Göttingcn im Jahre 1831
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dieser allein gepflegt werden müsse, litt immerfort unter mancherlei Beschränkungenund Hemmungen der Freiheit. Das Lehns- und Meierwescn bestand fortwahrend inseiner ganzen Strenge — ward doch sogar die wahrend der westfälischen Periode auf-gehobene, in einigen Provinzen des Landes früher noch bestandene Leibeigenschast, diesogenannte Eigenhörigkeit, von der wiederhergestellten hanöverischen Regierung eben-falls wiederhergestellt! Noch ungleich mehr aber als der Ackerbau klagte die In-dustrie der Städte. Immer mehr litt dieselbe, je mehr die freie Concurrenz desenglischen Handels ohne alle Rücksicht wiederhergestellt ward, je mehr zugleich dasimmer mehr um sich greifende preußische Zollsystem der hanöverischen GewcrbS-indusirie tiefe Wunden schlug.
Auch die Stadt Göttingen, wkewol allerdings auf den ersten Blick eine deram meisten begünstigten, hatte nichtsdestoweniger noch manche besondere Be-schwerden. Abgesehen davon, daß selbst der Flor der Universität, der jedoch schonwieder iin Sinken begriffen war, bei den bestehenden Verordnungen über das Cre-ditwesen und bei der auch unter den Studirenden zunehmenden Armuth einen mehrscheinbaren als reellen Wohlstand unter der Bürgerclasse verbreitete, war es haupt-sächlich die mangelhafte Administration der stadtischen Angelegenheiten, welcheunter einer zahlreichen Classe laute Unzufriedenheit erregt hatte; namentlich wardüber die Unfähigkeit, sowie über das unpassende Betragen einzelner obrigkeitlicherPersonen bitter geklagt; wiederholt waren unter Anderm an den König gerichtetePetitionen von der Obrigkeit unbefugterweise unterdrückt worden; eine neue städ-tische Verfassung aber, welch? bereits seit mehren Jahren versprochen, und mitderen Ausarbeitung der Landesökonomierath Lueder zu Weende beaustragt war, er-folgte nicht. Trotz allen diesen Veranlassungen zur Unzufriedenheit aber möchtedennoch wol schwerlich ein Ausbruch erfolgt sein, wenn nicht auch unter einemTheile der Studirenden diese Stimmung Anhalt gefunden hätte. Der in Deutsch-land wiedecerwachte Geist hatte auch unter den Studirenden in Göttingcn Ein-gang gefunden, um so leichter, als die Studentenverbindungen — und nament-lich wurde dies auch von der sogenannten Burschenschaft behauptet — zu keinerZeit gänzlich aufgehört hatten, und es ihnen gelungen war, die Aufmerksamkeitder akademischen Behörden wiederholt zu täuschen. Ein an sich wenig bedeutenderVorfall, eine Streitigkeit, veranlaßt durch die übertriebene Ccnsurstrenge desakademischen Censors gegen eine kleine Schrift eines angehenden Privatdocenten,ward die nächste zufällige Veranlassung, daß die bereits früher auch unter denStudirenden bestandene Unzufriedenheit einen bestimmtem Charakter annahm undvor Allem eine engere Verbindung mit dem unzufriedenen Theile der Bürgerschaftherbeiführte.
Wol aber möchte man fragen, wie es möglich gewesen, daß der Ausbruchso unmerklich und insgeheim habe vorbereitet werden können, daß davon durchausnichts zur Kunde der Behörden gekommen sei. Es liegt diese Frage allerdings sehrnahe, und beinah unbegreiflich möchte die Antwort lauten, daß allerdings hinrei-chende Anzeichen und Warnungen erfolgten, man dieselben aber entweder gänzlichaußer Acht gelassen oder doch nicht der gehörigen Aufmerksamkeit Werth gehaltenhabe. Und doch war dem so. Nicht nur wußte man, daß verschiedene junge Doc-toren und Studirende, sowie auch Bürger, geheime Zusammenkünfte hielten, esward auch ein wegen ungebührlichen, aufcührischen Betragens zu Kassel verhafte-ter Student von andern Studirenden mit Gewalt aus dem Carcer befreit, ohnedaß deshalb ein? weitere Untersuchung stattgefunden. Vergeblich wurde bei derSchwäche der Besatzung, welche, größtentheils beurlaubt, nicht über 80 MannZahlte, auf die Errichtung einer Bürgergardc bei den Behörden von einzelnenwohlgesinnten Männern angetragen. *) Diese Anzeichen wurden entweder gänz-
ch Wenn in der Schrift: „Der Aufstand im K5n'g>, eiche Hanovcr im Jahre 1561"