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Lamennais
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len ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrecht erhält, und verschiedene Lehren, verschie-dene Arten von Gottesdienst duldet, ist gotteslästerlich, und begeht ein Verbrechen;und eben weil die Staaten jetzt mehre Lehren dulden, sinkt die menschliche Gesell-schaft in den Abgrund und wird atheistisch. Soll also alles Übel aus der bürger-lichen Gesellschaft verschwinden, so muß sie zuerst wieder zu der einzigen Glaubens-lehre zurückgeführt werden, wovon sie ausgegangen ist; der Papst muß wieder einunumschränkter Gebieter der menschlichen Vernunft werden. Eben weil diese abge-schmackten Grundsätze mit großer Beredsamkeit vorgetragen wurden, erregten sieso vieles Aufsehen in Frankreich. Es wurde heftig wider dieselben geschrieben; inden Tageblattern behandelte man den ultramontanischen Theologen sehr herbe. Eraber ließ sich durch nichts abschrecken, seine Grundsätze nebst allen ihren Folgerun-gen noch in Zeitschriften, als „De cooservateur" und „De cketenseur", weiter aus-einanderzusetzen. So schrieb er im „Drapeau blaue", die Jugend sei jetzt vonGrund aus verdorben und man laste sie in den öffentlichen Erziehungshäuserngotteslästerliche Handlungen begehen. Er führte sogar ein Beispiel davon an.Abbe Frayssinous, der damals an der Spitze des Unterrichtswesens stand, nahmdie Anklage übel auf. L. wurde wegen seines Aufsatzes gerichtlich verfolgt; je-doch hielt man sich nur an den Herausgeber des Blattes und legte diesem eineGeldbuße und vierzehntägigen Haft auf. Drei Jahre nachher, als L. in einerFlugschrift: „De in reli^ion consüleree chm; ses rapports uvec I'orckre politi-gne et civil" f1826), die Declaration von 1685, wodurch die Freiheiten der gallica-nischen Kirche bestimmt wurden, und die von der bourbonischen Regierung beinaheals Staatsgesttz angenommen worden war, heftig angriff, und zwar als der Kirche,ja sogar dem Christenthum zuwider, wurde er persönlich vor Gericht gefodert; hier gaber die Erklärung, er sei und bleibe dem Oberhaupte der Kirche unverbrüchlich zuge-than, dessen Lehre sei die seinige und er werde sie bis zum letzten Hauche vertheidigen.Die Richter behandelten ihn mit vieler Schonung, und sogar in dem Urtheils-spruche, welcher die Unterdrückung der Schrift und eine Geldbuße von 3V Francsaussprach, wurde seines „ehrwürdigen Charakters" Erwähnung gethan. In derZwischenzeit dieser beiden Proteste war er nach Rom gegangen, und hier hatte na-türlich der geschickte und warme Vertheidiger der päpstlichen Macht die beste Aus-nahme gefunden. Es heißt, der Papst habe ihm den Cardinalshut angetragen,L. denselben aber ausgeschlagen, sowie er auch ein Bisthum in Frankreich soll ab-gelehnt haben. Er zog sich nun in die Einsamkeit zurück und wohnte auf demDorfe La Chesnaie bei Dinan in Bretagne, da er durch die Treulosigkeit einesvermeintlichen Freundes einen beträchtlichen Theil seines Vermögens verlorenhatte. Als die neue Revolution im Jul. 1830 die bürgerlichen und kirchlichenVerhältnisse in Frankreich anders gestaltet hatte, ward auch L wieder rege; er kamnach Paris und begann mit einen andern Geistlichen, Namens Lacordaire, undeinem Herrn von Montalembert, Sohn eines Pairs, ein politisches Tageblatt,„D'avenir", worin er, von der neuen Constitution ausgehend, die keine Staats-religion mehr anerkannte, die Lehre ausstellte und durchführte, die katholische Geist-lichkeit müsse nunmehr vom Staate ganz unabhängig sein und bleiben, keinen Ge-halt, keine Unterstützung, aber auch keine Befehle von ihm annehmen und seineEinmischung in ihre Angelegenheiten nicht dulden. Die Kirche sollte arm sein,aber dafür auch frei und unabhängig; im Grunde wollte er aber sagen, sie solltekünftig der weltlichen Macht ganz entzogen und der geistlichen in Rom in allenStücken unterworfen sein. Diese Lehre ward aber von der übrigen Geistlichkeitnicht gebilligt: es wurde sogar gegen L. nach Rom geschrieben, und der Papst, web6m suhlen mochte, daß in den damaligen Umstanden der unüberlegte Eifer desstanzösffchen Priesters ihm Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten zuziehen könnte,l'eß ihm seine Unzufriedenheit merken. L. gab 1831 sein Tageblatt auf, mit der
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