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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
139
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Gefangnißwesen 139

nicht allein über das ganze britische Reich, sondern auch durch zahlreiche Reisendeüber die gebildete Welt verbreitete, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf den bis-her ganz vernachlässigten, so wichtigen Zweig der Gefängnißkunde, die Gefangniß-baukunst, richtete und, ihre eignen Erfahrungen benutzend, immer weiter fortschritt.Sie empfahl 1819 durch eine der zahlreichen, von ihr neben ihren Jahresberichtenbekannt gemachten Schriften den im genter Gefangnisse und seitdem mit gerin-gen Abweichungen in allen folgenden verbesserten Gefangnissen befolgten Kreis-plan, und ging 1829 zu dem, durch den Baumeister George Ainslie erdachten, beiweitem vorzüglichem Stralenplane über. Dieser seitdem durch zahllose Abbil-dungen, Beschreibungen und Empfehlungen der Gesellschaft (s. die Abbildung des-selben und des Kreisplanes in derGefangnißkunde"), sowie durch viele, nach dem-selben erbaute Gefangnisse in den drei Königreichen und durch das in Genf errich-tete Besserungshaus bekannt gewordene Plan vereinigt unstreitig auf eine, durchkeinen andern erreichbarere Weise die sechs Haupterfodernisse eines guten Gefäng-nisses. Diese sind: 1) Die Sicherheit oder Sorge für die Aufbewahrung undUnschädlichmachung der Sträflinge. 2) Gesundheit, oder die Sorge für die Lufl-erneuerung, Bekleidung, Ernährung, Reinlichkeit, Bewegung, insoweit selbige zurErhaltung der Gesundheit nothwendig ist, und Krankenfürsocge. Z) Beaufsich-tigung oder Überschauung, welche der in einem mehrseitigen Mittelgebäude woh-nende Vorsteher von dort aus sowol über die gleich Stralen von demselben ausge-henden Gebäude der Gefangenenclassen, zwischen welchen und dem Mittelgebäudeein Abstand von 15 29 Fuß ist, als auch über die zwischen diesen Stralenelassenweise abgetheilten Spazierhöfe der Gefangenen unaufhörlich ausübt. 4)Elassenabtheilung, nicht allein nach den Geschlechtern, sondern auch nach dem Al-ter, der Erstmaligkeit oder Wiederholung des Verbrechens, der Art desselben undder Aufführung. Außer diesen Abtheilungen und einer nach Zeller's Vorschlag ein-zuführenden Beobachtungs-, Bewähr- und einer Vorbereitungs- oder Besserungs-classe, ist es unmöglich, allgemeine Grundsätze in dieser Hinsicht festzusetzen, und dasBesondere muß daher dem Gesängnißvorsteher überlassen werden. 5) Arbeit und Be-schäftigung, zur Verhütung des Müssi'ggangs sowie zur Verminderung der Erhal-tungskosten, und zur Befähigung des Gefangenen, durch den Überverdienst, dersich nach den Fortschritten in der Besserung und in der Stufenfolge der Classenerhöht, einen Sparpfennig für die Zeit nach der Entlassung zurückzulegen. 6) Un-terricht, und zwar auf doppelte Weise, sowol religiös-sittlich, als Grundlage derBesserung und Rettung des der Gerechtigkeit verfallenen Sträflings, als auch ge-werblich, zur Erwerbung der Kenntniß eines ehrlichen Unterhaltsmittcls für denGefangenen nach seiner einstigen Entlassung aus dem Gefängnisse.

Nächst diesen sechs Haupterfodernissen, welche sich am leichtesten durch dieBefolgung des Stralenplans erreichen lassen, der in Großbritannien in den Ge-fängnissen und Besserungshäusern zu Flock, Knutsford, Glasgow, Carlisle, New-castle, Huntingdon, Leicester, jetzt auch in Westminstcr und zu Derby in Ir-land in mehren Grafschaftsgefängnissen, auf dem festen Lande aber bisher erst indem einzigen Besserungshause zu Genf befolgt worden ist, müssen aber noch zurBegründung eines wahrhaften Besserungssystems der Verbrecher, welches sich mitder Vollstreckung der verdienten Strafe wohl vereinigen läßt, folgende Bedingungensorgfältig ins Auge gefaßt werden: 1) Die Einsamkeit beim Eintritt in das Ge-fängniß für alle Sträflinge, und für die schlimmem und verderbtem zu verschiede-nen, durch das Jahr vertheilten Zeitpunkten, sowie gleich nach dem Gottesdiensteam Sonntage auf kurze Zeit und bald vor der Entlassung aus der Anstalt, alsmachtiges Beförderungsmittel der Einkehr in sich selbst, der Lostrennung von denäußern Gegenständen und der Bekämpfung der Schlangenwindungen des Lastersdurch die Stimme des Gewissens. Verschieden ist diese Einsamkeit aber von der,