holyrood mögen indeß Plane zurErregung eines Aufstandes in verschiedenen Theilen Frankreichs unter der Fahneder Herzogin von B. als Regentin besprochen und selbst mit der spanischen Negie-rung Verbindungen angeknüpft worden sein, je mehr die Erbitterung der Parteienin Frankreich und die durch vereitelte Erwartungen erzeugte Verstimmung vielerAnHanger der Zuliusrevolution einen günstigen Erfolg zu verbürgen schienen. DiePolitik der englischen Regierung verhinderte zwar Karl X., an der Ausführung jenerEntwürfe offenen Antheil zu nehmen, die Herzogin von B. aber ließ ihren Ent-schluß nicht erschüttern und verließ England im Zun. 1831, wie man behauptet,gegen den Willen ihrer Familie, wiewol die spatern Ereignisse ein Einverständnißeher wahrscheinlich machen möchten. Sie reiste über Holland durch Süddeutsch-land und die Schweiz und lebte einige Zeit in Nizza, wo sie ihre Verbindungenmit dem südlichen Frankreich unterhielt. So lebhast ihre AnHanger drängten, somochten doch die politischen Verhältnisse Europas und die damalige Stimmung inFrankreich die Herzogin bestimmen, ihre Entwürfe aufzuschieben. Über Mailandund Florenz wollte sie nach Neapel reisen, die neapolitanische Regierung aber machtegroße Schwierigkeiten, ihr den Eintritt in das Königreich zu gestatten und schriebstrenge Bedingungen vor, um falschen Gerüchten über den Zweck des Besuchs vor-zubeugen. Die Herzogin kam am 30. Oct. in Rom an, wo sie bis gegen Ende desNov. sehr einfach lebte. Sie empfing Besuche von mehren Cardinälen und römi-schen Großen, und obgleich der Papst ihr keine eigentliche Audienz gab, so traf siedoch am 11. Nov. in den Sälen des vaticanischen Museums mit ihm zusammen,wo er sich in Gegenwart vieler Zeugen freundlich mit ihr unterhielt. Über ihrenspätem Aufenthalt in Italien haben wir noch keine genauen Nachrichten, bis wir siein Massa, im Gebiete des Herzogs von Modena, des erklärten Feindes der neuenfranzösischen Dynastie, finden. Von hier aus ließ sie zu der Zeit als die Cholera inParis wüthete, durch Chateaubriand ein Geschenk von 12,000 Fr. für die Armen an-bieten, dessen Ablehnung durch die französischen Behörden den Karlisten Gelegen-heit gab, die Theilnahme für ihre Heldin zu erhöhen. Am 30. Apr. 1832 er-schien in Ciotat, unweit Marseille, unter sardinischer Flagge das genuesische Dampf-schiff Carlo Alberto, welches am 24. Apr. von Livorno abgesegelt war und die Her- !zogin an der Küste von Via Reggio aufgenommen hatte. Von dem Grafen vonBourmont und einigen Parteihäuptern begleitet, stieg sie ans Land; als aber deram 30. Apr. in Marseille ausgekrochene Aufstand vereitelt worden war, flüchtetesie, während der Carlo Alberto von einem französischen Schisse angehalten undaufgebracht wurde, mit ihren Gefährten durch das südliche Frankreich nach Bor-deaux und erschien alsbald in der Vendee, wo bereits seit 1831 die karliftische Par-tei den Kampf begonnen hatte. Die Herzogin erließ im Namen Heinrich V. als