798 Küstner
Sache unter den Mitgliedern seiner Bühne zu erhalten und zu befestigen, und durchEinführung einer der vorzüglichsten Pensionsanstalten den dienstunfähigen Künst-lern seiner Gesellschaft eine auch jetzt noch erfreuliche Aussicht zu gewahren. Beimehren Besuchen des sachsischen Hofes in Leipzig hatte K. der ehrendsten Aus-zeichnung sich zu erfreuen, und wurde auch später von dem regierenden Königezum Hosrathe ernannt. Es erregte, zumal bei Berücksichtigung der oben erwähn-ten Verdienste K.'s, allgemeines Bedauern, als er in Folge eines von demStadtrath abgeschlagenen Erlasses am Miethzinse zu Ostern 1828 die Di-rektion des Theaters zu Leipzig ausgab. Über diese Anstalt selbst legte er in kl-einer eignen Schrift: „Rückblick auf das leipziger Stadttheater" (Leipzig 1831),dem Publicum Rechenschaft ab. Man findet darin nicht nur die von Blümnerbegonnene „Geschichte des leipziger Theaters" (Leipzig 1818), bis auf die neuemZeiten fortgesetzt, sondern auch viele für Theaterdirectoren und Freunde der thea-tralischen Kunst in finanzieller und artistischer Hinsicht schätzbare Bemerkungen,Ersahrungen und Winke. Die Vorzüge seiner Leitung hat die Erfahrung wie dieFolgezeit noch mehr ins Licht gestellt. Das königliche Theater, das aus seine Un-ternehmung folgte, hatte bei großen- Mitteln und geringem Lasten einen bedeu-tendem Ausgabeetat, konnte aber dessenungeachtet nicht in demselben Gradedie Theilnahme des Publicums erwecken. Die jährliche Einnahme sank von68,000 Thalern, so viel sie im Durchschnitt unter K. betragen hatte, auf 50,000Thaler herab, sodaß das Hoftheater nach kaum dreijähriger Dauer, wegen all-zu großer Zuschüsse aus königlichen Cassen, wieder aufgegeben werden mußte.Ein K. gemachter Antrag, das Hoftheater in Dresden für eigne Rechnung,jedoch mit königlichem Zuschuß zu übernehmen, kam vorzüglich aus dem Grun-de nicht zu Stande, weil er in dem sekr kleinen dresdner Schauspielhause einesolche Unternehmung für unausführbar hielt. Als er spater fast gleichzeitig dmAntrag, die Leitung des Nationaltheaters zu Frankfurt a. M. zu übernehmen, undeinen Ruf an das Hoftheater zu Darmstadt erhielt, nahm er den letztern anund wurde 1830 unter dem Titel eines geheimen Hofraths Intendant jenerBühne. Das zu dieser Zeit unter die Ägide der Großherzogin und K.'s Mitlei-tung gestellte, nach dem Tode des Großherzogs neu errichtete Hofthcater erfreutesich zwar bei weit geringem Mitteln einer größern Einnahme als das früher zuDarmstadt bestandene Hofoperntheater, und zeichnete sich durch ein in artistischerHinsicht vorzügliches und reiches Repertoir aus (s. „Tagebuch des großyerzoglichmHoftheaters", Darmstadt 1832), mußte jedoch, in Folge des früher bestanden, nallzu großen Etats, welcher an 300,000 Gukden betragen hatte, der aus dieserZeit sich herschreibenden Menge von Pensionen, die auf der Civilliste lasteten, undin Folge neuerer nöthig gewordenen großen Einschränkungen nach einem Jahregeschlossen werden. Dies bewirkte spater, daß K., obgleich auch nach der Auslö-sung des Theaters noch in großhcrzoglichen Diensten, bei der Ungewißheit, ein neuesHoftheater daselbst errichtet zu sehen, 1833 einem ebenso ehrenvollen als vorteil-haften Rufe folgte, die Hoftheaterintendanz zu München zu übernehmen, die eram 1. März antrat.