24 Marie Christine (Königin von Spanien)
sin Amalie von Leuchtenberg, am 30. Aug. 1829 in Plymouth ein und kam am17. Oct. in Rio Janeiro an. Ihr Vater richtete ihr einen eignen Hofstaat ein,ließ ihr königliche Ehren erweisen, und ihre Würde ward auch von den in Brasilienbefindlichen europaischen Gesandten anerkannt. Durch eine Empörung im Apr.1831 gezwungen, die Krone zu Gunsten seines Sohnes niederzulegen, schiffte sichDon Pedro mit seiner Gemahlin und seiner Tochter ein und ging nach Paris, woDonna Maria, vom französischen Hofe als Königin behandelt, mit ihrer Stief-mutter zurückblieb, als ihr Vater 1832 Frankreich verließ, um ihre Rechte aufportugiesischem Boden mit dem Schwerte zu verfechten. (S. Portugal.)
Marie Christine, Königin von Spanien, ward am 27. Apr. 1806zu Palermo dem damaligen Kronprinzen, nachherigen König Franz I. von Neapel,von seiner zweiten Gemahlin, Maria jJsabella, Tochter Karl IV., Königs vonSpanien, geboren. Schon in ihrerJugend machte sie sich durch Leutseligkeit undgewinnende Anmuth bei dem Volke beliebt und schien, wie ihre altern Schwe-stern, die Herzogin von Berri und die dem Infanten Franz de Paula von Spa-nien seit 1819 vermahlte Luise Karoline, viel von dem Geiste ihrer Großmutter,der östreichischen Karoline, geerbt zu haben. Am Hofe ihres Vaters ging sie beifeierlichen Gelegenheiten an verdienstlosen Begünstigten vorüber, um sich mit ta-lentvollen Männern, die nicht in Gunst standen, freundlich zu unterhalten, undvielseitig gebildet, gab sie in den Kunstsammlungen Neapels, die sie gern besuchte,oft Beweise ihres treffenden Urtheils. Als König Ferdinand von Spanien 1829seine dritte Gemahlin verloren hatte, warb er gleich nach ihrem Tode um MarieChristine, die Tochter seiner Schwester und die Nichte seiner ersten Gemahlin.Im Sept. desselben Jahres verließ sie Neapel in Gesellschaft ihrer Altern, reistedurch Südfrankreich und hielt am 11. Dec. ihren feierlichen Einzug in Madrid.Sie war berufen, einen Thron zu theilen, den oft Stürme umgaben, an der Seiteeines Fürsten, den Parteien absichtlich reizten, fanatische Priester anregten, ver-wegene Höflinge tauschten und Alle zu so unruhigem Argwohn trieben, daß er end-lich fast in allen Unterthanen nur Feinde sah. Die junge Königin wußte ihm eineZärtlichkeit einzuflößen, die ihr einen entscheidenden Einfluß sicherte, welchen sieunter den Ranken der Hofparteien klug zu benutzen verstand. Der Gang der blin-den und grausamen Reaction schien gehemmt zu sein, und wenn auch nicht Ge-rechtigkeit und noch weniger Milde waltete, wenn auch der König durch die bei sei-ner Vermahlung verkündigte Amnestie nur wenige Verbannte zurückrief, so war dochdie Herrschaft des Schreckens gebrochen. Die Freunde des Absolutismus und derInquisition begannen zu fürchten. Als die erste Schwangerschaft derKönigin erklartwar, wurde die pragmatische Sanction bekannt gemacht, welche das von Philipp V.am 10. Sept. 1713 eingeführte, die Frauen vom Throne ausschließende Erbfolge-gesetz aufhob und das alte castilische Erbrecht wiederherstellte. Wie der König inseiner am 29. Marz 1830 unterzeichneten Verordnung sagte, hatte schon Karl IV.auf den Antrag der Cortes 1789 jenes Gesetz gegeben, das aber in den Archivengeheim gehalten worden. Sein Wille siegte über den Widerstand, den er im Staats-rats fand, und nicht weniger als die Liebe zu seiner Gemahlin scheint sein Unmuthüber die Ränke der apostolischen Partei, deren unbescheidene Wünsche seinen BruderCarlos auf den Thron riefen, seinen Entschluß hervorgerufen zu haben, und er hieltihn fest, trotz dem Einsprüche der andern Zweige des bourbonischen Stammes,und namentlich Karl X., der als Haupt der Familie eine solche Veränderungdes Hausgesetzes an seine Zustimmung binden wollte. Die vielfältigen Bewegun-gen, welche die pragmatische Sanction unter den Absolutisten und den Diploma-ten hervorrief, wurden durch die wichtigern Interessen und die nähern Besorgnissegestillt, die nach der Juliusrevolution sich regten. Am 10. Oct. gebar dieKönigin eine Tochter, Marke Jsabelle Luise, welcher der König die einem Prinzen