>Sp
Marie Christine (Königin von Spanien)
25
von Asturien gebührenden Ehren zu erweisen befahl, und die er zur Thronerbin er-klärte, wenn seine Ehe nicht durch einen männlichen Erben gesegnet würde. Im Jan.1832 gebar die Königin eine zweite Tochter. Die Ränke der apostolischen Parteifür Don Carlos, der durch das neue Erbfolgegesetz sich und seine Söhne von derThronfolge ausgeschlossen sah, wurden heimlich fortgesponnen, und wie gefährlichihre Anschläge waren, zeigte sich, als der schwächliche König von einer Krankheitbefallen wurde, die einen tödlichen Ausgang drohte. Die Königin bewies ihm indiesem Zustande die sorgfältigste Theilnahme, und während das Interesse ihrerKinder sie wachsam machte, entdeckte sie die geheimen Anschläge, welche eine weit-verzweigte Partei schon lange gegen die Gewalt und vielleicht gegen das Leben desKönigs gemacht hatte. Von ihrer Schwester, der Gemahlin des Infanten Franzde Paula, unterstützt, bemächtigte sie sich mit Geistesgegenwart und Entschlossen-heit der obersten Gewalt, um sie ihrem Gemahl zu erhalten, der in den letzten Zü-gen zu liegen schien, und dessen Tod bereits selbst in der Hauptstadt verkündigtwurde. Sie entlarvte die falschen Freunde des Thrones, umgab sich mit aufge-klarten und treuen Freunden des Vaterlandes, und als der König gegen alle Erwar-tung genas, erfuhr er, wem er seine Rettung verdankte. Während er mit demTode kämpfte, hatte Calomarde ihn zu der Unterschrift einer Verordnung bewogen,die den Bestimmungen der pragmatischen Sanction widerstritt und alsbald vorei-lig verbreitet wurde. Sobald der König sich erholt hatte, verbannte er Calomardevom Hofe und berief am 31. Dec. 1832 eine Versammlung seiner Minister unddes vornehmsten Adels in den Palast, vor welchen er eine Urkunde ausstellte, diejene, ihm auf dem Krankenlager von „unredlichen Menschen" durch „lügenhafte"Vorstellungen über die Volksstimmung abgedrungene Verfügung für nichtig er-klarte. Die Königin hatte nach dem Siege über die Absolutisten ausgezeichneteManner an das Ruder berufen, unter welchen vorzüglich Encima de la Piedra,Cafranga und Del Pino hervorragten, und ehe der zum Minister der auswärti-gen Angelegenheiten ernannte Gesandte in London, Zea Bermudez, angekommenwar, gab sie mehre Verordnungen, die eine neue Morgenröthe über Spanken her-aufzuführen schienen, indem sie vorzüglich die nothwendige Grundlage einer Umwand-lung in Spanien, die Verbesserung des Volksunterrichts, verhießen. Auch das LooSder Verbannten ward erleichtert. Der König erließ am 4. Jan. 1833 ein Schreibenan die Königin, worin er ihr Benehmen während seiner Krankheit dankbar aner-kannte, ihre zum Wohl Spaniens gegebenen Verfügungen bestätigte und ihr biszu seiner gänzlichen Wiederherstellung die Regierung anvertraute. Er befahl, zumAndenken ihrer wohlthätigen Wirksamkeit eine Gedächtnißmünze zu prägen. Sieging, von den Parteien gedrängt, während ihrer Regentschaft über das Ziel hin-aus, das in Spanien bei der jetzigen Lage des Landes erreichbar zu sein scheint,und that genug, sich den unversöhnlichen Haß der Absolutisten zuzuziehen, währendsie nur unter Denjenigen Anhang fand, welche hofften, daß ihre Unterstützung decneuen Erbfolgeordnung durch Reformen werde belohnt werden. Als Zea Bermu-dez aus London angekommen war und an der Leitung der öffentlichen Angelegen-heiten Theil genommen hatte, zeigte sich bald Zwiespalt unter den Ministern undes wurden Rückschritte in dem von dec Königin begünstigten Verbesserungssystemesichtbar. Der König, noch immer mit körperlicher Schwäche kämpfend, und öf-ter» Rückfällen ausgesetzt, blieb nicht frei von den Einflüssen der Parteien, undman bemühte sich nicht ohne Erfolg, ihn zu bewegen, die Leitung dec Verwaltungwieder zu übernehmen. Nach dem gewohnten System der Geheimregierung unddes Hofparteienkampfes hatte er wieder seine Camarilla, in welcher besondersGrijalba Einfluß gewann, und die Camarilla der Königin wirkte ihr entgegen.Der Zwiespalt unter den Machthaber» gab den Anhängern des Infanten Carlosneue Kühnheit, und sie gewannen selbst in den Umgebungen des Königs wieder