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Griechenland
einer angemessenen Geldsumme ins Lager eilte, um wenigstens den ungestümstenFoderungen Genüge zu leisten. Daß die Mittel des Staatsschatzes, welcher dochauch noch von andern Seiten sehr in Anspruch genommen wurde, auf die Dauermit dem Armeebedarf überhaupt in keinem Verhaltnisse standen, ergibt sich zur Ge-nüge aus den Summen des monatlichen Unterhaltes des Heeres, wie wir sie ausglaubwürdigen Angaben damaliger Zeit kennen. Der monatliche Sold für die12 Chiliarchien der irregulairen Truppen betrug 645,000 türkische Piaster; einefast gleiche Summe erfodcrte der Zuschuß für Verpflegung, Transporte, Verwal-tungskosten u. f. w., sodaß die jährlichen Ausgaben für das Landheer allein aufmehr als 15 Millionen Piaster berechnet werden mußten, wahrend die nothdürstigeErhaltung der Marine auch einen Aufwand von mehr als 2 Millionen Piaster ver-ursachte. Das Budget für diese beiden Zweige der Verwaltung betrug daher al-lein wenigstens 17 Millionen, eine Summe, welche die gesammten Staatsein-künfte, nach einer überschläglichen Berechnung, bereits um eine Million überstiegund, mit Rücksicht auf die übrigen ebenso dringenden Staatsausgaben, ein Deficitvon beinahe 15 Millionen veranlaßt haben würde. Es wird daher leichc begreif-lich, daß Soldzahlungen fast nur als letztes Mittel zu augenblicklicher Hülfe in höch-ster Noth und zwar nur theilweise angewendet werden konnten. Wahrend esz. B. etwas spater, im November, Augustin Kapodistrias gelang, die Truppen inWestgriechenland durch eine dreimonatliche Soldzahlung für die neue Organist-tion, bei welcher, außer einer bessern Disciplin, auch Ersparnisse beabsichtigt wm-den, zu gewinnen, drangen mehre hundert Palliaren aus andern Theilen des Fest-landes mit dem Verlangen in Morca ein, man solle ihnen einen Theil der Korm-thenernte von Nationalgütern, welche sehr reichlich ausgefallen war (allein in demBezirke von Sparta soll sie der Regierung 65,000 spanische Thaler eingebrachthaben), als Entschädigung überlassen. Je weniger man dergleichen Federungenentsprechen konnte und wollte, desto schwieriger und gefährlicher wurde die Stim-mung des Heeres. In den ersten Tagen des Decembers machte ein Ausruhr aufSalamis, wo sich, nach der Auflösung der Slandlager in Ostgriechenland, ei»Corps Rumelioten, gegen 3000 Mann stark, unter Grisiottis, Vasso, Hadschi Gu-stos und andern unlenksamen Führern gesammelt hatte, die persönliche Gegenwartdes Präsidenten nöthig. Sein Erscheinen, noch mehr aber sein Versprechen, denrückständigen Sold baldmöglichst auszuzahlen, beschwor auch dieses Mal denSturm, ehe er zum Orkan wurde. Bei einem zweiten Besuche des Präsidentenzu Ambelaki, im Januar 1830, welcher die Berichtigung des Soldes bis zu Endedes Septembers 1829 zum Zwecke hatte, versprachen dagegen die Truppen, mitAusnahme einiger völlig unbeugsamen Pallikarenchcfs, sich sogar dem Willen derRegierung in Bezug auf die neue Organisation zu fügen, der zufolge sie in sechs Ba-taillons zu 400 Mann vertheilt werden sollten, um nur zunächst eine bessere Über-sicht für Disciplin und Geldzahlung zu gewinnen. Dabei ergab sich freilich einUberschuß von etwa 1500 Mann, welche den ebenso organisirten aber durch De-sertion sehr geschwächten Truppen in Westgriechenland einverleibt werden sollten.Allein noch ehe dieses bewerkstelligt werden konnte, entfloh ein großer Theil dersel-ben nach den Negroponte gegenüber liegenden Gebirgen, und begann, zur Plagedes Landes und zum Ärger der dort noch stationirten türkischen Grenzwachen,das Klephtenhandwerk in alter Weise. Schon dieses Beispiel bewies genugsam,welche Übeln Folgen es haben müsse, wenn der, der Regierung wenigstens zuge-schriebene Plan, sich durch Entlassung eines großen Theiles der irregulairen Trup-pen dieser Staatslast zu entledigen, wirklich zur Ausführung gebracht werden sollte.Ueberdies konnten sie auch in der That noch nicht leicht entbehrt werden, da siemit zur Besetzung der Festungen in Morea verwendet werden mußten, welche diefranzösischen Truppen, mit Zurücklassung eines Theiles des Artillerie- und Genie-