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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
702
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702 Kierberg

spüren, allem bei Stürmen erhebt sie sich in ihrer Mitte 1 bis 2 Fuß. Das Ge-sammtgewicht der Brücke beträgt ungefähr 12,800 Centner. Von diesem Riesen-bau hat der ausführende Baumeister, W. A. Prodis, 1828 eine treffliche Be-schreibung gegeben. Dies sind die bedeutendsten jetzt existirenden Kettenbrücken,die übrigens in England schon sehr allgemein geworden sind. Die zu Paris zwi-schen dem Jnvalidenhause und den eliseischen Feldern befindliche, ist nach demPlane der Hammersmithbrücke erbaut und außerdem findet man in Frankreichmehre. Auch in Deutschland hat man seit einigen Jahren mehre erbaut, z, B.zu Bamberg über die Regnitz, zu Malapane über das Flüßchcn gleiches Namens,zu Wien über die Donau. Die Donaubrücke besteht aus Stahl, ist nur für Fuß-gänger eingerichtet und 303 Fuß lang. Jeder darüber pasfircnde Fußganger em-pfindet Schwingungen, die bei Stürmen fußhoch werden; woraus erhellt, war-um der Stahl nicht recht brauchbar zu Kettenbrücken ist. Die sogleich nach ihrerEröffnung verunglückte Hängebrücke über die Saale bei Nienburg wich von allenübrigen ab, hatte in der Mitte zwei Klappen, damit die Schiffe mit Masten un-gehindert durchgehen konnten, und die Ketten bestanden aus steifen Radien oderschrägen Suspensorien. Der Erbauer, Baurath Bandhauer zu Kothen, warbloßer Empiriker, sonst würde er nicht auf den Einfall gerathen sein, ein so mis-liches System in Ausführung zu bringen. Auch die Drahtbrücken, wovon mehrevon den Brüdern Seguin in Frankreich erbaut wurden, haben den Erwartungennicht entsprochen; die Brücke zu Vienne unweit Lyon über die Rhone besteht auszwei Bögen, deren zeder 270 Fuß Spannung hat. Die Brückenbahn hangt zujeder Seite an 6 neben einander liegenden Spannketten und hat demnach 12 solcherKetten, von denen jede aus 160 in einem Bündel vereinigten Drähten besteht.Man sehe Gerstner's „Handbuch der Mechanik" (erster Band, Prag 1831), Na-vier's „Rapport et mämoire Zur Ie8 poots suspenckns" (Paris 1823, deutschvon Dietlein, Berlin 1825, 4.), Seguin, „Des ponts en LI <!e 5er" (Paris1826); Dewry, „0u suspsusion brickges" (London 1832) und „Verhandlungendes Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen". (4L)

Keverberg (Karl Ludwig Wilhelm Joseph, Baron von), stammt auseiner Familie, die sich zur Zeit der Reformation im ehemaligen Bisthum Lüttichund im angrenzenden preußischen Geldern angesiedelt hatte; sein Vater bekleidete30 Jahre hindurch mit Auszeichnung eine Stelle in der höchsten Verwaltungs-behörde der Provinz Geldern. K. ward am 13. März 1768 zu Aldengern im ehe-maligen Bisthum Lüttich geboren, und verließ, 11 Jahre alt, das vaterliche Haus,um seine Studien in dem Gymnasium zu Bonn zu beginnen. Nachdem er dannauf der dortigen neu erblühten Universität ftudirt hatte, ging er nach Frankfurt ander Oder, wo er in vertraute Verbindung mit Ebel, Oelsner, den Brüdern Hum-boldt und dem nachmaligen Minister Grafen von Dohna kam. Er widmete sichauf beiden Universitäten eifrig der Rechtswissenschaft, besonders aber auch der Phi-losophie, die stets einen mächtigen Reiz für ihn behielt. Nach seiner Heimkehrnahm er seinen Platz unter den geldrischen Standen und bereitete sich zum Eintrittin das Verwaltungssach, als die Revolution und der Krieg seinen Plan durchkreuz-ten. Sem Vaterland wurde Frankreich einverleibt. So lange diese Vereinigungbloß durch das Eroberungsrecht begründet war, lehnte er jeden Antrag zu einemöffentlichen Amte ab, wiewol er darum nicht weniger eine vielfältige und oft nütz-liche Thätigkeit für das Wohl seines Vaterlandes zeigte. Kaum aber war die neueOrdnung der Dinge durch Verträge befestigt, als er sich willig dem öffentlichenDienste widmete. Nachdem er einige Jahre Gemeindevorftand in seinem Wohn-orte gewesen war, ernannte ihn Napoleon, der günstige Berichte über ihn erhalte!»hatte, und bei seiner Anwesenheit in den Rheindcpartements 1804 Aufschlüsseüber verwickelte Fragen der örtlichen Verwaltung von ihm empfing, aus eigner