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mer so heftige und oft ungerechte Vorwürfe zugezogen hat, so laßt sich nicht leug-nen, daß er sehr oft, sowol in der Sache selbst als in der Form, gefehlt hat. Bei denVerhandlungen über die Justizconflicte, die so zarter Natur sind und mitdenwesent-lichenGrundprincipien desStaats in so naher Berührung stehen, sah man mit Über-raschung, daß er gegen seine frühern Schritte, gegen den klaren Sinn des Grund-gesetzes, gegen seine eignen entscheidenden Berichte und gegen den volkthümlichenGeist der Hollander, aber den entgegengesetzten Ansichten anderer Minister und derEntscheidung des Königs nachgebend, den Hollandern eine auslandische Theorieaufdringen wollte, und durch die Verordnungen, die er spater erließ, wie durch dieDeclamationen, womit er sie vertheidigte, das Tyrannische und Willkürliche die-ser Theorie noch überbot. Die Verordnung über den Gebrauch der hollandischenSprache, durch welche ganz unnöthigerweise so viel Erbitterung erweckt und dieeine wahre Zwietrachtsfackel wurde, war sein Werk, und in seinem Ministerialde-partement wurde durch eine herbe Vollziehung derselben die Strenge der Maßregelverdoppelt und die Zwietracht vermehrt. Über die Erklärung des Königs vomII.Dec. 1829 in Beziehung auf die Verantwortlichkeit der Minister sind zwardie Meinungen getheilt, und man würde sie gewiß zu strenge beurthcilen, wennman sie blos nach ihren Folgen richten wollte; aber sie enthalt Lehren über die Le-gitimität und das göttliche Herrscherrecht, die zu allen Zeiten in Holland unbe-kannt waren, und die man, wenn es auch nicht eine ausgemachte Sache wäre, M.zuschreiben würde, da er der einzige Minister war, der sie laut und unumwundenausgesprochen hat, so wenig man sie nach seinen früher dargelegten Grundsätzengrade von ihm erwarten konnte, über dessen Lippen nie dasjenige Jrrthumsge-ständniß gekommen, das allein den für einen wahrhaft ausgezeichneten Mannanständigen Widerruf rechtfertigen zu können scheint. Wenn ein Heller und schar-fer Geistesblick, umfassende und zu einem Ganzen verbundene Kenntnisse, eineausgezeichnete Beredtsamkeit, durch ein edles Äußere unterstützt, ein unbescholte-nes Privatleben und häusliche Tugenden Achtung gebieten und manche gehässigeBeschuldigungen und widersinnige Verleumdungen zum Schweigen bringen, soverurtheilt dagegen die öffentliche Meinung einen Mann, der Grundsätze undAnsichten mit der Herrschaft des Tages wechselte, und sie ist um so strenger, wo wiebei M. ein schroffes, stolzes und hochfahrendes Benehmen festere Grundsätze undeinen ernstern Charakter anzukündigen scheinen. M.'s Zurü Berufung in dasMinisterium nach dem Ausbruche des belgischen Aufstandes wurde zwar in Hol-land fast allgemein gebilligt, aber keineswegs aus Zuneigung oder Achtung gegenihn, sondern aus Unmuth gegen die Factionsmänner, aus Nationalstolz, ausinstinktmäßigem gesunden Verstände. Der höchst nachteilige Einfluß, den derMinister, vielleicht unwillkürlich, auf die geschmeidigen richterlichen Beamten inBelgien ausübte, hatte sich übrigens gleich zu Anfange an der ruhigen und wür-digen Haltung der Beamten in Holland gebrochen, wo die Wahl des Ministersfür die Gerichtshöfe fast gleichgültig ist. Sein Einfluß auf die Politik der Regie-rung hat sich bedeutend vermindert, da die übrigen Minister, die seit den letztenJahren mit ihm im Cabinet sind, gleichfalls darauf einwirken. (74)
Maaßen, preußischer geheimer Staats- und Finanzminister, wurde 1770zu Kleve geboren, und nachdem er sich durch gründliche Umversitätsstudien vorge-bildet hatte, trat er als Referendar in die juristische Laufbahn, wo er zum Rathausrückte, bis er zum Director der zweiten Abtheilung der Regierung zu Potsdamernannt wurde. Als in den ersten Friedensjahren die Berathungen über die neueEinrichtung der indirecten Steuern begannen, wurde M. zur Theilnahme an den-selben nach Berlin berufen, nachdem seine schriftlichen Gutachten über diesen Ge-genstand die Aufmerksamkeit der höchsten Behörden auf ihn gerichtet hatten. Erwurde eins der wirksamsten Mitglieder jenes berathenden Ausschusses und hatte
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