Heinroth
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dem gegen diejenigen fürstlichen Beamten aus, deren Wirkungskreis ihn unange-nehm berührt hatte. Wahrend der Fürst von Neuß-Schleiz seinen Geheimrathnach Gera sandte, war der Fürst von Ebersdorf gerade selber anwesend, und suchtedurch Ermahnungen und Verheißungen den Aufstand zu stillen. Die aufgeregteMasse wurde durch die Zugestandnisse, die in der ersten Bestürzung ihr gegebenwurden, ermuthizt. Die Entfernung der Beamten, gegen welche der Unmuthsich gerichtet hatte, ward ohne Untersuchung zugestanden, gegen die Urheber desAufstandes aber nicht eingeschritten. Einige Tage nach dem Aufstande wurde einausführlicher Auszug aus den Steuerrechnungen bekannt gemacht, nach welchemdie Verwaltung der Landescassen so günstige Ergebnisse gehabt hatte, daß ein gro-ßer Theil der Kriegsschulden getilgt war. Wie an andern Orten wurden nun auchin Gera veraltete Bannrechte und Jnnungsansprüche wieder geltend gemacht, undmit so glücklichem Erfolge, daß man selbst den Tagelöhnern eine Art von Zunft-recht bewilligte. Die Stadtverfassung wurde nach den Foderungen der Wortfüh-rer verändert, aber das Ergebniß hat den Erwartungen wenig entsprochen, undder Grundsatz der Trennung der Justiz von der Administration besteht nur demNamen nach. DieGährung war durch alle Zugestandnisse so wenig gestillt worden,daß im Marz 1831 ein neuer Aufstand ausbrach. Man zog die gesammte reussi-sche Kriegsmacht von 740 Mann in Gera zusammen und bat den König von Preu-ßen um Beistand, der darauf auch Soldaten an die Grenze rücken ließ. So wurdedie drohende Bewegung unterdrückt, die Aufregung aber nicht beruhigt.
Heinroth (Johann Christian Friedrich August), Hofrath und Professorder psychischen Heilkunde an der Universität Leipzig, wurde den 17. Jan. 1773 zuLeipzig geboren, wo sein Vater, ein wackerer, freigesinnter Mann, Militairchicurgwar, und der religiöse Sinn der frommen Mutter sich schon früh dem Gemüthe desKnaben tief einprägte. Doch ebenso früh entwickelte derselbe einen lebendigen,gegen alle Beschrankung ankämpfenden Sinn und eine Neigung, mehr die Ein-bildungskraft als den Verstand zu beschäftigen. Während ihm jede mechanischeThätigkeit verhaßt war, mochte der sechsjährige Knabe lieber malen, reimen, Mär-chen lesen und — predigen, als seine Schularbeiten besorgen. Vom neunten bisachtzehnten Jahre besuchte er die Nicolaischule, wo aber erst in den höhern Classenein Trieb zu wissenschaftlicher Thätigkeit, besonders zu philosophisch-religiöser Spe-kulation, in ihm rege wurde. Als Beleg hierzu kann ein damals verfaßter Aufsatz„De nitülo" dienen, in welchem er apagogisch das Dasein Gottes zu beweisensuchte, und als ein Zeichen seiner Neigung zur Theologie der sreigewählte Stoffseiner Abschiedsrede gelten: „Hun meute Heus Llium suum in munckum miserit.".Doch ergriff er auf der Universität, welche er 1791 bezog, nicht, wie man erwartenkonnte, das Studium der Theologie, sondern der Medicin, zu welcher er sich be-stimmtglaubte, weil auch sein Vater Arzt gewesen war. Daß H. seinen Beruf ver-kannte, hat die Folgezeit gelehrt, welche erst spät den Zwiespalt zwischen seinemärztlichen Thun und Treiben und seiner religiös-philosophischen Richtung aus-glich. Diese Richtung trat während der Universitätszeit, von welcher die Jahre1796 — 1801 in praktisch ärztlicher Thätigkeit unter Leitung des wackern I)r.Schirmer, und im vertrautesten Umgange mit August Apel und Adolf Müllnerdahinschwanden, in den Hintergrund; sie wurde aber, eigenthümlich genug, durchFichte's „Wissenschaftslehre" wieder geweckt und H. machtig angeregt, sich derTheologie zuzuwenden. Dieser Entschluß kam jedoch nicht zur Ausführung, zu-mal da H. durch den vr. Kapp in Leipzig Gelegenheit erhielt, einen kranken russi-schen Grafen als Reisearzt nach Italien zu begleiten. Erinnerungen an ein dortverlebtes Jahr hat er im ersten Bande (Leipzig 1818) seiner unter dem Namen Treu-mund Wellentreter herausgegebenen „Gesammelten Blätter" aufbewahrt. Nachdem in Rom erfolgten Tode seines Patienten begab sich H. nach Wien und hörte