Malibran Malsburg
Malibran (Maria), geboren 1809 zu Paris, die Tochter des ausge-zeichneten Tenoristen, des Spaniers Garcia, wurde von ihrem Vater gebildet,mußte aber in ihrer ersten Jugend mit Strenge zur Ausübung der Kunst an-gehalten werden und machte erst in ihrem 13. Jahre erfreuliche Fortschritte.Als sie, 15 Jahre alt, in der Rolle der Rosine im „Barbier von Sevilla'auftrat, erregte sie durch ihren Gesang wie durch ihr Spiel allgemeine Bewunde-rung, und ward alsbald bei der Oper in Paris angestellt. Bald nachher aber gingihr Vater mit seiner ganzen Familie nach Neuyork, wo Maria in mehren Rol-len mit dem glänzendsten Erfolge auftrat, und vorzüglich als Desdemona entzückte.Der reiche Kaufmann Malibran in Neuyork bot ihr seine Hand an, und obgleicher weit alter als sie war, so überwog doch die Rücksicht auf eine unabhängige Lagejede Bedenklichkeit und sie verließ die Bühne. Bald nach ihrer Verhewathungmachte ihr Gatte Bankrott und verlor sein ganzes Vermögen. Man wollte be-haupten, daß er seinen Fall vorausgesehen, und darauf gerechnet habe, durch denErtrag der Talente seiner Frau den Verlust zu ersetzen, den er im Handel erleidenmußte. Sie betrat die Bühne wieder, als aber ihr Gehalt von M.'s Gläubi-gern in Anspruch genommen ward, folgte häuslicher Zwist, der mit einer Tren-nung endigte. Sie kehrte 1827 nach Paris zurück und trat im Jan. 1828 alsSemiramis im italienischen Theater auf. Der Erfolg übertraf ihre frühern Lei-stungen. Sie wurde bald nachher bei jener Bühne mit einem Gehalte von 50,000Francs für die Opernzeit angestellt. Hatte sie als Sängerin in der bewundertenSontag eine Nebenbuhlerin, obgleich ihre Stimme voller, in der Tiefe umfang-reicher und ihr Vortrag begeisterter und großartiger ist, konnten die Erinnerungen,welche die berühmte Fodor zurückgelassen hatte, zu Vergleichungen auffodern, sowar sie doch in ihrem Spiel in jeder Beziehung unübertroffen und nur die gefeiertePasta machte ihr in der heroischen Oper den Sieg streitig. Als Desdemona undRosine feierte sie ihre glänzendsten Triumphe. Nach dem Schlüsse der Opernzeitging sie nach London, wo sie in der Oper und in mehren Concerten sang, und alleErwartungen übertraf, die ihr Ruf erregt hatten. Sie lebt jetzt abwechselnd inParis und London ganz ihrem Beruf, und Musik ist ihre liebste Beschäftigung.Im Besitz gründlicher theoretischer Kenntnisse, hat sie mehre kleine Gesangftückecomponirt, die großen Beifall gefunden haben. So hoch sie als Künstlerin steht,so achtungswürdig hat sie sich stets im Privatleben gezeigt, und selbst die Ver-leumdung nie gewagt sich gegen sie zu erheben.
Malsburg (Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der), wnrd am23. Jdm. 1786 zu Hanau geboren, wo sein Vater, damals kurhessischer Major,in Garnison lag. Bei dem unsteten Garnisonleben des Letztern übernahm seinOheim, welcher als Minister zu Kassel lebte, die Erziehung des Knaben. Späterbesuchte M, das Gymnasium zu Kassel und seit 1802 die Universität Marburg,um sich daselbst, nach dem Wunsche seines Oheims, auf die diplomatische Laufbahnvorzubereiten. Leicht ward es dem begabten Jünglinge von den nächsten Berufs-studien so viel Zeit zu erübrigen, um seiner Neigung zur Poesie, die schon frühmanche zarte Blüte getrieben hatte, mehr als flüchtige Augenblicke zu schenken.Eine Reise, die er nach vollendetem akademischen Cursus in Begleitung seinesOheims nach Paris machte, trug zur Entwicklung seines Kunstsinnes wie zurAusbildung für den ihm bestimmten Beruf bei. Er kehrte 1806 nach Kassel zurückund ward kurz vor der Katastrophe, welche die Selbständigkeit feines Vaterlandesvernichtete, als Assessor in der Regierung angestellt. Sein Talent fand auch unterder neuen Regierung Anerkennung. Er rückte als Auditor in den Staatsrath ein,ward 1808 als Legationssecrctair nach München und 1810 in derselben Eigen-schaft nach Wien gesandt, und kehrte von da erst 1813, nachdem Kurhessen seinemangestammten Fürstenhause wiedergegeben war, nach Kassel zurück. Zwar mußte