Heinrich I^XXII. (Fürst Reuß zu Lobenstcin und Ebersdorf) 397
1785, Sohn des Fürsten Heinrich XI.II. zu Reuß-Schleiz und dessen GemahlinKaroline Henriette, Tochter des verstorbenen Fürsten zu Hohenlohe-Kirchberg, kam1818 nach seines Vaters Tode zur Regierung des Fürstenthums Schleiz und zurMitregierung des Fürstenthums Gera. Er wurde mit seinem jüngern BruderHeinrich I.XVII. (geboren am 20. Ott. 1789) von dem jetzigen Superintenden-ten Oeder in Schleiz unterrichtet, und besuchte, in Begleitung des durch mehrehistorische Schriften bekannten Friedrich Majer, 1804 — 6 die UniversitätenWürzburg und Erlangen. Er kehrte kurz vor dem Ausbruche des Kriegs nachSchleiz zurück, das bald alle Drangsale großer Heereszüge empfinden mußte, welcheder Fürst mit der ihm eignen Hcrzensgüte so viel möglich zu erleichtern suchte. Nachdem Frieden ward er mit seinem Bruder, der die preußischen Kriegsdienste verlas-sen hatte, nach Dresden geschickt, wo beide bis 1809 blieben. Nach dem Antritteseiner Regierung wurde besonders für die Verbesserung des Schulwesens, durchErhöhung der Schullehrerbesoldungcn, durch Stiftung von Schulcassen, durchUnterstützung der Gemeinden bei der Wiederherstellung oder Erbauung von Schul-hausern, wohlthätig gewirkt, wiewol die neue Einrichtung des Lyceums zu Schleiz,als einer nur nothdürftig zur Universität vorbereitenden Gelehrtenschule, man-chen Tadel erfuhr, da durch die gut eingerichtete gemeinschaftliche Landcs-schule (Rutheneum) zu Gera für das Bedürfnis des kleinen Landes hinlänglich ge-sorgt war. Die Einrichtung, daß einige Zöglinge des Lyceums, welche Schulleh-rer werden wollen, von gewissen Lettionen dispensirt sind und dagegen in einigen,für Schullehrer nöthigen Kenntnissen nothdürftigcn Unterricht erhalten, hat man un-eigentlich die Gründung eines Schullehrerseminariums genannt. Die Verbesserungder nach Schleiz führenden tresslichen Kunststraßen und die Verschönerung der Umge-bungen der Stadt verdankt man der persönlichen Einwirkung des Fürsten. Mit ver-ständiger Sparsamkeit hat er ein sehr gut eingeübtes Musikcorps geschaffen, das zuseinemHofstaat gehört und, nach der von ihm verordneten Aufhebung des altenStadt-pfeiferprivilegiums in Schleiz, bei allen Feierlichkeiten im Fürstenthum die Mu-sik besorgt, was auf die Verbesserung des musikalischen Geschmacks günstig einge-wirkt hat. Au den neuern, von dem Fürsten gegründeten Einrichtungen gehörtdas Leichenhaus in Schleiz, welches aber, da der Gebrauch desselben dem freienWillen überlassen ist und in jener Gegend des Voigtlands noch viel Aberglaubeund Vorurtheil herrscht, nur wenig benutzt wird. Der Fürst ist unvermählt. Seineinziger Bruder, Heinrich 1.XVI1., der eigentlich in Gera, jetzt in Koburg lebt, seit18W mit Sophie Adelheid Henriette, Prinzessin von Reuß-Ebersdorf, vermählt,hat jetzt zwei Söhne, Heinrich V., geboren 1821, und Heinrich XIV., geboren18i!2, auf welchen die Erhaltung des regierenden reussischen Stammes ruht.
Heinrich I.XX1I., Fürst Reuß zu Lobenstein und Ebersdorf, am 27.Mar; 1797 im Schlosse zu Eoersdorf geboren, war der einzige Sohn des FürstenHeinrich 1.1. Reuß zu Ebersdorf und dessen Gemahlin, Luise Henriette, Tochter desReichsgrafen Gotthold Adolf von Hoym, der ansehnliche Güter in Sachsen besaß.Er erhielt unter den Augen seiner Ältern, die sich auch häusig in Dresden aushiel-ten, den ersten Unterricht, bis er 1816 nach Bern ging, wo er mit den politischenAnsichten Karl Ludwigs von Haller, wie sie in der „Restauration der Staats-wissenschaft" dargelegt werden, und die ihn ansprachen, bekannt wurde. Dar-aus besuchte er Göttingen und lebte 1818—19 in Dresden, wo er von einigenGeschäftsmännern Privatunterricht erhielt. Er folgte seinem Vater 1822 in der Re-gierung und machte im folgenden Jahre eine Reise nach England, wohin er, nach-dem er die Wintermonate des Jahres 1824 in Paris zugebracht hatte, zum zweitenMale ging, um auch Schottland und Irland zu besuchen. Er war wieder in Frank-reich, als der Tod seines Vetters, des Fürsten Reuß zu Lobenstein, am 7. Mai 1824,seinem Gebiete einen neuen Zuwachs gab. Durch eine, schon am 14. jenes Monats
/