Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

Ig Maltebrun

bearbeitet. M. besitzt ein ausgezeichnetes mimisches und improvisatorisches Talentfür komische Gegenstände. Als Theaterdirector hat er seinem Posten unter gewißschwierigen Verhaltnissen gewissenhaft vorgestanden, bei den neuen Baueinrich-tungen im frankfurter Theater rächend und leitend Theil genommen, und besondersverdankt ihm die Bühne manche zweckmäßige Einrichtung. (16)

Maltebrun, eigentlich Konrad Matthe Bruun, berühmter Geo-graph, stammte aus einer angesehenen jütländischen Familie und war 1775 ge-boren. Er studirte auf der Universität zu Kopenhagen und gab frühe schon Ge-dichte heraus, die eine feurige Phantasie verriechen. Seine Ode auf die See-schlacht der Danen vor Tripolis wird als eine der guten Dichtungen dieser Art inder dänischen Literatur angesehen. Die Politik, welche durch die französische Re-volution neues Leben gewann, zog ihn bald unwiderstehlich an; er schrieb zu Gun-sten der Freiheit, wovon die aristokratische Partei nichts wissen wollte und welcherauch sein eigner Vater nicht günstig war; seinKatechismus der Aristokraten"(1795), eine heftige Satire auf jene Partei, zog ihm eine gerichtliche Verfolgungzu, und er mußte nach Schweden fliehen, wo er wieder zu dichten begann.

Nach Verlauf von zwei Iahren kam er nach Kopenhagen zurück, das Herz noch vollGroll gegen ungerechte Machthaber. Er schrieb gegen einige willkürliche Hand-lungen der Regierung und mußte nun wieder nach Schweden zurückflüchten; erblieb aber dort nicht lange, sondern begab sich nach Hamburg. Hier oder in Schwe-den soll er zu einer geheimen Gesellschaft, die vereinigten Skandinaven genannt,gehört haben, welche die Vereinigung der drei nordischen Reiche in einen Republi-kenbund befördern wollte. M. hatte einen abenteuerlichen Geist und entwarfstets un-geheure Projecte. Rußland und Schweden sollen sich über diese geheime Gesell-schaft am kopenhagener Hofe beschwert und dieser eine gerichtliche Untersuchung ieingeleitet haben. So viel ist gewiß, daß M. 1800, ein Jahr nach seinerzweiten Flucht, zur ewigen Verbannung verurtheilt wurde, wegen eines Versuches,die monarchische Staatsverfassung umzuändern. Von Hamburg begab er sichnach Frankreich und lebte in Paris anfangs vom Unterrichtgeben. Er schrieb hierEiniges in den Tagesblättern und suchte einen reichen Norweger zur Anlegung einerEolonie auf der Westküste Afrikas zu bewegen. Noch in später» Iahren verfolgteer dieses Project und ließ es Napoleon zustellen. Er begann 1804 mit dem fran- ^zösischen Geographen Mentelle eine große Erdbeschreibung in 16 Bänden, diein drei Jahren vollendet wurde, aber ziemlich unförmlich ist, da mehre Hände darangearbeitet haben. Dennoch war diese die beste und größte Erdbeschreibung, die manin Frankreich hatte. Seit 1806 war er einer der Hauptmitarbeiter an demdamals außerordentlich verbreitetenlonrnal cles clebats"; er besorgte die aus-wärtige Politik, lieferte eine Menge Recenst'onen geographischer und histori-scher Werke, und schrieb außerdem manche kleinere Aufsätze, zum Theil pole-mischen Inhalts, weshalb er mit andern Tageblättern und Schriftstellern oftin Streit gerieth. Dieser Federkrieg war ganz sein Element und hielt ihn be-ständig in Athem. Seine meistens imlournal cles cledsts" zerstreuten Auf-sätze sind nach seinem Tode in drei Banden gesammelt worden. Als 1807Polen wieder eine Rolle in der politischen Welt zu spielen begann, gab er einGemälde Polens" heraus, welches jedoch aus Mangel an Quellen nur dürf-tig ausfallen konnte, später aber von zwei Polen in Paris ganz umgearbeitetworden ist. Seine sehr freie Übersetzung von Barrow's Reise nach Cochinchinaenthält Manches aus eignen literarischen Forschungen. Er begann 1808, unge- Hachtet seiner thätigen Mitwirkung amIvurnal cles clebats", die^nvales cles ^vo^a^es, <le la Aeagrapdie et cls l'ti'rstoire", die er bis 1814 mit der Beihülfe ^anderer Gelehrten fortsetzte; sie enthalten eine Menge Auszüge aus englischen und ^deutschen Reisebeschreibungen und geographischen Werken. M.'s Kritik darin ist ^