Griechenland '273
sal ihre Rechte sichern und ihre Ansprüche befriedigen würde. So stand es umHydra, als der Präsident die Auslieferung des Polyzo'ides verlangte, der damalsbereits mit der größten Freimüthigkeit die Gebrechen und Schwachen der Negie-rung aufgedeckt, und die Beschwerden und Wünsche der Nation ausgesprochenhatte. Beabsichtigte der Präsident, ganz von Mitteln entblößt, Hydra mit Ge-walt zur Unterwürfigkeit zu zwingen, bei seinem Erscheinen vor der Insel imMärz, die Hydrioten auf friedlichem Wege seinem Willen unterthan zu machen,so ward dieser Plan schon dadurch gänzlich vereitelt, daß ihm die Primaten, alser sie auffoderte mit ihm am Bord des russischen Fahrzeugs, auf dem er sich be-fand, zu unterhandeln, geradezu erklärten, sie könnten in einer auf einem frem-den Schiffe befindlichen Person durchaus nicht den Präsidenten von Griechenlandanerkennen, am wenigsten aber mit ihr daselbst in Unterhandlungen treten. DieCommunicationen, welche hierauf Kapodistrias dennoch anknüpfte, hatten, au-ßer der berührten Weigerung in Bezug auf die Auslieferung des Polyzo'ides,die Übergabe einer förmlichen Reclamation von Seiten der provisorischen Commis-sion zur Folge, worin im Namen der Nation die Aufhebung aller Beschlüsse dervom Präsidenten, nicht vom Volke, gewählten Nationalversammlung (zu Ar-gos), eine Constitution, die Preßfreiheit und die Prüfung der Staatsrechnungenals die ersten Bedingungen jeder Ausgleichung festgestellt wurden. Hiermit eilteKapodistrias nach Nauplia zurück, wo die bei Vorlage jener Foderungen demSenate abgenöthigte Erklärung, Griechenland sei zur Preßfreiheit noch nicht reif,den Weg zur Aussöhnung mit Hydra für immer verschloß. Später soll Kapodi-strias zwar den Hydrioten eine Nationalversammlung zu Argos versprochen haben,aber nur unter der Bedingung, daß sie die Herausgabe des „Apollon" auf ihrerInsel nicht mehr dulden sollten, ein Vorschlag, den man um so weniger annehmenkonnte, da man die Nationalversammlung nicht in Argos, sondern auf einer derInseln Hydra, Spezzia oder Ägina gehalten wissen wollte, weil man sie hier wenig-stens dem unmittelbaren Einflüsse des Präsidenten einigermaßen zu entziehen hoffte.Unterdessen nahm Hydra, wie an Entschlossenheit, so auch an äußerer Macht zu.Sämmtliche Schiffe der Hydrioten und Spezzioten, welche sich damals bereits imHafen von Syra befanden, um die jährliche Fahrt nach Konstantinopel und insschwarze Meer anzutreten, kehrten nach ihrer Heimath zurück, als der Zwiespaltder Inseln mit der Regierung jene ernste Wendung genommen hatte. Denn auchandere Inseln hatten ihre Beschwerden und Wünsche mit denen der Hydrioten ver-eint und den Eparchen der Negierung den fernern Zutritt versagt, sowie dennüberhaupt Hydra bald in ganz Griechenland als der Herd der Opposition, der Zu-fluchtsort der Verbannten und die Freistatt der Verfolgten betrachtet und gefeiertwurde.
Gleichzeitig hatten sich jedoch auch in mehren Theilen des Festlandes Bewe-gungen gezeigt, welche, so verschieden sie auch ihrem Ursprünge nach sein moch-ten, in Erscheinung und Zweck mit denen auf Hydra sehr viel Verwandtschaft hat-ten. Der Bergcanton Maina, merkwürdig durch eine aus hohem Alterthumegerettete Selbständigkeit und Nationalität seiner Bewohner, und jetzt in vielerBeziehung der Insel Hydra ähnlich, verdient hier zuerst unsere Aufmerksamkeit.Es ist hier nicht der Ort, den Ursachen jener Privatfeindschaft weiter nachzufor-schen, welche schon seit 1828 den Präsidenten Kapodistrias und seinen Anhangin ein gespanntes Verhältnis zu dem ehemaligen Mainotenbey PietroMauro-michalis (s. d.) und seiner Familie versetzt hatte, und ebenso wenig gehörtes zu unserm Zwecke, hier zu ermitteln, in welcher Verbindung die feindlichenAbsichten der Letztern mit den Unruhen standen, die bereits im Dec. 1830von der Provinz Maina aus sich den benachbarten Gegenden mitgethcilt hat-ten, und einen allgemeinen Ausstand der südlichen und westlichen Morea ge-^onv. Lex. ärmsten Aeit und Literatur. II. 18