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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
26
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26 Marie Karolins (Herzsgin von Berri)

Einfluß. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Infant einst die Krone erhalten werde,hielt Viele ab, seine Entfernung zu betreiben, so sehr die Königin und selbst derKönig sie wünschte. Aufstande störten in Madrid und andern Theilen des Landes ^zuweilen die Ruhe, und es wurden bei solchen Vorfällen wie in Spottschriften Ver- ^wünschungen der Frauenregierung laut. Auch mag der Einfluß der Diplomatiemit dem Kampf der Parteien sich verbunden haben, und wahrend der französische ^Gesandte, Graf von Rayneval, die Königin und ihre Plane begünstigte, von an- ! F .dem Seiten in entgegengesetztem Sinne gewirkt worden sein. Es wird in dem Ar- Äsu,tikel Spanien dargestellt werden, wie besonders auch die Frage über die Beru-fung der Cortes, welche die Königin wünschte, um das neue Erbfolgegesetz durch Bdieselben bekräftigt zu sehen, wahrend die Reformfreunde darin eine Bürgschaftbedeutenderer Gewährungen erblickten, die Rathgeber des Königs entzweite, und ^wie endlich im Marz die sogenannte erhaltende Partei den Sieg errang. Nachdem ' -'Ferdinand schon früher die Regierung wieder übernommen hatte, wurde das von ^ 'der Königin eingesetzte Ministerium aufgelöst, und Zea Bermudez kam im Märzan die Spitze der Verwaltung. Die Königin hat seitdem noch mehr von ihrem ^unmittelbaren politischen Einflüsse verloren, wicwol die neuen Machthaber an der SBefestigung der pragmatischen Sanction arbeiten und die Cortes berufen haben, «j»welche der zur Thronerbin erklärten Jnfantin die Huldigung leisten sollen. Die Ab- Bsolutisten scheinen ihre Entwürfe gegen dieselbe wahrend des Königs Lebzeiten aus- Ngegeben zu haben, aber die Zukunft wird zeigen, ob die Entfernung des Infanten isCarlos (April 1833) ein entscheidender Sieg über ihre Partei gewesen ist. A

Marie Karoline, Herzogin von Bern*), die erstgeborene Tochter Wdes Königs Franz von Neapel aus seiner ersten Ehe mit Marie Clementine, Erz- - !Herzogin von Ostreich, ward am 5. Nov. 1798 zu Palermo geboren und erhieltnach dem frühen Tode ihrer Mutter schon 1802 in der zweiten Gemahlin ihresVaters eine Pflegerin, unter deren Augen sie von einer Französin, der Gräsin deLatour erzogen, mit ihren jünger» Schwester aufwuchs, bis sie 1816 mit dem Her-zog von Berri vermählt wurde. Ihre ersten zwei Kinder starben bald nach derGeburt; im Sept. 1819 aber gebar sie abermals eine Tochter, Luise Marie, Ma-demoiselle d'Artois genannt. Als sie am Abend des 13. Febr. 1820 die Oper ver-ließ, empfing ihr Gemahl, der sie an den Wagen begleitet hatte, vor ihren Augenvon Louvel's Dolch die tödliche Wunde. Sie zeigte in diesen schmerzlichen Augen-blicken große Standhaftigkeit und Besonnenheit. Als ihr Gemahl zwei in Eng-land erzeugte außereheliche Töchter zu sehen wünschte, führte sie die Kindervor sein Sterbelager und verhieß ihnen Mutter zu sein, ein Versprechen, dassie treu gehalten hat. Nach dem Tode des Herzogs ließ sie auf ihrem Land-gute zu Rosny einen 1824 vollendeten Pavillon bauen, dessen mittlerer Flü-gel eine Kapelle bildete, wo sie das Herz des Ermordeten beisetzen ließ, währendder eine Flügel des Gebäudes zur Verpflegung dürftiger Kranken, der andere zur Er-ziehung armer Kinder bestimmt wurde. Bald nach dem Tode ihres Gemahls wurdedie Schwangerschaft der Herzogin erklärt. Neue Gefahren schienen ihr zu dro-hen. Im Apr. ward in einer Mitternachtsstunde unter einem Thorwege in derNähe ihrer Wohnung ein Knall wie von einer Kanone gehört, und die Absicht, dieHerzogin gefährlich zu erschrecken, schien aus einem andern Versuche Hervorzuge- ^

*) Ihr vollständiger Name ist Karolme Marie Ferdinande Therese Luise. Nachder verhängnißvollcn Erklärung vom 22. Febr. 183S wurde von den karlistischcn Zei-tungen unter andern schwachen Einwürfen gegen die Echtheit derselben auch ange-führt, die Herzogin sei in ihrem Heirathscontract Karoline Ferdinande genanntworden, aber es ist Thatsache, daß sie sich seitdem in mehren Urkunden MarieKarolme genannt hat, wie denn auch Chateaubriand in seinemU^.moire" sie st