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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
947
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Lubienski 947

tm aus. Noch vor dem Frieden zu Tilsit zum Escadronchef des Chevauxlegersregl-ments der kaiserlichen Garde ernannt, kam er zur großen Armee und begab sich mitdem Corps des Prinzen Murat nach Spanien. Hier bot sich ihm bald vielfältigeGelegenheit dar, seinen Much zu bewähren. In dem Treffen bei Somosierra,wo die letzten Batterien des Engpasses erobert, und die feindlichen Haufen bißBuyterago zurückgeworfen wurden, drang er beim Kundschaften bis dicht an dieVorposten der Guerillas, und nur durch Unerschrockenheit und seltene Geistesge-genwart sein Leben rettend, vollzog er den Auftrag zu allgemeiner Zufriedenheit.Mit ebenso großer Auszeichnung führte er wahrend des Feldzugs von 1809mehre Streifcorps an, und 181s zum Obersten ernannt, errichtete er daszweite Weichselregiment, welches nachmals das achte leichte Reiterregiment bildete.Als Befehlshaber dieses letztern, dessen Soldaten er nurseine Brüder" zu nen-nen pflegte, machte er die Feldzüge von 1812 und 1813 mit. Nachdem er 1814zum Brigadegeneral war ernannt worden, kehrteer, wie die meisten seiner Lands-leute, die nach Napoleons Stur; nicht mehr auf französischem Boden dienen woll-ten, in sein Vaterland zurück, wo er bis 1816 eine Cavaleriebrigade befehligte.Er wollte nicht unter des Großfürsten Konstantin Obercommando dienen, zog sichin das Privatleben zurück und suchte von nun an seinem Vaterlande als Abgeord-neter am Reichstage durch Wort und That nützlich zu werden. Rechtlichkeit undmanche ernstkräftige Rede gaben keinem Zweifel an seiner Vaterlandsliebe Raum.Zwei Tage der Prüfung sollten erst noch kommen. Der erste erschien mit der Mor-genröthe des 30. Nov. 1830; der zweite mit dem 7. Sept. des folgenden Jahres.Während der ganzen Zeit des blutigen Kampfes für seines Vaterlandes Recht undUnabhängigkeit steht er als Mann von Ehre da. Nach der Einnahme von War-schau aber und besonders seit der unbegreiflichen Danksagungsreise nach Peters-burg hat der Glanz seines'Ruhmes sich verdunkelt. In den ersten Tagen desAufstandes wurde ihm die Stelle eines Vizepräsidenten der Municipal- und Poli-zeibehörde übertragen, in welchem gewiß nicht leichten Amte er in der Person deswirklichen Vorstandes, des allgemein beliebten Wengrczecki, eine Stütze fand. Alsder Feldzug gegen die herannahenden Russen seiner Erfahrung und taktischenKenntnisse bedurfte, legte er den Oberbefehl der warschauer Heersmacht in die Händedes würdigen Anton Ostrowski, der seine Familienehre bis in die Verbannung reinerhielt. Er war stets einer der Ersten sowol im Kriegsrath als in der Schlacht.Deshalb ward ihm in der letzten Zeit des Kampfes die Leitung des Generalstabs an-vertraut. Doch wird ihm der Vorwurf gemacht, daß er mit einer zu kleinen ScharDiebitsch bei Nur abgewartet habe, statt sich eiligst auf die Hauptarmee zurückzu-ziehen. Nur der Löwenmuth seiner Soldaten, von welchen besonders die Sensen-männer reiche Ernte hatten, rettete ihn von gänzlicher Vernichtung. Er soll da-mals, laut Prondzynski's Berichte, den Kopf ganz verloren und die Leitung seinesCorps dem Obersten Jastrzembski anvertraut haben. Auch Pac tadelt sein Beneh-men bei Ostrolenka:General L. hat sich so ungeschickt zurückgezogen, daß sechsRegimenter seiner Reiterei ohne Befehl und Ordnung bei der Stadt ankamen.Hatte das vierzehnte Regiment unter Gajewski nicht so wacker Widerstand gelei-stet, so wäre er verloren gewesen." Was aber das Mißtrauen seiner Kampfgenos-sen vollends rechtfertigte, war der Umstand, daß er sich nach dem tragischen Ende-seines Vaterlandes und selbst nach dem Amnestie-Ukas vom 2. Nov. 1831 derDeputation der 20 Polen anschloß, welche am 13. Mai 1832 in Petersburg demKaiser Nikolaus im Namen ihrer Landsleute eine Dankadresse überreichten fürdie bewiesene Milde und Gnade. Der General L. hat noch vier Brüder, vondenen Graf Peter zu Anfang Dec. 1830 die Sichcrheitsgarde befehligte, bevorAnt. Ostrowski das Commando der Nationalgarde übernahm; Heinrich, Di--rectvr der Nationalbank; Joseph, Gutsbesitzer; Thaddäus, Geistlicher. (8)

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