Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

Gauchos

^ Männern Deutschlands dem Gedanken an ahnliche Vereine lebhaften Eingang.

In Dresden entstand eine Gartenbaugesellschaft unter dem NamenFlora" 1828;^ ^ ein Verein für Blumistik und Gartenbau bildete sich in Weimar 1829; ein thü-^ Sitz, ringer Gartenbauverein zu Dietendorf in demselben Jahre; ein ahnliä)er zu Braun-schweig 183 l. Die praktische Gartenbaugesellschaft zu Frauendorf in Baiern, ei-Ä ^ ner der ältesten Vereine in Deutschland, wirkt zugleich durch die von ihr seit 1823^ herausgegebeneAllgemeine deutsche Gartenzeitung" für die Beförderung des Gar-tenbaus in seinem ganzen Umfange. Sehr ins Große gehend war die Stmiete ck'kor-ticultiire angelegt, die 1827 in Paris entstand, und obgleich 1828 aus ihrem Schoosteine 8<>cietti ü'ngronomie pratiggm hervorging, die sich nicht in ganz freundlicher Ge-sinnung von ihr trennte, so beweist sie doch durch die^nnu!es cke j'lmrticultnre",daß etwas mehr als ein Name beabsichtigt war. Ihren Eifer rege zu erhalten, tragtbesonders der Baron Soulange Bodin bei, der Stifter eines am 14. Mai 1829begründeten Garteninsiituts zu Fromont (im Departement Seine und Oise) undeines wahrhaft kolossalen Weltbandelsgartens; denn dort werden alle seltenen nord-amerikanischen Gewächse in waldartigen Massen sgezogen. Azaleen, Eamelien,Rhododendren, Kalmien, Magnolien, Daphnen werden mit kaum glaublicherSchnelligkeit und Leichtigkeit ins Unendliche vermehrt, und nur so ist die Wohl-fcilheit erreichbar, welche den Absatz nach allen Richtungen sichert. Von Karl X.zu einem Rnzml institut imrticnle erhoben, sah es ruhigerer Entwickelung entge-gen; doch haben dieXnnules «le 1'mstitut lmrticolt: üe ?romont" noch keineAnzeichen vom Rückgange desselben gegeben. Fast alle deutschen Gartenbauver-eine verbinden mit ihren Jahresfesten Blumen - und Fruchtausstellungen, nachdem Beispiele Hollands, das, ohne gerade Vereine zu besitzen, seine Blumistenlangst durch solche Feste Florens und Pomonens entzückten. Die schönsten inDeutschland möchten in Wien sein, wo die Blumenliebhaberei der Magnaten sichdurch die schönsten Exemplare zu überbieten sucht. Einen gleichmäßigen Eifer hatman in Verlin noch nicht erregen können. In Paris, wo bis dorthin derNarcd^-mx Ue»rs eine solche Ausstellung ersetzte, hatte 183k in den Gewächshäusern derTuilerien die erste mit Preisvertheilung verbundene statt. Brüssel hat ausgezeich-net reich ausgestattete durch seine Societe ck'üvrticultm-e und durch seine Flora-gesellschaft; und in Gent, Antwerpen, Aerschot, Harlem, wo noch immer dieFinnas Van Eden und Voorhelm fortdauern, sind sie seit lange herkömmlich.Eine fortwahrende Ausstellung gewähren die Palmenhäufer der Brüder Loddige inLondon und der botanische Garten in Edinburg, und auf dem Festland? der mitden königlichen Anlagen von Kew wetteifernde Prkvatgarten des BürgermeistersParmentier zu Enghien. (14)

Gauchos. Mit diesem Namen bezeichnet man in den Provinzen amPlatastrome denjenigen Theil der Landesbevölkerung, welcher sich ausschließend mitder Viehzucht beschäftigt. Das spanische Wort ^-mcku bezeichnet das Linke, in dieserAnwendung also ein linkischer, roher Mensch. Die Gauchos betrachten sich im Gan-zen als Spanier oder vielmehr als Ereolen, indeß haben alle ihre Familien eine sehrbedeutende Beimischung indianischen Blutes aus den Zeiten der ersten Ansiedelun-gen der Europaer. Auch unterscheiden sie sich in der Bildungsstufe, auf welchersie stehen, kaum von den wilden Pampasindianern, welche ihnen zuweilen einenTheil ihrer zahlreichen Viehheerden hinwegtreiben. Die Wohnungen der Gauchosin den Pampas der argentinischen Republik liegen zerstreut, oft 1t) 30 spani-sche Meilen von einander entfernt, in der Mitte der großen Viehgüter (kstanciasoder Delmsas). Sie sind aus Pfählen mit Lehm erbaut, das Dach mit Kuhhäu-ten gedeckt, und Kuhhäute dienen als Thüre, Fensterladen, Betten für die ganzeFamilie, die sich Tag und Nacht des einen Raumes bedient, aus welchem dasganze Haus besteht, sofern nicht eine ungeheure Menge von Flöhen, wenigstens

95