1L6
Einsichten der heutigen gebildeten Welt in sichschließt oder doch ausgebildet hat,) schon eine be-stimmte und allgemein gültige Grundlage erhalten.Diesen Charakter soll der Gesetzgeber nicht verletzen:— er schreibt kein Sittengesetz, und die höchstenVorschriften des Sittengesctzcs zum Zwangsrechteerheben wollen, wäre ein unglücklicher Versuch, dieMenschen zu ihrem Ideale herauf zu schrauben;aber dennoch soll das positive Gesetz die Sitten-gesetze so hoch hinauf verfolgen, wie die schon wirk-lich vorhandene oder doch möglicher Weise herbei-zuführende moralische Erhebung des Volkes es nurimmer gestattet, und nur da darf es sie verlassen,wo überhaupt der Zwang nicht mehr förderlich fürdie Ordnung und Glückseligkeit der Gesellschaft,und somit auch, gegenüber dem natürlichen An-sprüche des Individuums auf Freiheit, nicht mehrgerechtfertigt erscheint; — wo auch schon die Rück-sichten der Klugheit zur Verhütung größerer UebelNachsicht mit den Schwachen der menschlichen Naturerfordern. Ter gewaltigste der Naturtriebe, derden Mann zum Weibe hinreißt, und das Weib anden Mann fesselt, der unter der Leitung der Ver-nunft zur ersten Quelle alles Heiles der Menschheitwird, er ist auch durch die Lenkung weiser Anord-nungen des Privatrechts das umfassendste und nim-mer sich erschöpfende Mittel zur Förderung deshöchsten Ziels der Staatsgescllschaftcn, so wie um-gekehrt eine verkehrte Gesetzgebung in Beziehungauf das eheliche Verhältniß die Völker dcmoralisi-ren und die Staaten selbst zum allmähligen Unter-gange hinführen muß.