Malachowski
von Berri, zum Commandeur der vor den Mauern der Hauptstadt versammeltenTruppen. Ein Ofsiziercorps wollte nun den General als Gefangenen zurückhalten,doch gelang es ihm zu entrinnen. M. begleitete den flüchtigen König nach Belgien,wurde am 7. Apr. seiner Stellen entsetzt, kam dann mit der zweiten Restaurationnach Paris zurück und wurde von Neuem Gouverneur der ersten Militairabthei-lung. Zum Mitglieds des Kriegsraths von Marschall Ney ernannt, war er einerder eifrigsten unter Denen, die sich für incompetent erklarten. Kurz nachher, am10. Jan. 1816, wurde er in seiner Gouverneurstelle durch General Despinois er-seht und erhielt die achte Division zu Marseille. Am 3. Mai desselben Jahresmachte man ihn zum Commandeur des Ludwigsordens; am 31. Aug. 1817, beider neuen Organisation der Pairskammer, wurde,er Marquis, und am 30. Sept.1818 Großkreuz des Ludwigsordens. In der Pairskammer zeigte M., so oftdie Regierung die Nationalfreiheiten antasten wollte, die größte Unabhängigkeit.Nach der Juliusrevolution war er 14 Tage lang Minister des Auswärtigenund erhielt endlich die Botschafterstelle zu Wien, die er bis 1833 bekleidete, wo erals Gesandter nach Petersburg kam. (15)
Malachowski (Kasimir), polnischer General, geboren am 24. Febr.1765 im Palatmat Nowogrod, erhielt seine Bildung in der tresslichen Cadetten-schule zu Warschau, die dem Lande unter Stanislaus August die ausgezeichnetstenMänner lieferte, und trat 1784 als Kanonier in das Artilleriecorps. Er focht1794 schon als Hauptmann an Kosciuszko's Seite und wurde bald nachher Major.Nach der Vernichtung des unglücklichen Polens theilte er das Schicksal der redlich-sten Vaterlandsfreunde in freiwilliger Verbannung und lebte sieben Monate inWien bei dem berühmten Marschall Stanislaus Grafen Malachowski. So langedie ausgewanderten Polen die Hoffnung behielten, ihr Vaterland selbst wieder be-freien zu können, übernahm M. mit Gefahr seiner Freiheit und seines Lebens diewichtigsten Sendungen nach Siebenbürgen und nach Galizien, welche man ihmaustrug; als aber diese Bemühungen shne Erfolg blieben, ging er nach Italienund trat als Bataillonschef in die erste italienisch-polnische Legion. In der Schlachtan der Trebbin 1799 ward er verwundet und gerieth in Gefangenschaft, in welcherer über anderthalb Jahre blieb. Er erhielt 1803 den Befehl über eine Brigade,und als nach dem Feldzuge von 1806 ein Theil Polens wiederhergestellt wurde,ward er Major im ersten Infanterieregiment des Herzogthums Warschau, und indem denkwürdigen Feldzuge gegen Ostreich 1809, den der Fürst Jos. Poniatowski inPolen so ruhmvoll führte, Oberstlieutenant. Im Kriege gegen Rußland zeichneteer sich bei der Einnahme von Smolensk aus, und wurde Brigadegeneral, geriethaber 1813 bei Leipzig in Gefangenschaft. Er kam wieder in sein Vater-land mit dem schmerzlichen Gefühle, daß zwanzigjährige Kämpfe, Großtha-ten und Opfer nur dahin geführt hatten, Polen unter ein neues Joch zu bringen.Nur mit Widerwillen nahm er die Stelle eines Oberbefehlshabers der FestungModlin an, welche Kaiser Alexander ihm anvertraute, und erhielt endlich 1818den Abschied, um welchen er zwei Jahre lang nachsuchen mußte. Er zog sich miteiner sehr geringen Pension zurück, und wollte lieber Entbehrungen ertragen, alsZeuge der Demüthigungen und Beleidigungen sein, welche tapfere, unter den Waf-fen ergraute Krieger von einem rohen Oberbefehlshaber ertragen mußten. Beidem Ausbruche der Revolution war M. ein Landdauer. Die Stimme des Vater-landes schien in ihm die ganze Kraft und Begeisterung seiner Jugend wieder zu er-wecken. Man übergab ihm den Befehl über eine aus dem sechsten und zweitenLinienregiment bestehende Brigade, an deren Spitze er in dem Kampfe bei Grochowneuen Ruhm gewann. Zum Divisionsgeneral erhoben, sah er sich ohne Murrenunter die Befehle des neuen Oberfeldherrn Skrzynecki gestellt, der einst m seinemRegiment als Hauptmann gedient hatte, und begleitete ihn auf allen Zügen mit