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8 Maguusen
Vater, Laugmand (Gerichtsbeamter) daselbst, rettete mit genauer Noth dendreijährigen Sohn aus den Ruinen des durch ein heftiges Erdbeben zusammen-stürzenden HauseS. Von seinem Oheim, dem Bischof Hans Finsen, in denSchulwissenschaften unterrichtet, verließ M. 1798 Island, um in Kopenhagenseine Studien zu vollenden. Er ging 1803 nach dem Vaterlande zurück, und wähltedie Laufbahn eines Advocaten; zugleich ward er Bevollmächtigter des Land-undStadtvogts in Reikiavig, die Hauptstadt Islands. Wahrend Jörgen Jörgensen,ein zu den Engländem übergelaufener dänischer Matrose, sich 1809 die höchste Ge-walt in Island anmaßte, suchte er vergebens M., sowie mehre Beamte, durchVersprechungen und Drohungen aufsein? Seite zu locken, und entsetzte ihn seinesAmts. Jörgensen's Macht dauerte aber nur anderthalb Monate, denn der Usurpatorwurde von den Englandern selbst (Aug. 1809) weggejagt und die Administrationden dänischen Beamten wieder überlassen. *) M. hielt 1812 sich einige Zeit inEdinburg auf, wo er, schon als isländischer Alterthumsforscher bekannt, bei Ia-mieson, dem Übersetzer und Ausleger verschiedener altdänischen Lieder, sowie beimehren Gelehrten freundliche Aufnahme fand. Er reiste in demselben Jahre nachKopenhagen, wo er seine gelehrten Studien fortsetzte, wurde 1815 zum Professorernannt und hielt öffentliche Vorlesungen an der Universität, sowie in der Kunst-akademie, über die älteste Literatur und Mythologie des Nordens. Seine frühernSchriften und seine zahlreichen in Zeitschriften zerstreuten Abhandlungen über Ge-genstände der isländischen und altnordischen Literatur übergehen wir hier. Von1818 an nahm er bedeutenden Antheil an der großen, auf Kosten des Arnämag-naanischen Legats erschienenen, mit lateinischer Übersetzung und Glossarien versehe-nen Ausgabe der Samundischen oder altern Edda, und lieferte selbst eine vollstän-dige dänische Übersetzung derselben, nebst Einleitungen und Erläuterungen (4 Bde.,Kopenhagen 1821—23). M.'s in der Kunstakademie gehaltene Vorlesungenerschienen 1820 unter dem Titel: „Bidrag til nordisk Archäologie" (Beiträge zurnordischen Archäologie), und wurden durch Professor Liliegren ins Schwedischeübersetzt (Stockholm 1820); auch veranlaßren sie in Deutschland einen Streitüber den Werth der nordischen Mythologie und die Anwendung derselben in denschönen Künsten. Diese Streitigkeiten gaben Anlaß zu verschiedenen von einerGesellschaft von Gelehrten und Kunstliebhabern ausgesetzten Preisen für Zeichnun-gen von Gegenständen jener Mythologie, welche die Maler Lund und Koop undder Bildhauer Freund, ein Schüler Thorwaldsen's, gewannen. M.'s Werk:„Eddalaeren og dens Oprindelse" (Die Eddalehre und der Ursprung derselben)erschien 1826 in vier Bänden, eine ausführlichere Bearbeitung der von der däni-schen Gesellschaft der Wissenschaften gekrönten Preisschrist des Verfassers, die eineVergleichung der Religionen der alten Skandinavier und der indisch-persischen Na-tionen, sowie eine Entwickelung der Verwandtschaft dieser Religionen enthält.
Jörgen Jörgensen kam, während des Kriegs zwischen England und Dane-mark, mit einem armirten englischen Handelsschiffe nach Reikiavig in Island, be-mächtigte sich, durch die ganz eignen Örtlichkeiten der Insel begünstigt, der ganzunbewaffneten Stadt, plünderte die öffentlichen Kassen und fremdes Eigenthum,und ließ Proklamationen ergehen, worin er sich „Wir Jörgen Jörgensen, Beschützerder ganzen Insel und Höchstcommandirender zu Lande und zu Wasser", auch bis-weilen „K (König) Jörgen Jörgenscn" nannte. Er schuf sich eine Leibwache von6 — 8 Personen, die aus losem Gesindel und Verbrechern bestand. Alle Verbrechersetzte er in Freiheit, und gab jedem darüber einen Schein, worin die Drohung hin-zugefügt war: „daß, wenn er sich aufs Neue verginge, er seine Strafe doppelt leidensollte". Nach seiner Verjagung aus Island lebte Jörgensen in London sehr arm,und soll 18Z4 als Verbrecher nach Botanybay transportirt worden sein. Im In-nern der Insel war eine Verschwörung gegen ihn im Ausbruch, als er sichentfernte.