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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
11
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Malcolm II

seinem Reservecorps. Als Ichnell aufeinander folgende Drangsale den unglücklichenAusgang der Sache des Vaterlandes verkündigten, bot man M. den Oberbefehlan. Nachdem er diesen Antrag in Bolinow abgelehnt hatte, sah er sich durch dieUmstände gezwungen, ihn wenige Tage vor der Belagerung von Warschau anzu-nehmen, und that es nur in der Absicht, seinem Vaterlande noch ein letztes Opferzu bringen. Wahrend des zweitägigen Sturms kam M. nicht vom Pferde, warimmer mitten im Feuer und entging nur durch ein Wunder dem grausamen Blut-bade. Von Krukowiecki gezwungen, die Capitulation von Warschau zu unterzeich-nen, verlangte er sogleich seinen Abschied, und ließ sich nur durch die dringendenBitten der achtbarsten Vaterlandsfreunde bewegen, das Heer bis Modlin zu führen.Hier legte er den Oberbefehl nieder, und schwur feierlich, das Schicksal des Heersunter allen Umständen zu theklen. Er erfüllte auch diese Verpflichtung mit seinergewöhnlichen Hingebung und ging mit dem Überrest der Tapfern über die preußi-sche Grenze.

Malcolm (Sir John), Generalmajor, ging schon in seinem 14. Jahrenach Indien, wo er sich eine so umfassende Kenntniß der Sprachen und Sit-ten des Landes erwarb und bei mehren Gelegenheiten sich so sehr auszeichnete,daß er nach seinem Eintritte in den öffentlichen Dienst bald zu den wichtigsten Auf-tragen gebraucht wurde. Die britische Regierung in Ostindien, an deren SpitzeLord Wellesley stand, schickte ihn 1800 an den persischen Hof, um ein Bündnißgegen die Afghanen zu unterhandeln, welche für die Perser schon unruhige Nach-barn waren, und den Briten gefährlich zu werden drohten. Der gemeinsame Vor-theil führte die Unterhandlungen zu einem günstigen Erfolg-e, und selbst die vorge-schlagene Ausschließung der Franzosen, mir welchen der König von Persien zu jenerZeit nicht in Verbindung stand, fand keine Schwierigkeiten. Neun Jahr« spaterwarben Franzosen und Engländer gleichzeitig um ein Bündniß mit Persien, und diebritischen Behörden selbst waren Nebenbuhler in der Unterhandlung. Der vomKönig bevollmächtigte Gesandte, Sir Harford Jones, war zwar an die britischeRegierung in Indien gewiesen, aber er handelte im Widerspruche mit den Ansich-ten des Generalgouverneurs Lord Minto, und obgleich es ihm bereits gelungenwar, den Gesandten Napoleon's zu verdrängen, so wurde doch Geneml M. nocheinmal nach Teheran geschickt, um die Leitung der Unterhandlungen über die Voll-ziehung der geschlossenen Übereinkunft in seine Hände zu nehmen. M. benutztediesen zweimaligen Aufenthalt, reichen Sroffzur Geschichte und Staatskunde Per-siens zu sammeln, und sein vielfacher Verkehr mit seinen persischen Begleitern, diedem Gesandten nach der Hofsilte beigegeben waren und deren einige sein besonderesVertrauen genossen, verschaffte ihm Gelegenheit, auch die Denkart und die Sittendes Volkes kennen zu lernen Persien verdankt M.'s Sendung die Einführungder Kartoffeln, die man nach ihm Malcolmspflaumen (Aluh e Malcolm)nennt, und er hält, wie er sagt, den zufälligen Umstand, der seinen Namen einemnützlichen Gewächs gab, für eine feiner sichersten Anwartschaften auf dauerndenRuf. Eine Frucht seiner Forschungen in Persien sind seineHistur? o.f?er8ia"(2 Bde., London 1815, 4., zweite Auflage, 2 Bde., 1828, 8.; deutsch, 2 Bde.,Leipzig 1880) und die anonym erschieneneSLeetebes of?ersiu" (2 Bde., London1827, deutsch von Lindau, 2 Bde., Dresden 1828), ein geistreich und lebendigentworfenes Gemälde der Sitten des Volkes. Wie genau er Indien kannte, hatteer schon früher sowol durch seinSketcü c>5 tke Seiles" (London 1812), eine an-ziehende Schilderung einer merkwürdigen Sekte, als vorzüglich durch seine Schrift:sleeteb ok tke pnliticul kiswr^ ol lnclia" (London 1811), bewiesen, die vonder Zeit anhebt, wo durch Pitt's Bill die ostindische Compagnie der Staatsaufsicht(dem Lottrck ok cuntrol) unterworfen wurde. Sie ist das Handbuch der neuernindischen Diplomatie geworden und nützlich wirksam gewesen. M. hat sie später