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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
233
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Griechenland 233

selbe Zeit über sch'ckte die Kaiserin Mutter von Nußland der Regierung ein Ge-schenk von 200,000 Silberrubeln, und der Kaiser selbst ließ der Nationalbank2,000,000 Francs als Darlehn zu fünf Procent Zinsen anweisen. Auch wurdenvon beiden Seiten wegen der gewünschten Anleihe genügende Zusicherungen gege-ben, und überhaupt gewannen seit dieser Zeit die Verhaltnisse Griechenlands zuden vermittelnden Großmachten jene langst vermißte Bestimmtheit, welche der Präsi-dent selbst als die sicherste Grundlage der innern Vewaltung betrachtete. Mit Frank-reich im Einverstandnisse schickten einige Monate spater auch England und Rußlanddiplomatische Agenten an die griechische Regierung (Dawkins und Graf Bulgari),wahrend die endliche Ausgleichung der griechischen Angelegenheit die Cabinete wie-der lebhafter als je beschäftigte.

Die Räumung Moreas von Seiten Ibrahim Paschas war dabei natürlichdie erste Bedingung jeder weitern Unterhandlung. Admiral Codrington hattewahrend seines Aufenthalts in den Gewässern von Navarin bereits am 28. Maian Ibrahim Pascha eine Aussoderung erlassen, worin er ihm den Entschluß derMachte erklarte, auf der Ausführung des londoner Tractats zu bestehen, und zu-gleich die Mittel anbot, die Halbinsel zu räumen. Ibrahim soll hierauf zwar feineBereitwilligkeit in einer Unterredung mit Kapodistrias im Julius zu Navarin zuerkennen gegeben haben; allein ungeachtet seiner in vieler Beziehung mislichenLage mußte er sich dem um diese Zeit von der Pforte im Zorn über Rußlandsfeindliche Bewegungen erlassenen Ferman fügen, welcher allen Paschas, und ihmvor allen, die strengste Weisung gab, ihre Posten unter jeder Bedingung mit dergrößten Beharrlichkeit zu behaupten. Bei einer Zusammenkunft des Grafen Ka-podistrias mit den Viceadmiralen Codrington und Heyden auf Zante war mandann übereingekommen, daß wenigstens eine ernstliche Demonstration, zu welcherbereits Frankreich willig die Hand geboten hatte, nöthig sein würde, um Ibrahimzum Abzug zu bewegen. Obgleich daher Kapodistrias bei seiner Ankunft in Grie-chenland erklärt hatte, er hoffe den griechischen Boden ohne fremde Hülfe von Fein-den zu befreien, so machte er doch im August, nachdem bereits Admiral Codringtonam 0. dieses Monats mit Mohammed Ali Pascha einen förmlichen Vertrag überdie Räumung Moreas abgeschlossen hatte, in einem Rundschreiben an das Pan-hellenion, an die außerordentlichen Commissaire der Provinzen und die Befehls-haber der Truppen eine officiclle Mittheilung über die Annäherung eines französi-schen Hülfscorps, dessen Zweck sei, die Räumung von Morea zu beschleunigen.

Wir erinnern hier bloß an die Expedition der Franzosen nach Morea, um aufden Einfluß aufmerksam zu machen, den sie in ihren Folgen auf die diplomatischenVerhandlungen über Griechenlands Schicksal und auf die innere Verwaltung desLandes unter dem Grafen Kapodistrias hatte. Nach der Räumung der Halbinselstellten die drei Mächte bereits durch einen Vertrag vom 10. Nov. 1828 Moreaund die cykladischen Inseln unter ihre provisorische Garantie, und ungeachtet derhartnäckigen Verweigerung jeder Theilnahrm an friedlicher Ausgleichung von Sei-ten des Sultans, wurden die nördlichen Grenzen des neugriechischen Staatesnach Beseitigung einiger streitigen Punkte durch das Protokoll vom 22. März1829 bis zu den Meerbusen von Acta und Volo ausgedehnt. Der Tagsbefchlwegen der Rückkehr der Franzosen aus Morea war bereits am 28. December desvorigen Jahres erlassen worden; doch entsprach es nur den Wünschen des Präsi-denten, als ihm zu Ende des März Marschall Maison die officielle Mittheilungmachte, daß bis auf weitere Ordre, welche von dem Gange der Unterhandlungenmit der Pforte und den Fortschritten in der Organisation der von Feinden befreitenHalbinsel abhängen würde, ein Beobachtungscorps von 5000 Mann in Moreableiben sollte. Je mehr sich aber in allen diesen Bestimmungen der feste Wille derGroßmachte kund that, den neugriechischen Staat gegen die Pforte sicherzustellen,