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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
27
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Marie Karolme (Herzogin von Bern) 27

hen, bei welchem man einige Tage nachher einen ehemaligen Soldaten ertappte.Als der Verhaftete und sein Mitschuldiger das Todesurtheil empfangen hatten, batdie Herzogin um die Begnadigung derselben, welche der König gewährte. Auf ei-nen Traum vertrauend, in welchem ihr der heilige Ludwig erschienen war, hatte siedie Geburt eines Prinzen verkündigt. Ihren Geburtshelfer Deneux bat sie, bei derGefahr einer schweren Entbindung nicht zu vergessen, daß ihr Kind ganz Frankreichangehöre und es auf Kosten ihres eignen Lebens zu retten. In der Nacht zum 29.Sept. 1820 wurde sie in Beisein einer ihrer Kammerfrauen, ehe der Geburtshel-'bl!!,? ^ fer herbeigerufen werden konnte, leicht von einem Sohne entbunden, und als manihr versicherte, daß das Kind ohne Gefahr mit ihr verbunden bleiben könne, verord-nete sie, daß Zeugen herbeigerufen werden sollten, um festzustellen, daß sie das Kindw geboren habe. Der Prinz erhielt die Namen Heinrich Karl Ferdinand Maried' HGn, Dieudonne; der König gab ihm den Titel Herzog von Bordeaux, und von den be-^ das »yy geisterten Royalisten ward er das Wunderkind (ens-mt cke miracle) genannt. Zu""""der Taufe des Prinzen wurde Wasser aus dem Jordan genommen, welches Cha-teaubriand 1806 auf seiner Pilgerreise nach Palastina geschöpft und der Herzoginzu diesem Zwecke überreicht hatte. Bald nach der Geburt des Prinzen erschien inenglischen Zeitungen eine angeblich vom Herzog von Orleans am 30. Sept. 1820ausgestellte Erklärung gegen die Echtheit der Geburt des Herzogs von Bordeaux.Nach der Juliusrevolution wurde diese Verwahrung auch in Frankreich gedruckt,und zudringliche Anhänger der neuen Dynastie suchten durch eine ausführliche Er-zählung der bei der Entbindung der Herzogin vorgekommenen Umstände den wiederaufgeregten Verdacht zu begründen, wogegen die verständigen Freunde LudwigPhilipp's, indem sie die Echtheit jener Erklärung ableugneten, treffend bemerkten,daß der Juliusthron solcher Waffen für seine Rechtmäßigkeit nicht bedürfe. DieHerzogin widmete sich sorgfältig der Erziehung ihrer Kinder, so viel die von demKönig ausgegangenen Anordnungen für den Unterricht derselben, die besondersnach Karl X. Thronbesteigung der Jesuitenpartei vorherrschenden Einfluß gaben,es ihr gestatteten. Fröhlichem Lebensgenuß ergeben, übte sie weniger als ihreSchwägerin, die Herzogin von Angouleme, Einfluß auf die öffentlichen Angele-genheiten und scheint manchen der Volksmeinung verhaßten Schritten der Rück-gängerpartei fremd geblieben zu sein, ja sie soll die verhängnißvollen Maßregeln,welche den Thron untergruben, nicht immer gebilligt haben. Sie erheiterte dasdurch Frömmelei und steife Sitte trübselige Hofleben der letzten Könige vom älternbourbonischen Stamme, und auch in geistiger Bildung nicht vernachlässigt, schloßsie einen fröhlichen Kreis um sich, welchen sie durch die Reize der Kunst verschö-nerte, der sie auch durch die Anlegung einer ausgezeichneten Gemäldesammlungihre Huldigung darbrachte.

Die Juliusrevolution eröffnete einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens. Alssie am 28. Jul. von der Diogenes-Laterne zu Saint-Cloud aus die dreifarbigeFahne auf dem Thurms von Notre Dame wehen sah, wollte sie sogleich nach Pa-ris eilen, um dem Volke ihren Sohn zu zeigen. Der König erlaubte es nicht.Das Kind auf den Armen der Mutter hätte vielleicht den Sturm noch beschwörenkönnen; die Urkunde der Entsagung des Königs und des Dauphins zu Gunsten desHerzogs von Bordeaux ward in das Archiv gelegt. Die Herzogin theilte dasW?e / Schicksal der königlichen Familie und fuhr mit ihr von Cherbourg nach England.. Die Partei der ältern bourbonischen Linie sammelte sich alsbald um das PanierHeinrich V., dessen Recht sie in der Entsagungsurkunde begründet fand, und auf^ Mutter mußten sich um so mehr die Blicke der Parteihäupter richten, da manz wegen ihrer lebenslustigen Beweglichkeit mehr Much und Unternehmungs-

?! zutrauen mochte als den übrigen abgelebten Gliedern des Hauses. Wäh-

^ rcnd die verbannte Familie noch zu Lullworth in Dorsetshire wohnte, hatten die